Heilpraktiker Berufs-Bund

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Von den Weisen Frauen zur Phytotherapie

Heilkunde und Historie

Von den Weisen Frauen zur Phytotherapie - dem vermeintlichen Heidentum zum Heute

Bereits steinzeitliche Funde deuten auf die Verwendung von Pflanzen in der Heilkunde hin. Altbabylonische Keilschrifttafeln zeugen davon genauso, wie ägyptischer Papyrus (16. Jahrhundert v. Chr.), Funde aus Südasien und Mesopotamien, Nachlässe der Araber und Römer. In Griechenland verfasste der Arzt Hippokrates (460 - 370 v. Chr.) den „Corpus hippocraticum“, dessen Name durch den hippokratischen Eid sprichwörtlich für die ärztliche Ethik geworden ist.

Ohne Jakob Grimm und andere Romantiker müsste man somit fast annehmen, daß die Bevölkerung Nordeuropas in dunkelster Unwissenheit gefangen war, bis Zisterzienser und Kartäuser kamen und sie die Heilkunst lehrten, Benedikt von Nursia (530) in Süditalien das Mutterkloster des Benediktinerordens gründete und seine Anweisungen zur Entstehung der Klosterheilkunde führten. Ein Irrtum, denn Wesentliches unserer Heilkunde entstammt dem nordischen Heidentum, dem Wissen der Kelten und wurde von einfachen, scheinbar ungelehrten Menschen bis in die Neuzeit getragen: 

 Volksmedizin, nicht unbedingt klinisch nachgewiesen, wohl aber über viele Jahrhunderte erprobt (Vgl. Tacitus, „Germania 8“).

Die Niederschriften des überlieferten Wissens durch die Mönche verhinderten, daß von jener alten Erfahrungsmedizin noch mehr verloren ging, als tatsächlich auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Zunehmend geriet der Klostergarten zum Herzstück der Kräuterheilkunde. Sowohl ein Gegensatz zu der Vorvergangenheit, zugleich ein erster, oder weiterer Schritt zur heutigen Naturheilkunde.

 Volksmedizin der „heidnischen Völker“ - „Weise Frauen“, Heilerinnen und Kräuterweiber versus „Hexentum“

 „Man hiess sie Heid, wo ins Haus sie kam, das weise Weib; sie wusste die Künste, sie behexte Kluge, sie behexte Toren, immer ehrten sie arge Frauen...“

(Edda, der Seherin Gesicht)

Bereits in der grauen Vorzeit unserer Ahnen wurden Weise Frauen und Heilerinnen als Wurzelkundige verehrt. Unter Wurzel ist dabei nicht zu verstehen, was man gegenwärtig damit in Verbindung bringt. Wurz war das heilkräftige Pflanzenwesen und findet sich noch heute in den Namen vieler Heilkräuter: Nelkwurz, Haselwurz, Meisterwurz und andere mehr.

In der Wurzel liegen die Ursprünge der Dinge. Der keltisch-germanischen Sage nach sitzen die drei Mütter an den drei Wurzeln des Weltenbaumes. Dort spinnen die Urgöttinnen das Schicksal der Welt: „Eine Esche weiß ich, sie heißt Yggdrasil, die hohe, umhüllt von hellem Nebel, von dort kommt der Tau, der in die Täler fällt, immergrün steht sie am Urdbrunnen. Von dort kommen Frauen, vielkundige, drei, aus dem Born, der beim Baume liegt“, so kündet die Völva, die Seherin der germanischen Edda. Der wahre Wurzelkundige ist also nicht nur ein Botaniker, der die Pflanzen erkennt, sondern auch ein Okkultist (occultus - verborgen, versteckt), der hinter die Fassade zu blicken vermag, unter der Oberfläche zu spüren weiß und über ein Können verfügt, welches ihm erlaubt, das verborgene Wesen der Pflanzen beim Namen zu nennen und zu nutzen. So sind die Anfänge der Kräuterkunde in jenen Zeiten zu finden, als es noch üblich war, die Pflanzenseelen zu befragen und vieles Wissen instinktiv zum Menschen kam - aus der Wurzel des inneren Gefühles. 

Kräuterkundig bedeutet, die verborgenen Eigenschaften der Pflanzen zu erkennen. Dafür standen die Weisen Frauen, die Kräuterweiber und die Heilerinnen.

Einst war es Hagazussa, die naturkundige Frau, die im Hag saß, zwischen kultiviertem Land und wildem Wald verkehrte. Sie kannte beides - die alltägliche Welt des Dorfes und die Welt der Geister. Oft war sie auch Dorfhebamme und Totenbegleiterin. Die nordischen Seidkona brauten in siedenden Kesseln heilkräftige Gebräue und standen unter der Herrschaft der Göttin Freya. Besonders hochgeachtete Heilerinnen und Seherinnen waren die Völvas, Walpurgas oder Veledas. Tacitus schreibt voller Verwunderung: „Sie (die Germanen) meinen sogar, daß es bei den Weibern etwas Heiliges und Prophetisches gibt, und die verschmähen weder ihre Ratschläge noch vernachlässigen sie die Antworten (Tacitus, Germania 8). Als Kundige waren auch Galsterer unterwegs, die mit beschwörenden Gesängen ihre vorausschauende Fähigkeiten forcierten, Heilkräuter besangen. Lachsnerinnen waren die germanischen Heilerinnen. Lachsen heißt auch zaubern oder heilen. Diese Frauen sangen Zauberlieder, berührten die Stellen wo das Übel saß und trugen Kräuter auf, die wir noch heute in der wissenschaftlichen Phytotherapie finden. Auch in den später bäuerlichen Gesellschaften war es vornehmlich das Weibervolk, welches sich mit Pflanzen und Kräutern beschäftigte. Die Mädchen halfen den Müttern und Großmüttern. Dabei lernten sie durch das tägliche Miterleben, wo zu welcher Jahreszeit die besten Wurzeln wachsen und welche Heilkraft in den Pflanzen ruht. Kräuterwissen wurde in Spinnstuben, beim Wäschewaschen und auch in Märchen, Wiegenliedern und Reimen weitergegeben. Besonders begabte Frauen wurden als femme sage, witch-woman oder Weise Frau verehrt, Männer erhielten ihre Heilgabe von Frauen. So lernte schon der Recke Wate von einem Weibe, wie es im Gudrunlied heißt: „Sie haeten in langer zite d vor wol vernomen, daz Wate arzet waere von einem wilden wibe.“ Die Frau als Hüterin der Geheimnisse um das Wohl des Menschen, um seine Zeugungskraft und Fruchtbarkeit hatte in der abendländischen Kultur somit ihren festen Platz.

