Heilpraktiker Berufs-Bund

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Das Arkanum des Heilens – die Paracelsusmedizin

Heilkunde und Historie

Paracelsus (1493-1541), mittelalterlicher Arzt und Mystiker, eigentlich Theophrastus Bombastus von Hohenheim, war nicht nur kritischer Denker, sondern auch einer der bedeutsamsten Menschen innerhalb der Geschichte der Medizin.

Er prägte die abendländische Heilkunst für alle Zeiten; Homöopathie, Spagyrik, anthroposophische Medizin aber auch die moderne Pharmazie und Chemie wären ohne ihn fast undenkbar - wenngleich dies zu seinen Lebzeiten nicht erkannt worden ist ...

Paracelsus, häufig zitiert und weltberühmt: Zahlreiche Kliniken, Apotheken und Schulen sind nach ihm benannt worden, eine ganz naturheilkundliche Richtung orientiert sich an ihm, Heilpraktikerschulen tragen seinen Namen. Sein Wissen ist legendär, sein Wirken bis in die heutige Zeit Vorbild, die Heilungserfolge als Arzt eilten seinem Ruf voraus. Er wurde geliebt und auch gehasst, war er doch Kritiker der etablierten damaligen Medizin, der Orientierung an „verstaubten Bücherweisheiten“, der Inquisition und der Hexenprozesse.

Die meistzitierteste Aussage des Paracelsus ist:

„All Ding’ sind Gift und nichts ohn’ Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

Wer aber war dieser Mann, der als Mystiker, Philosoph und Alchemist, vor allem aber als Heiler in die Geschichte einging?

Paracelsus, ein Vater der Naturheilkunde

Sein Wissen ist noch immer aktuell, sein Weltbild beeinflusst die Medizin noch heute, wenngleich es auf den Mysterien alter Kulturen beruhte, geprägt war von der Volksmedizin, die er in all seinen Wanderjahren kennen lernte, in denen er von Kräuterweibern angelernt wurde, die später als Hexen verpönt waren.

Heilkunde war für ihn das Wissen um die Geheimnisse der Natur; sein Streben galt dieser Einweihung, des Begreifens unsichtbarer Wirkungen und Energien und zudem der Suche nach den entsprechenden Mitteln. Arzneien, so Paracelsus, sollen im Menschen eine Harmonie mit den kosmischen Kräften erzeugen, somit eine Gesundheit in der Vollendung des Körpers mit Geist und Seele innerhalb des Makrokosmos. Solche Arzneien nannte er Arkana.

Die damalige Medizin, teils beruhend auf der Vier-Säfte-Lehre Galens, war in den Augen des Paracelsus nicht mehr zeitgemäß. Sie schade dem Patienten mehr, als dass sie ihm helfe. Statt Aderlass und Schwermetallvergiftungen, wandte Paracelsus zur Behandlung seiner Patienten vor allem heimische Kräuter an. Den Erfahrungsschatz traditionellen Wissens kombinierte er mit alchemistischen Lehren; nicht zuletzt prägt ihn hier sein Vater, ebenfalls Arzt und Alchemist.

„Einer der ein Buch schreiben will, muss sich nicht auf die beziehen, die nur vom Hörensagen reden und schreiben, sondern er soll (...) aus der Erfahrung reden. Da ist es nicht ein Schwätzwerk, nicht die Arbeit eines Mönches, nicht das Geschwätz alter Weiber.“ (Paracelsus)

Eigentlich hieß er Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim und wurde im Jahre 1493 vermutlich nahe des schweizerischen Einsiedeln geboren, in Egg, einem kleinen Wallfahrtsort. Schon sehr früh verlor er seine Mutter und zog mit seinem Vater Wilhelm Bombast von Hohenheim nach Villach, Kärnten, wo dieser als Stadtarzt praktizierte.

Der junge Theophrastus besuchte dort die höhere Schule, interessierte sich jedoch bereits für die Tätigkeiten seines Vater. Auch stellte er eigene Nachforschungen an, beobachtete die Natur, besaß bereits in dieser Zeit ein großes Wissen über Chemie und Heilkräuterkunde.