Lange Zeit waren Priesterinnen stets auch Heilerinnen, das geheime botanische Wissen um Kräuter, Massagen und Tinkturen und deren Heil- und Giftwirkung zeichnete die weisen Frauen aus. Sie beherrschten im Mittelalter das Gesundheitswesen und hatten eine sehr enge Bindung an Garten und Natur, etwa die Kräfte des Mondes. Die meisten heilkundigen Frauen waren Pflegerin, Ärztin, Ratgeberin und Hebamme in einer Person. Sie wurden bei Krankheiten und Entbindungen gerufen, um zu heilen und zu helfen - gleichgültig, ob bei Nasenbluten, Gicht, Warzen, Erkältungen oder einfach nur gegen Liebeskummer und Depressionen. Es gab kaum ein körperliches oder seelisches Leiden, bei dem sie keine Abhilfe schaffen konnten. Sie waren mit den meisten Heilkräutern vertraut, kannten die besten Standorte, selbst äußerst seltener und begehrter Exemplare und wußten, wann und wie diese gepflückt werden mußten, damit sie ihre magische Wirkung am besten entfalten konnten. So durften einige Pflanzen nur zu ganz bestimmten Stunden oder ausschließlich bei zu- oder abnehmendem Mond gesammelt werden. Bei manchen Kuren oder Behandlungsmethoden war dagegen zu beachten, daß sie nur bei Vollmond durchgeführt werden durften. Die Weisen Frauen verwendeten anregende Kräuter wie Bärlauch, Huflattich und Löwenzahn etwa bei Erkältungskrankheiten ebenso kundig und gewandt, wie sie Gundelkraut oder Minze gegen Alpträume einsetzten. Als Hebammen kannten sie zum Teil bis zu einhundert verschiedene Mittel; sie beherrschten die Möglichkeiten der Geburtenkontrolle, hüteten die Geheimnisse der Geburtshilfe und wußten um die natürlichen Mittel zur Abtreibung oder Schwangerschaftsverhütung. Auch der Kaiserschnitt fand bereits Anwendung. Die beruhigende Wirkung des Hopfens war diesen Kräuterweibern ebenso vertraut wie die einschläfernden Wirkstoffe des Mohns oder die entzündungshemmenden Eigenschaften des Salbei. Sie verstanden es, die richtigen Salben zu mischen, kannten die uterusanregende Wirkung der Petersilie, die wehenfördernde von Eisenkraut und vermochten sie zur rechten Zeit einzusetzen. Das Heilwissen bestand aus der überlieferten Volksmedizin, die durch Erfahrung und Experiment weiterentwickelt wurde und dem natürlichen Umgang mit magischen Kräften in der Natur. Dieses Wissen umfaßte Körperbau, Kräuter und Drogen, Herstellung von Arzneien und schließlich die Magie.

Obwohl der Anbau von Nutz- und Heilpflanzen auch später in den Klöstern weit verbreitet war, vermochten die Kleriker nicht mit der Kunst der Heilerinnen zu konkurrieren. Besonders die Betreuung von Schwangeren lag aus einsichtigen Gründen buchstäblich in den Händen der heilkundigen Frauen. Sie gaben Schwangeren wertvolle Ratschläge, kannten die am wenigsten schmerzhafte Gebärstellung, behandelten die werdenden Mütter mit wehenfördernden Tinkturen und halfen mit krampflösenden Tees die schlimmsten Schmerzen zu lindern. Damit jedoch zogen sie sich vielerorts den Zorn des Klerus zu. Schon die Kirchenväter postulierten, daß eine Geburt unter Schmerzen vonstatten gehen solle. Schnell wurde den Hebammen ihre Kunst als Blasphemie ausgelegt. Die weisen Frauen setzten ihren geheimen Kräfte zum Wohle ihrer Mitmenschen ein und wurden als Mittlerinnen zwischen Natur und Kultur gleichermaßen gebraucht und verehrt. Gewiß hatten ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten, die ihnen Macht verschafften, für das allgemeine Empfinden schon immer etwas Unheimliches an sich und das Volk brachte ihnen Bewunderung und Respekt zugleich entgegen: Wer um die guten Kräuter wußte - der wußte gewiß auch um die schlechten ... 

Dennoch kamen Heilerinnen keineswegs mit dem Gesetz in Konflikt, solange sie Magie nicht zu bösen Zwecken anwandten. Kräuterkundige Menschen, die anderen Schaden zufügten, wurden jedoch verfolgt, bei Fehlbehandlungen als Kurpfuscher verachtet, von der Justiz zur Rechenschaft gezogen und im schlimmsten Fall sogar getötet. Von einer systematischen Verfolgung der heil- und zauberkundigen Frauen bis zum 15. Jahrhundert konnte bis dahin allerdings noch keine Rede sein.

Wie rasch sich das Ansehen einer heilkundigen Frau von gut zu böse wandeln konnte und wie ein tragischer Todesfall ausreichte, um ein ganzes Lebenswerk zunichte zu machen, zeigt exemplarisch der Fall der Schul-Else aus dem Jahre 1672, die im Busecker Tal lange Zeit als geschätzte und weise Frau zu den Bauern gerufen worden ist. Mit ihren Kräuteraufgüssen hatte sie manches Leiden gelindert, für fast alle Beschwerden wußte sie um ein passendes Mittel und als erfahrene Hebamme holte sie zahlreiche gesunde Kinder auf die Welt. Als sie eines Tages zu spät zu einer Bäuerin gerufen wurde, konnte sie das Neugeborene nicht mehr retten. Ihr guter Ruf war dahin. Sie wurde beschuldigt, das Kind getötet zu haben, um seine noch unbefleckte Seele dem Teufel zu weihen, aus dem Leichnam eine Salbe zu kochen. Auch die zahlreichen Geschwülste und Gebrechen, die sie erfolgreich geheilt hatte, sollte sie nun den Menschen zuvor angeblich mit Hilfe von dämonischen Mächten angehext haben. Als Beweis galten allerlei giftige Pflanzen, die man in ihrem Haus, dem Kräutergarten fand. Die Schul-Else wurde gefangengenommen und gestand ihre Tat auf der Folterbank.

Als dieser Wahn sein Ende fand, waren von weisen Frauen und Heilerinnen nur noch wenige geblieben. Es kam der kühle Wind der Aufklärung, der Schemata und anderen Lehre.

Linnaeus (Carl von Linné, 1707 bis 1778) machte sich an die Anordnung von Pflanzen nach rein morphologischen Kriterien. Zahl, Form, Farbe und Anordnung der Kronblätter, Staubgefässe, Kelch- und Fruchtblätter. Da war kein Platz mehr für den Geist der Kräuter. Von nun an sollte sich das Wesen der Dinge nur noch in der objektiv erfaßbaren Zahl offerieren. Je weiter man in das 18. und 19. Jahrhundert schritt, desto mehr wurde die Medizin eine chemische. Von ungelernten alten Weibern - nicht mehr Weisen Frauen - war keine Rede mehr. Weit zuvor aber noch fanden sich erste, weise und doch medizinisch anerkannte Schriften:

Die ersten „Heilpflanzenbücher“ und die Entstehung der Klosterheilkunde

Das erste ausführliche Heilpflanzenbuch schrieb der in Rom wirkende griechische Arzt Dioskurides um 60 bis etwa 78 n. Chr.: In seiner „Materia medica“ fasste er die Grundzüge der pflanzlichen Arzneimittellehre zusammen. Die ausführliche Beschreibung von rund 600 Kräutern entwickelte sich zu einem Standardwerk, das außerordentlichen Einfluß auf die europäische Medizin haben sollte und seine Gültigkeit bis weit ins 18. Jahrhundert behielt - nicht zuletzt deshalb, da jede Pflanze eine Abbildung besaß und den Anwendungen die Synonyme der Pflanzennamen in Griechisch, Latein und Ägyptisch beigefügt waren. Etwa zeitgleich erschien von Plinius dem Älteren (23-79 n. Chr.) die vielbändige Naturkunde „Naturalis historia“, in welche die Schriften mehrerer hundert antiker Autoren eingeflossen sind, darunter zahlreiche Berichte über den Gebrauch von Heilpflanzen. 

Ein weiterer Grieche sollte die Geschichte der Medizin für die nächsten anderthalb Jahrtausende prägen: Claudius Galenus von Pergamon, auch Galen genannt. Er lebte etwa von 129 bis 200 n. Chr., wirkte unter anderem als Leibarzt des römischen Kaisers Marc Aurel und stellte exakte Regeln für die Zubereitung von Arzneimitteln auf, schuf eine erste umfassende medizinische Theorie und beschrieb systematisch die sogenannte Vier-Säfte-Lehre, wissenschaftlich als Humoralpathologie bezeichnet (humor = Saft, pathologia = Lehre von den Krankheiten). Der Ursprung dessen geht bereits auf Aristoteles zurück, auf der Annahme basierend, daß die gesamte Natur, ob Mensch, Tier, Pflanze oder Erde, aus einem Gleichwicht von vier mit einander verbundenen Elementen besteht. Unwohlsein und Krankheit entstehen aufgrund einer Störung dieses Gleichgewichts - Aufgabe des Arztes somit, dieses wieder herzustellen. Diese Theorie unterstützte im Übrigen auch der griechische Arzt Alkmaion (600 v. Chr.): Gesundheit entspricht Harmonie. Vergleichbar mit dem Yin und Yang der chinesischen Medizin. (Jedem Pol steht ein Gegenpol gegenüber.)

Die griechisch-römische Kultur des Mittelmeerraumes ging in den Wirren der Völkerwanderungen und in den justinianischen Pestwellen (537 bis um 700) zugrunde. Hohes und gestrafftes System, beinhaltend Krankenversorgung, Bildung, Ärzteschaft, Postsysteme und vieles mehr. Die Ärzteschaft, vornehmlich bestehend aus Griechen, versank in der Erinnerung, kämpfend im Alltag, geschunden von Pest und Tod.

Inmitten dieses Chaos tat sich Benedikt von Nursia hervor, vielleicht zum rechten Zeitpunkt wegweisend im 6. Jahrhundert, der Begründer des abendländischen Mönchtums. Lange sammelte er Erfahrungen, verbrachte Zeiten in der Einsiedelei. Rund um 530 gründete er das Kloster auf dem Monte Cassino, Mutterorden für die Benediktiner. Aus eigenen Überzeugungen und Wissen entstanden Regeln, die gar der damalige Papst, Gregor der Große, als verbindlich für alle Klöster und die Kirche erklärte: Seele und Körper, deren Wohlbefinden wurde zum zentralen Anliegen. Neben Benedikt spielte auch sein Ordensbruder Cassiodor eine bedeutende Rolle; beide aber stützten sich letztlich auch auf die Werke des Hippokrates, Dioskurides und Galenus, des Plinius. Ebenso bestimmt hatte Benedikt, dass jeder Mönch pro Jahr ein Buch zu lesen habe, so blieb in den Klöstern, entgegen des sich weit verbreitenden Analphabetismus das Lesen und Schreiben geläufig; politische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung erfuhren sie nicht zuletzt dadurch. Epidemien richteten und metzelten. Karl der Grosse (Übergang vom 8. zum 9. Jahrhundert) gab die „Capitulare de villis“ heraus: Verordnungen für die Königsgüter und den systematischen Anbau von Pflanzen, einhergehend erfolgte die Einweisung der Mönche in die Grundlagen der Medizin.

Ein erstes, besonders starkes Zeugnis des Umbruches war die Handschrift, die um das Jahr 795 im Kloster Lorsch bei Worms entstand. Das „Lorscher Arzneibuch“. Dieses Werk, welches heute in der Staatsbibliothek Bamberg aufbewahrt wird, ist das älteste erhaltene medizinische Buch, das auf deutschem Boden geschrieben ward. Interessant in vielfacher Hinsicht: Die Rechtfertigung der Heilkunde, so der Einstieg. Man nahm die Medizin in Schutz, rechtfertigte sie mit Gott, der dies so gewollt habe. Das Heidentum vermutlich der eine Grund, die Überzeugung des Klerus, einzig über Leben und Tod zu unterscheiden, der zweite. Zuletzt wurden Krankheiten für eine Strafe Gottes gehalten, in die der Mensch nicht einzugreifen habe. Mit diesem Denken versuchte das Arzneibuch nicht nur aufzuräumen, sondern es auszuhebeln. Gedichte, Klostergärten und Ethik, auch der Verweis auf eigene, heimische Kräuter tat einiges hinzu, um dieses Werk als bemerkenswert zu bezeichnen. Zahlreiche Rezepturen und Hinweise nicht minder, Sensation war, dass Baldrian als Schlaf- und Balancemittel erwähnt worden ist, dachte man doch bis vor kurzem, die beruhigende Wirkung sei erst im 18. Jahrhundert entdeckt worden ...

Ungeachtet dieser Schriften geriet die mündliche Überlieferung von Wissen zum Problem. Unbemerkt begann die Entstehung von Rezeptfehlern bei der Überlieferung. Nahezu unlesbare Handschriften kamen genauso hinzu, wie dürftige Beleuchtung der Gewölbe innerhalb der Klöster. Tierhäute, Material für Schriften und Arzneibücher waren zudem teuer: Für 100 große Blätter waren Häuten von 50 Lämmern vonnöten. Paradebeispiel hierfür sei die „Ringelblumenrinde“, in verschiedenen, sehr erfolgreichen Kräuterbüchern erwähnt. Anzumerken ist hier, dass die Ringelblume definitiv niemals verholzt und somit auch keine Rinde auszubilden vermag ...

Klostergärten entstanden, bekamen Zuspruch, wie die Lehre ihrer Bewohner. Der Gallener Klosterplan wurde zum Vorbild: So sollte ein solcher Garten angelegt werden, diese Pflanzen sollte er beinhalten. Neben den wichtigen Arzneipflanzen barg er auch einen Ort der Ruhe, zugunsten der inneren Einkehr. Vermutlich Inspiration für die stimmungsvollen Garten-Gedichte des Walafrid Strabo, Mönch, Abt, Gelehrter, Maler und Dichter.

Erst in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhundert läßt sich mit dem „Macer floridus“ ein neuerliches Buch zur Kräuterheilkunde finden. Erst mit dem Titel „De viribus herbarum“ (Über die Wirkungen der Kräuter“) und vermutlich vom Mönch Odo Magdunensis verfaßt, wird an den Dichter Aemilius Macer, Ovid nahestehend, erinnert. Hier werden nahezu alle Pflanzen behandelt, die bereits im „Hortulus“ angeführt werden, mehr jedoch noch, in der zweiten Fassung gar 77 Pflanzen, mit mehr als 2000 Hexametern beschrieben. Bei allem aber standen die Heilwirkungen - trotz Dichtung - im Vordergrund.

Ebenso kamen im „Macer“ die auf Galenus zurückgehenden humoralpathologischen Gedanken vor. Diese hatte nun mit erneuten Einfluß auf die Klosterheilkunde. Therapien wurden ausprobiert, analysiert und währenddessen erlebte die arabische Hochkultur eine Blütezeit. Das dort bemerkenswerte, medizinische und botanische Wissen ist vornehmlich am wohl bekanntesten Arzt dieser Epoche festzumachen: Dem Fürsten der Ärzte, Ibn Sina, Avicenna, so auf Latein.

Der Niedergang der Klostermedizin

Als die europäischen Gelehrten langsam begannen, auch dieses Wissen zu verwerten und überhaupt aufzunehmen, die Texte von Galenus und Hippokrates wiederzuentdecken, kam es bereits zur Gründung von Krankenhäusern, Medizinschulen und gar Universitäten. Südlich von Neapel entstand die berühmte Schule von Salerno. 

Die Klöster wandten sich eigener Beobachtung und dem Quellenstudium zu. Neue Impulse brachte Hildegard von Bingen, sich selbst als Ungebildete, als indocta bezeichnend. Religiös-moralische Betrachtungen wurden hier mit heilkundlichen Anweisungen verbunden. 1233 bemühte sich Papst Gregor IX. um die Heiligsprechung der Äbtissin, die scheiterte, weil die notwendigen Dokumente als verloren gegangen galten.