Mit 16 begann er in Basel das Studium der Medizin, nach einigen Studienjahren an verschiedenen deutschen Universitäten und bei bekannten Alchemisten dieser Zeit, erlangte er in Wien die Graduierung als Bakkalaureus der Medizin und begab sich nach Ferrara in Italien. Dort promovierte er im Jahre 1515/ 16 zum Doktor der Inneren Medizin und Chirurgie. Doktoren pflegten sich in der damaligen Zeit einen ehrenvolleren Namen zuzulegen; fortan hieß er Paracelsus.

In den darauffolgenden Jahren sammelte er als Militärarzt in ganz Europa Erfahrungen, praktizierte als Wundarzt teils auf Märkten, wo er mit großem Erfolg Kranke behandelte, ohne einen Unterschied zu machen, ob es sich um arme oder reiche Menschen handelte.

Es waren die Heilmethoden der Volksmedizin, die er anwandte, nicht die seines Studiums. Diese Kenntnisse hatte er von weisen Frauen und Männern übernommen und wetternd kritisierte er die damals stattfindenden Hexenprozesse und -hinrichtungen, waren es doch letztlich Lehrmeister jener Kunst, die er erlernte.

Der streitbare Arzt und Naturforscher

Entsprechend unbeliebt war er bei den Obrigkeiten; auch im akademischen Umfeld kam es zu Streitigkeiten: Die veralteten Methoden der etablierten Ärzteschaft prangerte er an, warf den Apothekern ihre „Drecksmedizin“ vor, weil neben Kräutern auch Exkremente oder tierische Teile verwendet wurden. Einzig die Humanisten waren ihm wohlgesonnen, so tauschte er sich mit den damaligen Größen wie Erasmus von Rotterdam, aus.

Paracelsus befürwortete die Bäderanwendung, fand neue Wege zur Behandlung von Nieren- und Gallensteinen, Gicht und Rheuma. Die Stärkung der Selbstheilungskräfte sah er als Mittelpunkt der Heilung an sich. Es sei die oberste Aufgabe des Arztes, diese Selbstheilungskräfte zu stärken oder gegebenenfalls zu erwecken.

„Das ist kein Arzt, der das Unsichtbare nicht weiß, das keinen Namen trägt, keine Materie hat und doch seine Wirkung. Nicht der Corpus ist die Arznei, das wahre Arkanum ist unsichtbar.“ (Paracelsus)

Er war es, der als erster den „Irrsinn“ als Geisteskrankheit, nicht als Besessenheit des Teufels oder Verhexung feststellte, zudem hielt er an den überlieferten Heilmethoden fest, verfeinerte diese und orientierte sich an der Signaturenlehre.

Zur Bekämpfung von starken Schmerzen setzte er Opium ein und kam letztlich zu der Erkenntnis, dass Leib und Seele des Menschen eine untrennbare Einheit bildeten. Entsprechend waren die Ursachen von Erkrankungen für ihn in gewissen Einflüssen zu finden, die auf Geist und Körper einwirkten; vornehmlich in fünf unterschiedlichen, auch Entia genannt: Die Einflusse des Gestirnes, das in den Körper aufgenommene Gift, die Konstitution des Menschen selbst, der spirituelle Einfluss und zuletzt der Einfluss Gottes.

Diese - miteinander gepaart oder auch als einzelne Variante - seien Basis für jede Krankheit, sodass jede Erkrankung auf einen dieser fünf Punkte zurückzuführen sei, mehrere Einflüsse einander verstärken. Ein Arzt müsse daher nicht allein die Wirkung der Krankheit selbst in Augenschein nehmen, sondern der Ursache auf den Grund gehen, alle diese Entia bedenken. Den Ursachen entgegen stellte Paracelsus seine Dreiprinzipienlehre, die wiederum von der Einheit des Körpers ausgeht.