Bereits im 10. und 11. Jahrhundert begann der Bildungselan der Klosterschulen nachzulassen. Weltliche Aufgaben rückten ferner, Bildung und Heilung wandelten sich in Liturgie und Kontemplation und neue Orden entstanden. Franziskaner, Dominikaner, Zisterzienser bildeten neue Klöster, die Epoche der Klosterheilkunde folgte die der so genannten scholastischen Medizin, die als eigenständiges Fach an den medizinischen Hochschulen gelehrt wurde. Die Schriften Salernos wurden aufgenommen, man war bestrebt, sich die neuen akademischen Medizin-Lehren anzueignen. Ein berühmtes Beispiel für die enge Umschlingung von klösterlichem Heilwissen und scholastischer Medizin ist Albertus Magnus (um 1200 bis 1280). Der als „Doktor universalis“ bezeichnete Dominikaner war Theologe, Philosoph und Naturforscher. Er versuchte, Pflanzen zu klassifizieren, wobei er Schriften aus der Schule von Salerno und vieler andere Traditionen mit seinen Erkenntnissen zu einem botanischen Kompendium verband, welches auch medizinische Aspekte enthielt.

Der „Schwarze Tod“

... brachte auch Missernten, Mangelernährung, Schwächung der Menschen und die Überfüllung von Städten mit sich, als der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit im 13. und 14. Jahrhundert Einstand hielt. Die Klöster gaben ihre umfassende medizinische Versorgung auf. Die Pest verbreitete sich, nicht zuletzt durch die Verletzung einfacher hygienischer Grundregeln und Gebote, Europa verlor zwischen 1315 und 1317 ein Drittel seiner Bevölkerung durch die Pest. Ärzte waren machtlos. Aderlasß kam ins Gespräch, erneut, ebenso der Gebrauch von Chemikalien wie Quecksilber und Arsen. Die Verwendung von Heilpflanzen ging zurück; das Credo des Hippokrates „ungewöhnliche Fälle verlangen ungewöhnliche Arzneien“ wurde zu wörtlich genommen, die rasante Zuname von Giften und Abführmitteln nahm rapide zu.

Nahezu rechtzeitig trat ein Mahner auf den Plan, der im Umgang mit Giften zur Vorsicht, zur richtigen Dosierung riet: Paracelsus, Arzt und Naturforscher, eigentlich Theophrastus Bombastus von Hohenheim genannt. „Die Dosis macht das Gift“, so seine Worte, bis heute mehr als bekannt. 1493 im Kanton Schwyz geboren, studierte er in Italien, begab sich dann auf eine mehr als zehnjährige Wanderung durch nahezu alle Länder Europas. Er predigte zeitlebens die Empirie und die praktische Arbeit. Genau beobachten, Erfahrungen sammeln, Zeit mit den Patienten zu verbringen war von Wichtigkeit; in seinem Weltbild griff er zudem auf eine der ältesten medizinischen Theorien zurück: Die Signaturenlehre. Diese besagt, daß bereits die äußere Gestalt einer Pflanze, ihr Geruch, ihre Farbe, Zeichen sind auf das Innere, also die Heilwirkung und die entsprechenden Krankheiten, auf die die Wirkung abzielt. Erneut finden wir zurück zum Volkswissen, zum Basiswissen jeder medizinischen Ausbildung. Wenn auch nicht „bewiesen“, in Studien belegt ...

Der „Boom“ der Kräuterbücher

Mit Erfindung des Buchdruckes durch Gutenberg im 15. Jahrhundert erlebten die Bücher antiker und mittelalterlichen Autoren eine Renaissance. Übersetzungen kamen, Überarbeitungen, Bildung nahm zu. Bibliotheken entstanden und mit ihnen ein wachsendes Publikum. Im Barockzeitalter erreichte die Klosterkultur einen neuen Höhepunkt, der zu neuem Engagement in Wissenschaft und Medizin führte, die Entwicklung der Pharmazie vorantrieb. Missionierungen, freiwillig oder zwangsweise, begannen, Neues wurde kennen gelernt, Unbekanntes kam hinzu, der Heilpflanzenanbau erlebte eine neue Blüte, daß noch im 18. Jahrhundert Apotheken gegründet wurden, die neben dem Eigenbedarf der Mönche auch das Umfeld mitversorgten. Erst die Säkularisation in Deutschland im Jahre 1803 beendete die medizinische Versorgung durch die Klöster. Als Ersatz für die französischen Eroberungen links des Rheins wurden damals die Hoheitsrechte und der Besitz von vier Erzbistümern, 18 Bistümern etc. konfisziert und teils zerstört. Damit kam Klosterheilkunde gänzlich zum Erliegen. In Ländern wie Österreich wurde sie weitergeführt, in Italien betreiben heute viele Klöster erneut den Anbau und Verkauf von Heilpflanzen, in Russland sichern sie oft die medizinische Versorgung, ebenso in Südamerika und Afrika.

Die Spurensuche innerhalb der Kirchen und Klosterapotheken steht erst am Anfang. Andere Unterlagen sind verschollen. Vieles liegt noch unter verstaubten Buchdeckeln verborgen, wartet auf moderne Prüfungen. Das Wissen der Antike, des Mittelalters bestimmt die Phytotherapie noch heute. Die Entwicklung chemischer Pharmazeutika hat den Gebrauch von Heilpflanzen und das Wissen um ihre Anwendung verdrängt. Zugleich bringen Gesundheitsreform, Kosten und die Erinnerung an Vergessenes auch eine neue Chance mit sich.

Das Wissen der Vorvergangenheit, welches teils auch durch die Kirche selbst zerstört worden ist - wenngleich sie fleißig notierte und so am Leben hielt - wird schwerlich nur wieder greifbar werden. Dennoch bleibt es, den Sieg der sanften Medizin in der heutigen Entwicklung zu verfolgen, auf neuere Erkenntnisse und das vergessene Wissen zu vertrauen.

Erfahrungsmedizin, Volksmedizin, Ethnomedizin

Die nicht wissenschaftlich belegten Wirkungen von Heilkräutern, die in den hier aufgeführten Schriften und in den Kräuterbüchern von L. Fuchs, A. Mathiolus, H. Bock und A. Lonicerus aufgeführt sind, werden als Erfahrungsmedizin bezeichnet.

Zur Erfahrungsmedizin gehören auch die Volks- und Ethnomedizin:

Unter Volksmedizin versteht man die Heilkräuterkunde ohne wissenschaftliche Belege, die regional über die Erfahrungen von Kräuterfrauen und Ärzten mündlich an die nächste Generation weitergegeben werden.

 Die sogenannte Ethnomedizin beschäftigt sich mit dem rituellen und medizinischen Brauchtum von      Naturvölkern und von Bevölkerungsgruppen in der modernen Zivilisation.

Fehlermöglichkeiten bei der Interpretation überlieferter Schriften

Botanische Zuordnungen sind nicht korrekt erfolgt oder nicht nachvollziehbar

Handschriften waren teilweise unlesbar und wurden möglicherweise auch fehlinterpretiert, beispielsweise durch häufige Abkürzungen, die infolge des Mangels an Schreibutensilien (Schweinehäute etc.) nötig wurden

Zahlreiche Abkürzungen führten möglicherweise zu Missverständnissen

Viele Überlieferungen wurden nicht schriftlich festgehalten, sondern nur mündlich von Generation zu Generation weitergetragen

Vielerlei Überlieferungen wurden durch vermeintliche Gegner - der Inquisition im Falle der Hexenprozesse, den römischen Berichterstattern bezüglich des Wissens der heidnischen Völker - niedergeschrieben und somit gegebenenfalls auch verändert

Die Bedeutung für die Praxis

Erfahrungsmedizinische Berichte über die Wirkungen von Heilpflanzen können fehlerbehaftet sein. Es ist somit ungewiß, daß die Wirkungen eintreten bzw. so eintreten, wie angenommen.

Bei sehr vielen volksmedizinisch verwendeten Pflanzen ist wissenschaftliches Erkenntnismaterial über die Wirksamkeit nicht vorhanden. Dies allerdings ist nicht zwingend mit Unwirksamkeit gleichzusetzen!

Bei bedenklichen Anwendungen aus Sicht der heutigen Schulmedizin hat der Apotheker nach dem Arzneimittelgesetz die Pflicht, die Abgabe zu verweigern (beispielsweise bei Haselwurz, Aristolochia-Arten mit krebserregenden Aristolochiasäuren, Perubalsam mit allergisierenden Eigenschaften, einheimisches Wasserdostkraut, auch Kunigundenkraut genannt, Beinwellkraut bzw. -wurzeln mit leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloiden etc.).

In seriösen Lehrbüchern zur Phytotherapie wird zwischen nicht belegten Wirkungen im Rahmen der Erfahrungsmedizin bzw. Volksmedizin und wissenschaftlich erwiesenen Wirkungen unterschieden.

Phytotherapie im engeren Sinne (Rationale und traditionelle Phytotherapie/ Einführung des Begriffes „Phytotherapie“ durch Leclérc)

Einführung des Begriffes „Phytotherapie“ erfolgte durch Henri Leclérc (1870 - 1955). Bedeutung: Therapie mit Heilpflanzen.

Im weitesten Sinne würden dazu beispielsweise auch die Homöopathie, Bach-Blüten-Therapie, Anthroposophie, TCM, Ayurveda und Kampo-Medizin gehören, die man aber von der Phytotherapie im engeren Sinne abgrenzt. Diese bedient sich pflanzlicher Zubereitungen zur Therapie von Erkrankungen, basierend auf schulmedizinischem Verständnis zur Diagnose von Krankheiten und deren Behandlung. Pflanzenextrakte oder darin enthaltene Inhaltsstoffe üben in konzentrierter Form eine heilende Wirkung auf leidende Organe aus.

Man unterscheidet

rationale Phytotherapie, bei der die Wirkung verschiedener Extrakte durch klinische Studien oder Anwendungsbeobachtungen in ärztlichen Praxen oder Expertengutachten beispielsweise in Form von Heilpflanzen-Monografien der Kommission E, der ESCOP oder WHO belegt oder aufgrund von Inhaltsstoffen erklärbar ist, und

traditionelle Phytotherapie, bei der die Wirkungen durch mündliche oder schriftliche Überlieferungen für verschiedene Pflanzen postuliert werden, aber noch nicht wissenschaftlich belegt sind.

Phytopharmaka (pflanzliche Fertigarzneimittel) enthalten Pflanzenteile oder Zubereitungen (Extrakte oder Presssäfte) daraus. Isolierte Pflanzeninhaltsstoffe, die nicht in Verbindung mit dem Pflanzenextrakt eingenommen werden, zählen nicht zu den Phytopharmaka (Digitoxin, Atropin, Pilocarpin und andere). 

Monografien der Kommission E, ESCOP UND WHO

Kommission E-Monografien

Ursprünglich hatten Arzneimittelhersteller den Zulassungsbehörden nur eine Meldung zu geben, wenn sie ein Arzneimittel auf den Markt bringen wollten. Seit dem Contergan-Skandal in den frühen 60er Jahren aber mußten die Hersteller den Behörden Belege über die Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität ein- bzw. nachreichen. Diejenigen Arzneimittel, die sich bereits auf dem Markt befanden, mußten „nachzugelassen“ werden. Die Nachzulassung der Medikamente reicht bis in das Jahr 2007 hinein.

Um den Aufwand für milde Medikamente zu reduzieren, wurde von der Zulassungsbehörde die „Kommission E“ eingerichtet, die für pflanzliches Material in der Literatur zitierte Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Heilpflanzen zusammenfassen sollte. So konnten die Hersteller sich auf diese „Kommission E -Monografien“ beziehen. Damit stand erstmalig eine Datensammlung über verschiedene Heilpflanzen zur Verfügung. Die Kommission E stellte nach wenigen Jahren ihre Tätigkeit ein, weil der Gesetzgeber die Arzneimittelhersteller in die Pflicht nahm, die Beweise über die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit selbst zu erbringen, da er diese Aufgabe nicht auf der Seite des Staates oder Steuerzahlers sah. Heute hat die Kommission E nur noch beratende Funktion bei der Zulassung für pflanzliche Arzneien. Die Mitglieder setzen sich aus Experten verschiedener Bereiche zusammen: Apotheker, Ärzte, Professoren dieser Gebiete und Heilpraktiker.

Nachteil der Kommission E-Monografien ist, daß sie bei der Dosierung der Heilpflanzen nicht unterscheiden, wie die Extrakte zubereitet werden. Das Auszugsmittel aber hat neben der Gewinnung der Pflanzenteile entscheidenden Einfluß auf die Zusammensetzung des Extraktes.

ESCOP-Monografien

Ein europäischer Verband der Hersteller von Heilpflanzenpräparaten (European Scientific Cooperation of Phytopharmaca) hat, nachdem die Kommission E die Erstellung von Monografien einstellte, die Aufgabe für die Zusammenstellung solcher übernommen. In diesen werden für verschiedene Extrakte Dosierungen einbezogen, zuweilen finden sich auch besondere Angaben für Kinder oder Senioren.

WHO-Monografien

Auch die Weltgesundheitsorganisation hat Monografien über Heilpflanzen erstellt, die sich in diesem Fall über die ganze Welt erstrecken.

Abgrenzung der verschiedenen Heilverfahren auf pflanzlicher Basis

Darunter können folgende Therapierichtungen fallen, die von der Phytotherapie nach heutigem Verständnis abgegrenzt werden und als besondere Therapieausrichtungen bzw. alternative Phytotherapie bezeichnet werden. Meist werden dabei die Pflanzen nicht gegen bestimmte Beschwerden eingesetzt, sondern sie sollen ein krankheitsverursachendes Ungleichgewicht zwischen Körper, Seele und Geist wieder ausgleichen.

Homöopathie

Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt

Versuche von konzentrierten Pflanzenauszügen ergeben beim gesunden Menschen Symptome, die dem Krankheitsbild ähneln, gegen die die jeweilige Pflanze in potenzierter Form eingesetzt wird

Arzneiherstellung erfolgt nach den Regeln des Homöopathischen Arzneibuches (z. B. Einsatz von frischen Pflanzenteilen in Form von Urtinkturen aus einem Teil Frischpflanzen auf zehn Teilen Ethanol, 90prozentig)

Dosierungslehre (Konstitutionsmittel werden in Hochpotenzen, Organmittel in niedrigeren, meist D-Potenzen eingesetzt)

Spargyrik

Auszug erfolgt durch die Vereinigung der veraschten Pflanze, der vergorenen Pflanze und der destillierten, sodass alle drei Wesensglieder (Körper = Sal = Asche, Geist = Merkur = vergorener Teil und Seele = Sulphur = öliger Teil = Destillat) als heilendes Agens in der Zubereitung vorliegen

Anthroposophie

Regulation des Nerven-Sinnes-Systems, des Stoffwechselsystems und des rhythmischen Systems durch verschiedene Therapieverfahren, beispielsweise der Therapie mit Pflanzen, die ausschließlich den Äther-Leib (Stoffwechselvorgänge) und physischen Leib (aus anorganischer und organischer Masse) beeinflussen

Jedes Pflanzenteil findet in einem bestimmten Körperorgan eine Entsprechung, beispielsweise wirken Wurzeln auf den Verdauungstrakt

Der Erntezeitpunkt oder der Zeitpunkt der Extrakt- und Arzneimittelherstellung insbesondere bei kosmischen Einflüssen und Tageszeiten nehmen Einfluss auf die Wirkung der Pflanze