Im Jahre 1524 ließ sich Paracelsus nach ruhelosen Jahren in Salzburg nieder. Ein Jahr später schon wurde er in die Bauernaufstände verwickelt, musste vor dem mächtigen Erzbischof fliehen. Auf die Fürsprache eines einflussreichen Patienten hin, dessen Bein er vor der Amputation gerettet hatte, bekam er schließlich eine Stelle als Stadtarzt und Universitätsprofessor in Basel (1527 bis 1528). Doch auch dort gab es rasch erneuten Ärger: Paracelsus hielt seine Vorlesungen nicht auf Latein, sondern deutsch, in der Sprache des „Pöbels“. Die Wahrheit, so begründete Paracelsus, müsse deutsch gelehrt werden. In den Augen der medizinische Elite fast Blasphemie. Gepaart mit seinen steten heftigen Kritiken an der Ärzteschaft, an der Vier-Säfte Lehre des Galen kam es nunmit zu Bedrohungen und Schmähschriften, gar ein Prozess wurde anberaumt, seine erneute Flucht war die Folge. Wieder begab er sich auf Wanderschaft. Weiterhin gründete er sein medizinisches System auf Alchemie, Astrologie, Mystik und Erfahrung. Erste Schüler traten in sein Leben, unveröffentlichte Werke entstanden, auch sozialethische Schriften und vieles mehr. Tagsüber war er Naturforscher und Arzt, in der Nacht Schreiber.

Paracelsus starb am 24. September 1541 im Alter von nur 48 Jahren in Salzburg auf ungeklärte Weise, zahlreiche Gerüchte und Widersprüche häufen sich hier. Er wurde auf einem Armenfriedhof beigesetzt, hinterließ rund 200 wissenschaftliche Veröffentlichungen und Bücher über medizinische Anwendungen, astrologische Beobachtungen und auch Werke mit theologischem oder philosophischem Inhalt. Er verstarb vereinsamt und verarmt und erst Jahrhunderte nach seinem Tode begriff die Nachwelt die Größe und Genialität dieses Mannes. Nicht nur mit seiner Erkenntnis zur Frage der Dosis hat Paracelsus einen entscheidenden und bis heute gültigen Beitrag zur Arzneimittellehre geleistet ...

Erkenntnis als Erkenntnisgrundlage

Die Lehre des Paracelsus fand Anstoß innerhalb der damaligen Zeit. Nicht allein, dass die vermeintliche Heilung nach Art des „Pöbels“ kritisch betrachtet wurde, nicht nur, dass Paracelsus sich mit der Ärzteschaft und den Obrigkeiten anzulegen pflegte - auch die Besonderheiten seiner Heilkunde entsprachen nicht dem Standard. Außer den drastischen Heilmethoden der meisten Ärzte, die den Patienten durch Quecksilbergabe und mehrfachen Aderlass eher ermatteten, denn stärkten, kritisierte Paracelsus auch die Mode, Heilmittel möglichst von weit her zu beziehen. Exotisches war sehr gefragt, wurde für viel Geld gehandelt und entsprechend auch oftmals verfälscht. Paracelsus befürwortete die Kräuter des eigenen Umfeldes, verwendete jene Heilpflanzen, die am Wegesrand wuchsen und galt entsprechend als Revolutionär und Querschläger.

Die volksheilkundlichen Methoden jedoch waren nicht die einzigen, die Paracelsus anwandte. Aus Tradition, Kräuterwissen, Naturforschung und Lebensweisheiten entstand ein ganzheitliches Konzept. Paracelsus verband die Medizin mit der Heilkunde, der Philosophie, der Alchemie, der Astronomie und Astrologie und zuletzt noch mit der Religion. Ganzheitlichkeit – im wahrsten Sinne des Wortes.

„Den Grund, auf den ich baue und aus dem meine Schriften hervorgehen, setze ich auf vier Säulen, nämlich die Philosophie, die Astronomie, die Alchimie und die Tugend.“ (Paracelsus)

 Das Weltbild und die Heilkunst des Paracelsus unterscheiden sich grundlegend von dem, was man heute unter Medizin versteht: High-tech, Genforschung, Statistik und Wirkstoffanalysen, Tierversuche, synthetisch hergestellte Heilmittel und Profitmaximierung - der moderne Arzt muss weder die menschliche Seele ergründen, noch Naturphänomene beobachten oder Substanzen der Natur erforschen, er muss sich auch nicht mit unsichtbaren Schöpferkräften befassen oder kosmologische Faktoren berücksichtigen. Genauso wenig muss er die Kunst der Arzneiherstellung beherrschen - denn dafür gibt es schließlich Pharmainstitutionen.