Herstellungsverfahren

Hildegard-Medizin

Begründet von Hildegard von Bingen

Bachblütentherapie

Eine erkrankte Seele begründet Krankheiten

Die heilende Kraft auf die menschliche Seele liegt in den Blüten von Pflanzen vor. Herstellung von Bachblütenessenzen unter Verwendung von Quellwasser durch das

1.Sonnenverfahren

2.oder das Kochverfahren

Transkulturelle Phytotherapie

Ayurveda

1.Drei biologische Kräfte wirken störend auf das gesunde Gleichgewicht. (Doshas = Verderber)

2.Vate für Beweglichkeit, Schnelligkeit und Leichtigkeit, Pitta aus Feuer repräsentiert Stoffwechsel, Verdauung, Wärmehaushalt, Intellekt und Gefühle, Kapha aus Wasser und Erde wirkt formgebend und steuert den Flüssigkeitshaushalt im Körper

3.Mit verschiedenen Therapieformen (Massage, Wärme, Schwitzkuren, Entspannungsverfahren, Ernährungsweise und Heilpflanzenanwendungen) wird eine krankmachende Verschiebung der Doshas gegenreguliert.

TCM

Traditionelle chinesische Medizin, die verschiedene Therapieverfahren, 

auch Heilpflanzen verwendet, um Yin und Yang wieder in das Gleichgewicht zu bringen

Kampo-Medizin

Japanische Phytotherapie

Hildegard von Bingen

Die Verschmelzung der Tradition der Gottesmänner mit der Volksheilkunde der weisen Frauen findet sich in Hildegard von Bingen wieder, einer - genau genommen - weisen Frau im Nonnengewand: Sie kannte nicht nur die Kräuter der Bibel und des Klostergartens, sondern wußte auch die einheimischen Heilpflanzen einzuschätzen - und zu spüren.

Hildegard von Bingen (1098 - 1179) Benediktinerin, seit 1136 Äbtissin, gilt als erste, nicht typische Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Ihre Leistung liegt unter anderem darin, dass sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der Volksmedizin zusammenbrachte und erstmals die volkstümlichen Pflanzennamen nutzte. Ihre bekanntesten Schriften sind die „Causa et curae“ und die „Physica“, deren Ursprung in göttlich inspirierter Einsicht zu finden sein soll.

Der Gedanke der Einheit und Ganzheit ist Schlüssel zu Hildegards natur- und heilkundlichen Schriften. Diese sind ganz davon geprägt, daß Heil und Heilung des kranken Menschen allein von der Hinwendung zum Glauben, der allein guten Werke und einer maßvollen Lebens-Ordnung ausgehen kann. Nach Hildegards Auffassung entstehen die von ihr beschriebenen Krankheiten innerhalb der folgenden vier Bereiche simultan: körperlich-seelisch und spirituell-kosmologisch. Dementsprechend kann eine Heilung auch nur ganzheitlich stattfinden. Den vier Bereichen entsprechen die vier Elemente, mit denen der Mensch untrennbar verbunden ist. Wenn der Mensch lasterhaft lebt, d.h. nicht mit Gott und der Natur im Einklang steht, entwickeln sich nach Hildegard seelische Blockaden.

Anwendung zahlreicher pflanzlicher Arzneien, Minerale, aber auch Edelsteine, manchmal unter Berücksichtung der Mondphase

Ausleitungsverfahren wie Aderlass, Schröpfen, Fasten, Schwitzbäder.

Geregelter Wechsel von Ruhe und Aktivität.

Seelische Reinigung durch Liebe und Hoffnung, Musik, Gebet und Meditation.

Thesen über die Vernichtung Weiser Frauen

Häufig geht die Kunde, es seien die weisen Frauen gewesen, die innerhalb des Hexenwahnes verfolgt worden sind. Jene Frauen, die über Heilwissen verfügten, Kräuterweiber waren und geheimnisvolle Fähigkeiten inne hatten.

Durch das 1979 erschienene Buch „Die Vernichtung der weisen Frauen“ von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger erhielt diese bis ins 19. Jahrhundert vorherrschende Meinung neue Aktualität. Den Autoren zufolge haben kirchliche und weltliche Grund- und Landesherren im Übergang vom späten Mittelalter zur Neuzeit in Zentraleuropa das Ziel verfolgt, die durch die Pestzüge des 14. und 15. Jahrhunderts entvölkerten Gebiete möglichst schnell wieder mit Menschen zu füllen. Als Haupthindernis habe man die Kenntnis empfängnisverhütender Mittel der als Hebammen tätigen „weisen Frauen“ angesehen. Daher seien sie als Hexen verfolgt worden.

Die neuere Hexenprozeßforschung hat diese These als unhistorisch und unwissenschaftlich kommentiert: Es gebe Regionalstudien, die besagen, daß das Verfolgungsbegehren meist von der Bevölkerung, nicht von Kirche und Obrigkeit, ausging. Heilkundige seien Angesehene des sozialen Lebens und eher auf der Seite der Hexengegner bzw. -opfer gewesen. Auch gelte es als sicher, daß gegen Ende der Hexenverfolgungen zunehmend Kinder und Männer Opfer der Verfolgungen wurden. Eine weitere Theorie der zielgerichteten Vernichtung weiser Frauen, Kräuterweiber und Heilerinnen geht davon aus, dass deren Wissen der Geistlichkeit mißfiel, da die Kirche ihre eigene Form von Magie zur Verfügung gestellt habe. So sei ein Amalgam aus traditioneller und kirchlicher Magie entstanden. Nach der Zivilisationstheorie von Norbert Elias handelt es sich beim Hexenwahn um einen gesellschaftlichen Prozeß zur Bewältigung von Ängsten vor dem Übernatürlichen. Den Verdächtigten seien all jene Eigenschaften zugeschrieben, die ein im Eliasschen Sinne zivilisierter Mensch weder an sich selbst noch in seiner Umgebung wahrnehmen wolle. Die Auszugrenzende sei somit ein Werkzeug der Gesellschaft gewesen, mit dessen Hilfe gelernt wurde, mit Schuldgefühlen, Angst und Aggression umzugehen.

Wie Weise zu „Hexen“ wurden

Heilkundige, weise Frauen und Hebammen standen bei der Bevölkerung in hohem Ansehen, während die damaligen Ärzte ein sehr geringes Gewicht beim Volk inne hatten. Paracelsus beispielsweise sagte, all sein Wissen habe er von den weisen Frauen gelernt.

Im 13. Jahrhundert setzte sich die europäische Heilkunde als Beruf durch. Zunächst waren es heilkundige, weise Frauen und Hebammen, die dieser Tätigkeit nachgingen.

1238 und 1239 erließ Kaiser Friedrich II. Gesetze zum Schutz der Inquisition. Papst Innozenz IV. genehmigte 1252 mit der Bulle „Ad Exstirpanda“ den Gebrauch der Folter zur Erpressung von Geständnissen: Verfahren ohne Anklage, Denunziation, Folter und Tod auf dem Scheiterhaufen. Als die Ketzerbewegungen weitgehend ausgerottet waren, gerieten Frauen zum neuen Feindbild. Thomas von Aquin (1225-1274), bedeutendster und einflußreicher Philosoph und Theologe des Mittelalters, bestätigte die Existenz von Hexen und erklärte, daß es Magie gebe und daß sie nicht Werk der Hexen, sondern des Teufels sei. Später folgten wissenschaftliche Begründungen für den Hexen- und Dämonenglauben.

Im 14. Jahrhundert erklärte die Kirche, eine Frau, die sich anmaße zu heilen, ohne studiert zu haben, sei eine Hexe und müsse somit sterben. Heilen sei generell von Übel, außer die Kirche selbst kuriere oder Ärzte handelten unter den wachsamen Augen eben dieser. Wußte ein Arzt einem Patienten nicht zu helfen, eine heilkundige Frau hingegen schon, sei offensichtlich  Magie im Spiel. Wurden magische Praktiken jedoch mit dem Symbol des Kreuzes oder unter Anrufung der heiligen Jungfrau durchgeführt, so galt es als christliche Handlung.

Nachdem die Ausübung des Heilberufes nun ein Universitätsstudium voraussetzte, wurden Lizenzgesetze geschaffen, die ausschließlich männlichen Ärzten die Praxis gestatteten. Geburtshilfe und Frauenheilkunde wurde im 15. Jahrhundert unter die Aufsicht der Stadtärzte gestellt, die Hebamme ward zur Helferin.

1484 baten die beiden Inquisitoren und Dominikanermönche Jakob Sprenger und Heinrich Institoris den Papst um Unterstützung ihrer Tätigkeit. Als Reaktion erlässt Innozenz VIII. die Bulle „Summis Desiderantis“, in der er zur verstärkten Verfolgung von Hexen aufruft. Mit dieser allgemein gehaltenen Bulle - der Papst spricht nicht speziell von Frauen, sondern von „Personen beyderley Geschlechts“ - gelang es mit päpstlicher Autorität jeden Widerstand und Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Prozesse und Hinrichtungen im Keim zu ersticken. Trotz päpstlicher Unterstützung erleidet der Inquisitor Institoris in einem Innsbrucker Prozess eine schwere Niederlage. Im Oktober 1485 begann er in Tirol mit den Verfolgungen. Doch die neuen Ideen des Hexenwesen stießen nicht nur bei der Bevölkerung auf Widerstand: Ein Sturm der Entrüstung ging durchs Land und der Bischof forderte den Inquisitor auf, das Land zu verlassen.

Im Jahr 1487 veröffentlichen die Ordensbrüder Sprenger und Institorius das Handbuch „Der Hexenhammer“. Es wurde zum Standardwerk in der Prozessführung. Hier ist vornehmlich von Frauen als Hexen die Rede. Frauen hätten von Natur aus einen geringeren Glauben, ihr Verstand sei mangelhaft. Unterstützt wurde dieses Frauenbild durch die Ansichten Martin Luthers (1483 bis 1546), daß Frauen ausschließlich zu Hausfrauen und Müttern geschaffen seien: „Männer haben einen breiten, großen Brustkorb, kleine, schmale Hüften und mehr Verstand als Frauen, die nur einen kleinen, schmalen Brustkorb, dafür aber breite Hüften haben, und dass sie das Haus hüten, sich ruhig verhalten, den Haushalt versorgen und Kinder gebären und aufziehen...“

Durch einen Wandel der Rechtsordnung zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Verfolgung durch Privatanzeige vereinfacht. Die örtlichen Gerichtsbarkeiten waren das Vollzugsorgan, die kirchlich beeinflussten juristischen Fakultäten erstellten die jeweiligen Rechtsgutachten. Nicht das Gericht musste die Schuld der Angeklagten, vielmehr mussten die Angeklagten ihre Unschuld beweisen. Schweigen galt übrigens ebenfalls als Geständnis: Es gab kein Entrinnen.

Die verbreitete Annahme, Hexenverfolgungen haben im Mittelalter stattgefunden ist irrig. Oftmals wird damit rückständiges Denken und Aberglaube verbunden, welche dann in der Neuzeit, dem sogenannten Zeitalter der Aufklärung überwunden worden seien. Doch nicht im „finsteren Mittelalter“ fanden die groß angelegten Hexenverbrennungen statt, sondern mit dem Beginn der frühen Neuzeit, dem Zeitalter von Renaissance und Humanismus.

Kräuterbücher der Antike und des Mittelalters

Historische Werke und Personen von A wie Albertus Magnus bis zu Walahfrid Strabo

Albertus Magnus - etwa 1200 bis 1280, Albertus Magnus der Große; Heiligsprechung 1931, „De animalibus“, „De vegatabilibus“: Für seine Pflanzenkunde verband er das botanische Wissen antiker Autoren mit Lehrmeinungen aus „Aviacennas Schriften“ und dem Circa instans, ließ jedoch auch viele auf eigener Erfahrung und Anschauung beruhende Informationen mit ein fließen. Albertus Magnus gilt daher als einer der bedeutendsten Gelehrten des Mittelalters.

Avicenna ist der spanisch - lateinische Name für den Gelehrten und Schriftsteller Abdalla Ibn Sina, der zwischen 973 und 980 in Persien und geboren wurde und 1037 starb. Er gilt als der universelle Wissenschaftler, Philosoph und Arzt des islamischen Ostens im Mittelalter. Seine Schriften in arabischer, teils persischer Sprache verarbeiten neben griechischen und lateinischen Autoren auch arabische Quellen, sein Ruhm in der Medizin beruht auf insgesamt ca. 40 Werken, deren wichtigste der fünfbändige „Canon medizinae“ darstellt. Auf Grund seiner Systematik und übersichtlichen Darstellung war dieses Werk in lateinischen, hebräischen und anderen landessprachlichen Übersetzungen für die Medizinausbildung seiner Zeit grundlegend und es wurde nach Erfindung des Buchdruckes bis ins 17. Jahrhundert nachgedruckt.

Brunschwig, Hieronymus lebte in Straßburg und gehörte zu den bekanntesten deutschen Chirurgen seiner Zeit (1450 - 1512). Sein im Jahr 1500 veröffentlichtes „Kleines Destillierbuch“ beschreibt die medizinische Wirkung der gebrannten Wässer aus den damals bekanntesten Heilpflanzen. In dem Werk sind sehr viele Anwendungen erstmals niedergeschrieben worden, die möglicherweise aus der Volksmedizin des Mittelalters stammen. Über den Destilliervorgang selbst sagt der Wundarzt in diesem Buch nicht viel. Umso ausgiebiger holt er dies im Grossen Destillierbuch von 1508 nach. Außerdem verfasste Brunschwig noch die „Chirurgie“, ein Buch mit Anleitungen und Rezepten für den Wundarzt, der nicht zuletzt wegen seiner oft drastischen Abbildungen in der Medizingeschichte bis heute genannt wird. Der Name Brunschwig hat übrigens nichts mit der Stadt zu tun, gemeint ist vielmehr der schweigende, als stille Brunnen ...

Cassiodor, eigentlich Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus (um 490 bis 380), Senator und Gründer des Klosters Vivarium in Süditalien, war einer der Wegbereiter der Klostermedizin. Er sorgte dafür, daß zahlreiche griechische Texte ins Lateinische übersetzt wurden und legte ein Bildungsprogramm vor, in dem auch das Studium der Medizin empfohlen wurde. Mit seiner Schrift „Institutiones“ (um 530) fordert Cassiodor zum Studium der antiken Wissenschaftler auf. Er vermachte dem Kloster eine umfangreiche Bibliothek, mit der er sich um die Sammlung und Erhaltung des Wissensgutes viele Verdienste erwarb.

„Circa instans“ - diese „Standarddrogenkunde des Mittelalter“ entstand um 1150 in der Medizinschule von Salerno, sie bildet den Höhepunkt in der mittelalterlichen pharmazeutischen Literatur. Als Verfasser gilt ein Mitglied der Ärztefamilie Platearius, der erstmals ein halbalphabetisches Ordnungsprinzip verwendete, die Pflanzen nach Aussehen, Anbau und Anwendung systematisierte. Angaben zur Haltbarkeit werden angeführt, allein mit diesem ausführlichen Teil geht die „Cira instans“ über die früheren Kräuterbücher weit hinaus. Hinzu kommen auch Warnungen vor Nebenwirkungen, Vergiftungen bei falscher Anwendung. Mit all diesen Qualitäten trug das „Circa instans“ zusammen mit dem „Antidotarium Nicolai“ des Nikolaus Salernitanus und dem „Curae“ des Johannes Platearius aus der Salerner Schule zur Professionalität des Apothekerberufes entscheidend bei.