Paracelsus hatte gänzlich andere Vorstellungen. Seiner Meinung nach sollte ein Heiler ein Meister der Philosophie, der Astrologie und der Alchimie sein. Sämtliche Erkenntnisse seien allerdings sinnlos, wenn man sich nicht gleichzeitig bemühe, ein tugendhafter Mensch zu sein. Auf diesen vier Säulen beruht das Weltbild des Paracelsus und ohne Kenntnis dieser Weltvorstellung ist das Besondere seiner Heilkunst kaum zu verstehen, geschweige denn ein Nutzen daraus zu ziehen. Die Ursprünge seiner Überlegungen hinsichtlich dieser Erkenntnisgrundlagen sind bis zu den ägyptischen Mysterienkulten zurückzuverfolgen.

Die erste Bedingung einer Erkenntnis ist die genaue Beobachtung, für die eine gute Wahrnehmung unabdingbar ist. Der Beobachtende sollte von der Liebe zur Natur durchdrungen sein, dann offenbare sich die Natur durch ihre Signaturen wie von selbst. Die zweite Grundlage besteht darin, Zusammenhänge, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen den Beobachtungen zu erkennen. Paracelsus nannte dies Astrologie und meinte damit sowohl den Kosmos als auch seine Wirkung auf die irdische Welt. Die Astrologie, die abendländische Elementenlehre bilden dabei übergeordnete Aspekte zwischen Krankheit und Heilmittel in einer verwandtschaftlichen Beziehung. Die dritte Säule besteht darin, bewusst in das Kräftespiel einzugreifen, um Nutzen daraus zu ziehen: Alchemie als Kunst unsichtbare kosmische Kräfte zu extrahieren, anzureichern und als Arznei, als Arkanum nutzbar zu machen. Bei der Tugend geht es darum, ob eine Erkenntnis zur Steigerung von Profit und Aktienkursen genutzt wird oder einem Kranken dienlich ist. Zudem solle jede Erkenntnis die Liebesfähigkeit stärken, schließlich sei Liebe die höchste Arznei ...

Philosophie und Heilkunst

Zu den wichtigsten Schriften des Paracelsus gehört das Buch „Paramirum“ über die bereits erwähnten fünf Entien, die fünf Ursachen jeder Krankheit. Die Kenntnis der Krankheitsursachen ist Voraussetzung für eine sinnvolle Diagnostik und Therapie. Wenn dies mit einer Pfeilwunde verglichen werden möge, dann ist die Diagnose die Kenntnis von dem Geschehen, das der Pfeil im Körper verursacht, die Therapie wäre das Entfernen des Pfeils und die Wundversorgung. Aber wer hat den Pfeil geschossen und warum? Es geht Paracelsus also um die Darstellung der Idee oder des Wesens der Krankheiten und nicht um ein spezifisches Medizinsystem, dem er alles unterordnet: „Es (das Ens) ist ein Ursprung oder Ding, das die unbeschränkte Macht über den Leib besitzt. Sie verderben den Leib und verursachen die Erkrankungen. Nicht der entartete Saft ist die Ursache der Krankheit, sondern die Ursache, die zur Erkrankung führt.“ Paracelsus unterteilt die fünf Entien in zwei Gruppen. Die erste umfasst drei Ursachen von Krankheiten, die auf den Leib, die zweite jene, die auf den Geist wirken.

So sind im Leib vier Elemente, die viererlei Krankheiten machen. Daher beruht der Mensch auf vier Elementen, gleichsam wie auf vier Müttern. Von diesen stammen Gesundheit und Krankheiten.“ (Paracelsus)

Fünf Krankheitsursachen wirken somit auf den Menschen ein.