Constantinus Africanus, möglicherweise in Karthago geboren (um 1010/15 bis 1087), bereiste als muslimischer Arznei- und Gewürzhändler fast 40 Jahre den Mittelmeerraum und Vorderen Orient. Dabei lernte er Salerno und das Benediktinerkloster Monte Cassino kennen und trat schließlich in das von Benedikt von Nursia gegründete Kloster ein. Er übersetzte zahlreiche arabische und griechische Autoren ins Lateinische und wurde so einer der Begründer der lateinischen Fachsprache der Medizin. Sein Buch „Liber de gradibus“, eine Art Intensitätsgrade-Lehrbuch, wurde neben seinen Übersetzungen grundlegend für die Ausbildung an der Medizinschule von Salerno sowie für das kurze Zeit später dort entstandene Lehrbuch „Circa instans“.

Dioskurides, eigentlich Pedanios Dioskurides (1. Jahrhundert n. Chr.) stammte aus dem kleinasiatischen Anazarbos und war als Grieche Militärarzt unter den römischen Kaisern Claudius und Nero. Wohl in den Jahren 60 bis 70 n. Chr. verfasste er ein fünfbändiges Buch („Pery hyles iatrikes“, lat. „Materia medica“), das als das bedeutendste pharmazeutische Werk der Antike gilt und bis weit in die neuzeitliche Arzneimittellehre hinein wirkte. Er führte darin alle bis dahin bekannten pflanzlichen, tierischen und mineralischen Heilmittel auf, beschrieb sie sorgfältig und versah die Kapitel mit detaillierten Ausführungen zu Indikationen, Dosierung und Wirkung. Etwa 600 Arzneipflanzen wurden hier zusammengestellt, was Dioskurides zu einem der meistkopierte, -übersetzten und -bearbeiteten Medizinautoren bis ins späte Mittelalter werden ließ.

Das „Elsässische Arzneibuch“ ist 1418 entstanden, erweitert wurde es vier Jahre später. Es besteht aus einer in Straßburg hergestellten Zusammenfassung aller bis dahin vorliegenden deutschen Texte zur Medizin.

Galen von Pergamon (129 - 200 n. Chr.), unumstrittene medizinische und naturphilosophische Autorität bis in die Neuzeit machte sich, ebenfalls Grieche, als Galen einen Namen, war Gladiatorenarzt in Pergamon, wurde zeitweilig zum Leibarzt des Kaisers Marc Aurel in Rom. Als Autor hinterließ er ein sehr umfassendes Werk, das die zur damaligen Zeit vorhandene Literatur wissenschaftlich auswertet. Die Wirkungsgeschichte des so genannten Galenismus lässt sich durch die europäische und arabische Medizinliteratur verfolgen, auch für die Klostermedizin waren Galens Schriften entscheidende Grundlagen.

Hippokrates war der wichtigste und bekannteste Arzt des griechischen Altertums (um 460 bis ca. 370 v. Chr.), der der medizinischen Schule von Kos vorstand und dort als Arzt und Autor wirkte. Nach ihm wurde der „Corpus hippocraticum“ benannte, eine Sammlung der Schriften jener Schule. Sein Name ist durch den Hippokratischen Eid der Ärzte bis heute bekannt.

Plinius der Ältere, Zeitgenosse von Dioskurides, ist der zweite bedeutende Schriftsteller, der sich neben anderen Wissensgebieten auch der Medizin und Pharmazeutik gewidmet hat: Gaius Plinius Secundus (der Ältere, 23 bis 79 n. Chr.) verfasste unter anderem eine 37-bändige Enzyklopädie der Naturgeschichte, „Naturalis historia“, die in ihrer Präzision richtungsweisend war.

„Väter der Botanik“, die so bezeichneten drei wichtigen Autoren von Kräuterbüchern, die nicht mehr (wie Lonitzer und Wonnecke) der eigentlichen Klostermedizin angehörten waren Ärzte und zwei von ihnen auch ehemalige Mönche: Hieronymus Bock (1498 bis 1554), Otto Brunfels (1488 bis 1534) und Leonard Fuchs (1501 bis 1566). Bock war Prediger und Leibarzt des Grafen von Nassau in Hornburg, sein Kräuterbuch erschien erstmals 1539 und behandelt die Heilkräfte und Wirkungen von Pflanzen unter pharmazeutischen Aspekten; Brunfels war Stadtprediger, erwarb 1530 den medizinischen Doktortitel und wurde dann Stadtarzt und Professor der Medizin in Bern. Sein Werk erschien erst in lateinischer, dann in deutscher Sprache. Fuchs lehrte als Professor der Medizin in Ingolstadt und Tübingen. Sein Buch ist nicht nur durch seine Vollständigkeit und Systematik anderen zeitgenössischen Werken überlegen, sondern es bietet darüber hinaus auch noch hervorragende Abbildungen mit einer botanischen Genauigkeit und künstlerischer Vollendung, daß diese noch über Jahrhunderte hinweg kopiert wurden oder als Vorlage dienten.

Walahfrid Strabo, der „schielende Mönch“, war Benediktiner, Dichter und Gelehrter zugleich (808 bis 849). Nach einem Studium an der Fuldaer Klosterschule wurde er zunächst als Erzieher Karls des Kahlen, später als Abt des Klosters Reichenau berufen. Dort verfasste er neben umfangreicher Dichtung auch den „Hortulus“ („De cultura hortorum“), ein in 444 lateinischen Hexameter-Versen gehaltenes botanisches Lehrgedicht. Ausführlich beschreibt Strabo 24 Pflanzen, ihr Aussehen, Anbau und Heilwirkung und hat somit ein medizingeschichtliches wie auch literarisches Werk geschaffen. Er stütz sich zwar auf die üblichen antiken Quellen der Klostermedizin, beobachtet darüber hinaus aber extrem detailliert, beschreibt, wie nur aus eigener Erfahrung heraus beschrieben werden kann.

Literaturhinweise

  • Susanne Fischer-Rizzi: Medizin der Erde, 2. Auflage. AT Verlag, Baden und München 2005
  • Beate Funke, Zauberpflanzen, Pflanzenzauber. Heyne Ludwig, München 2007
  • Roger Kalbermatten: Wesen und Signatur der Heilpflanzen. Die Gestalt als Schlüssel zur Heilkraft der Pflanzen. AT Verlag, Aarau 2002
  • Dr. Johannes G. Mayer: Das große Handbuch der Klosterheilkunde. Weltbildverlag, Augsburg 2005
  • Enrico Malizia: Das Hexenrezeptebuch, 2. Auflage. Goldmann-Verlag, München 2002
  • Gertrud Scherf: Pflanzengeheimnisse alter Zeit. blv
  • Wolf-Dieter Storl, Von Heilkräutern und Pflanzengottheiten. Aurum im Kamphausen Verlag, Bielefeld 2002
  • Wolf-Dieter Storl, Kräuterkunde, Aurum im Kamphausen Verlag. Bielefeld 2006
  • Wolf-Dieter Storl, Pflanzen der Kelten. 4. Auflage. AT Verlag, Aarau, Schweiz 2005
  • Wolf-Dieter Storl, Christian Rätsch, Claudia Müller-Ebeling, Hexenmedizin. AT Verlag, Aarau, Schweiz 2005

Barbara Schuhrk (www.vergessenes-wissen.de)

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