Dieser stellt einen Mikrokosmos dar, der analog zum Makrokosmos, aus vier Elementen, zwölf Sternzeichen und sieben Planeten aufgebaut ist. Jedes Organ korrespondiert mit einem Planeten: „Das Herz ist die Sonne, und wie die Sonne auf die Erde und sich selber wirkt, also wirkt auch das Herz auf den Leib und sich selbst. Ebenso ist der Mond dem Gehirn vergleichbar. Die Milz hat den gleichen Lauf wie Saturn. Die Galle entspricht dem Mars. Die Nieren haben die Art der Venus. Der Merkurius ist ein Planet, der der Lunge gleicht und der Jupiter gleicht der Leber. Ihr sollt wissen, wenn die Leber nicht da wäre, da gäbe es nicht Gutes im ganzen Leibe (= innerer Alchimist). Gleich Jupiter wirkt sie und mildert wie er durch ihre Güte alles Ungestüm.“ Die sieben Planetenorgane werden von Paracelsus jeweils als Entität begriffen. Sie sind die „edlen“ Organe, die den Organismus mit Energie versorgen. Jedes Organ steht dabei in einer spezifischen Beziehung zum Gesamtorganismus: Wenn sie sich irren und in eine falsche Bahn geraten, entstehen Krankheiten. Krankheiten und Heilmittel bilden also eine Analogie zum Kosmos. Kommuniziert das Gehirn (Mond) in falscher Weise mit dem Herzen (Sonne), entstehen beispielsweise Herzrhythmusstörungen oder Schlafprobleme.

Neben den Planeten spielen die Elemente beim Ens Naturale eine wichtige Rolle. Das unsichtbare Feuer findet sich als Lebensfunken und Wärme im ganzen Körper; das Hauptorgan ist das Herz, das Organ der Selbsterkenntnis. Die regenerierende Kraft des Wassers findet sich in allen Geweben und Körperflüssigkeiten; das Hauptorgan ist die Leber; die Luft ist die Grundlage für den Stoffwechsel und für alle Rücklaufsysteme - ihr Organ ist die Niere. Die Erde ist das Feste des Körpers, bildet somit die physische Grundlage; ihr Hauptorgan die Lunge.

Die Elemente stehen in Analogie zu den Temperamenten und Körpersäften, die Paracelsus ebenfalls dem Ens Naturale zuordnet: Der Choleriker (Feuer) entsteht aus zuviel Bitterkeit, der Melancholiker (Erde) ist saurer Natur, das Süße führt zu phlegmatischem Wesen (Wasser) und der Sanguiniker (Luft) besteht aus zuviel Salz. Die Heilmittel entsprechen in ihrer Natur weitgehend dem pathologischen Zustand. So sind beispielsweise Bitterstoffdrogen wie der feurige Wermut das Mittel der Wahl für den Choleriker. Die Säfte zeigen sich dem Auge als färbende Krankheit, sie äußern sich in Verfärbungen der Körpersäfte und Haut. Gemäß der Signaturlehre entsprechen die Heilmittel in ihrer Farbigkeit dem Zustand des Kranken. So ist zum Beispiel Schöllkraut oder Gelbwurz bei Leber-Galleleiden angezeigt.

Die Ursache von Krankheit war nach Ansicht von Paracelsus somit in den fünf Ents und vier Elementen zu finden: Diese Faktoren können einzeln aber auch gepaart und in mehrfacher Kombination auftreten. Der gesunde Körper reagiert darauf: Nach Paracelsus setzt er dem Ursachen-Quintett ein dreigliederiges Wesen entgegen, drei Prinzipien: Salz, Schwefel und Quecksilber.

Die Trinität des Lebens

Paracelsus sah die Ursache von Krankheit somit nicht nur in fünf Ursachen, den Entia, in einer Disharmonie der vier Elemente, die jeweils planetar zugeordnet werden, sich in Signaturen zu zeigen wissen, sondern zudem in den drei Grundbausteinen des Lebens - Sal (Salz), Sulfur (Schwefel) und Mercurius (Quecksilber), die man auch Tria Principia nennt.

Während die Elemente für das Übersinnliche der Natur stehen, sind alle sichtbaren Dinge dieser Welt durch die drei Prinzipien entstanden: „Das Sichtbare und Greifbare ist der Körper der Welt, der da aus den drei Urstoffen besteht, dem Schwefel, Quecksilber und Salz. (...) Von diesen drei Dingen stammen alle Eigenschaften, die Art und das Wesen, die Natur und dergleichen. Sie zeigen jedem Arzt an, daß er die Wirkung dieser drei Dinge mit den sehenden Augen wahrnehmen soll, dann versteht er das Unsichtbare.“ Damit etwas sichtbar ist, muss zunächst die Form vorhanden sein - der Sulfur. Die Eigenschaft und Kraft dieser Idee ist der Mercurius, die Verdichtung zu einer materiellen Form bewirkt das Salz.

Die drei Prinzipien stehen in einer geheimen Beziehung zu den Elementen: Sulfur verbindet die aufsteigenden Zeichen Feuer und Luft miteinander und bildet so die männliche, aktive und warme Säule. Als Gegenpol verbindet das Salz die absteigenden Elemente Wasser und Erde, bildet die weibliche, passive und kalte Säule. Dazwischen steht der Mercurius. Er ist das neutrale Kind, das aus männlich und weiblich entsteht, verbindet die aufsteigenden mit den absteigenden Elementen. Weil er das Warme und Kalte in sich trägt, nennt man ihn auch Hermaphrodit. Alle sichtbaren Dinge sind diesen drei Prinzipien zugeordnet, somit auch der Mensch, seine Erkrankungen und seine Heilmittel.

Der Mensch solle sich aus diesen drei Punkten zusammensetzen, in einem möglichst optimalen Verhältnis. Anzumerken ist, dass hier nicht die chemischen Bestandteile gemeint sind, sondern die Elemente an sich: Salz steht für die Erde, den Körper, die Beständigkeit, Schwefel für die Seele, das Feuer, das Brennbare und die Wärme, Quecksilber hingegen, flüchtig wie der chemische Faktor selbst, steht für den Geist und Flüchtigkeit, auch die des menschlichen Lebens. Diese Dreiteilung der Prinzipien erinnert nicht nur an die Historie, an die Mythen der Germanen und Kelten, an die Kabbala, das Christentum, sondern auch an Alchemie und das indische Ayurveda.

Heilung nach Paracelsus

Werden Krankheiten somit durch ein Ungleichgewicht hervorgerufen, so erfolgt Heilung dadurch, das verlorengegangene Gleichgewicht wieder herzustellen. Dazu nutzte Paracelsus vornehmlich Heilpflanzen, deren Kunde er mit seinem weiteren Wissen paarte und auch systematisierte. Durch die Verbindung von Makro- und Mikrokosmos sah Paracelsus alle Dinge durch Analogien verbunden. So sei ein Heilmittel dort zu suchen, wo die Krankheit entstand: „Wo die Krankheit, da das Heilmittel - ubi malum, ibi remedium“. Daraus folgerte er, dass Einflüsse, die eine Krankheit hervorgerufen haben, auch dafür sorgen, dass in der unmittelbaren Umgebung ein passendes Heilmittel wächst. Entsprechend nutzte er keine exotischen Gewächse, sondern einheimische Heilpflanzen. Hier greift die Signaturenlehre: Grundlage dieser ist, dass die Pflanze in Form, Farbe oder Habitus bereits verrät, bei welcher Krankheit sie hilfreich ist.

„Man erkennt den Narren an der Schelle“ (Paracelsus)

Signaturenlehre stellt den Urweg der Heilpflanzenerkenntnis dar. Stark vereinfacht ist sie eine Arzneilehre, bei der vom Äußeren, wie Farbe oder Form auf das Innere, auf Wesen und Wirkung geschlossen wird. Die Ähnlichkeit, die beispielsweise ein Blatt mit einem Organ (Lungenkraut - Lunge) oder eine Farbe mit einem Körpersaft zeigt, lässt auf die zu erwartenden Heilkräfte schließen. Signaturen sind einfach nur „Zeichen“ der Natur, die es zu entschlüsseln gilt, also beispielsweise botanische Merkmale wie Dornen oder Signale wie auffällige Gerüche oder Farben.

Rationalisten und Befürworter der reinen Wissenschaft tun die Signaturenlehre gern als Aberglauben ab. Dies ist bei korrekter Übersetzung richtig, stellt Aberglaube doch den „anderen“, somit heidnischen Glauben dar. Doch Verwirrung stiften auch Nachschlagewerke, in denen sich Definitionen wie „inzwischen überholte, da wissenschaftlichen Kriterien nicht mehr entsprechende Lehre“ (Brockhaus) oder „mystische Arzneilehre“ (Meyers) finden. Dies ist nicht korrekt, denn dabei wird verdrängt oder vergessen, dass sogar die moderne Phytopharmakologie von der Signaturenlehre profitiert: Wenn Pflanzenforscher in den Regenwald ziehen, um vermeintlich neue Arzneien zu entdecken, lassen sie sich diese üblicherweise von naturkundigen Urwaldeinwohnern zeigen, welche ihrerseits die Kräfte dieser Pflanzen ursprünglich an bestimmten Zeichen erkannt haben ...

Mit Hilfe der Signaturen haben schon unsere Vorfahren ihr Pflanzenwissen erworben und das Heilwissen aller Naturvölker, also auch die Kräuterheilkunde der Kelten und Germanen sowie die Indianermedizin, basiert auf deren Signaturkenntnissen. Nicht zuletzt spielen Signaturen wie Farbe, Form, Geruch oder Geschmack in den Jahrtausende alten Heilsystemen der Chinesen, der Inder und der Tibeter eine Rolle. In unserem Kulturkreis hat die Signaturenlehre, dank Paracelsus, Eingang in die anthroposophische Medizin gefunden, die aus der einfachen Methode der Volksmedizin durch ihre spezielle Betrachtungsweise ein komplexes Denksystem gemacht hat.

Paracelsus - Arzt unserer Zeit

Anhand der Grundlagen der Paracelsusmedizin und des Weltbildes des Paracelsus sind heutige Therapieverfahren zu erkennen, die auf seinem Wissen basieren: Entgiftung, Immunstimulation und Konstitutionstherapie, Metallpräparate, Arzneien aus der Pflanzen- und Tierwelt sind nur wenige Beispiele, die zeigen, wie aktuell das Wissen des Paracelsus auch im Jetzt noch ist.

Gerade im Zeitalter der „rationalen“ Phytotherapie mit einer bedauerlicher Weise lediglich stofflichen Betrachtung der Pflanzen, ist es wichtig, die eigentlichen Quellen nicht außer Acht zu lassen, humoralpathologische Aspekte einzubeziehen und traditionelle Denkmodelle als Bereicherung aufzunehmen. Solche Erwägungen vermögen auch in der heutigen Zeit entscheidende Schritte für Lösungen von schwer durchschaubaren Zusammenhängen im Krankheitsgeschehen mit sich zu bringen. Auch wenn die rationale Indikation „im Trend liegt“, alles auf eine „evidence based medicine“ ausgelegt ist, hat nicht einzig diese ihre Berechtigung.

Heilpflanzenforschung ist heutzutage darauf angelegt, Wirkstoffe zu analysieren und Funktionen zuzuordnen, in der Hoffnung, mehr Sicherheit in der Einschätzung und im Verständnis ihrer Heilwirkung zu gewinnen. Eine trügerische Sicherheit: Ein Wirkstoff wirkt immer auf die Gesamtheit des Körpers und es bleibt somit dem Forscher überlassen, auf welchen Teil er sich in seinen Arbeiten beschränken möchte. Diese Einschränkung lässt selbst die seriöseste Studie zu einem Zerrbild geraten, zumal weitere Einflüsse nie vollständig bekannt sein können, künstlich aufrecht erhalten werden und mögliche Selbstheilungs- oder Bewusstseinsprozesse gar nicht mitbeachtet werden können. Die Wirkung von Heilpflanzen lässt sich somit schwerlich durch Kenntnis der Inhaltsstoffe ergründen, das Wechselspiel nicht minder. Es bedarf somit anderer Wege, um Heilpflanzen und Anwendungen grundsätzlich tatsächlich auf das jeweilige Individuum Patient zu erfassen. Einen solchen Weg ging Paracelsus mit den von ihm beobachteten Grundmustern. Ein zukunftsweisender Weg ...

Die Heilpflanzen des Paracelsus und ihre planetarische Zuordnung (eine Auswahl)

  • Angelika - Sonne
  • Arnika - Sonne
  • Baldrian - Merkur
  • Bärlauch - Sonne
  • Beifuss - Venus
  • Beinwell - Saturn
  • Blutwurz - Merkur
  • Brennesseln - Mars
  • Disteln - Mars
  • Eiche - Jupiter
  • Farn - Merkur
  • Frauenmantel - Venus
  • Gänsefingerkraut - Mond
  • Goldrute - Sonne
  • Gundermann - Venus
  • Honigklee - Venus
  • Huflattich - Sonne
  • Johanniskraut - Sonne
  • Kamille - Venus
  • Klette - Saturn
  • Königskerze - Merkur
  • Löwenzahn - Mars
  • Ringelblume - Sonne
  • Schachtelhalm - Saturn
  • Schafgarbe - Venus
  • Schöllkraut - Jupiter
  • Storchschnabel - Mars
  • Taubnessel - Mond
  • Waldmeister - Mond
  • Wasserdost - Jupiter
  • Wegwarte - Saturn
  • Wermut - Saturn

Die fünf Entien und ihre Heilverfahren

Ens Astrale (Leib)

  • Eigenschaften nach Paracelsus: Der Mensch erkrankt aus Sympathie mit dem Gestirn. Der Genius epidemicus und die Frage nach der Immunität
  • Moderne: Physikalische Ebene, Klima, Geographie, Felder, Strahlung, atmosphärische/ ätherische Einflüsse
  • Therapie: Radiästhesie; Unspezifische Immuntherapie; roborierende Therapie; Tonika und Stimulantien Räucherungen; Umstimmungs- und Reiztherapie wie Eigenblutbehandlung

Ens Veneni (Leib)

  • Eigenschaften nach Paracelsus: Der Alchimist im Bauche - die Leber - und die Entgiftung des Körpers
  • Moderne: Die toxische Ebene: Exogene und endogene Stoffe mit toxischer Wirkung
  • Therapie: Diät; Entgiftungstherapie, z.B. Diaphoretika, Diuretika, Laxantien; Ausleitungsverfahren nach Aschner

Ens Naturale (Leib)

  • Eigenschaften nach Paracelsus: Der Mensch als Mikrokosmos - die Planetenkräfte und Elemente in Analogie zum Menschen
  • Moderne: Die hereditäre Ebene: Genetisch bedingte Erkrankungen. Konstitution, Disposition, Diathese
  • Therapie: Individuelle Therapiekonzepte, besonders nach astromedizinischen Gesichtspunkten; Spagirik; miasmatisch ausgerichtete Homöopathie

Ens Spirituale (Geist)

  • Eigenschaften nach Paracelsus: Die Wirkung von Magie und psychischer Beeinflussung
  • Moderne: Die seelische Ebene: Psychosomatische Wechselwirkungen; familiäre, psychosoziale Einflüsse
  • Therapie: Schamanisches Arbeiten; Geistheilung; Suggestivtherapie; Hypnose; Gegenzauber, z.B. mit Verschrei- und Berufskräutern (Kräuter mit psychischer Wirkung); Homöopathie; Amulett- und Sympathiemagie, Psychotherapie

Ens Dei (Geist)

  • Eigenschaften nach Paracelsus: Die Krankheit als Fegefeuer. Das Unheilbare und die Unsicherheit des Heilers
  • Moderne: Die karmische Ebene: Die übergeordnete Ebene, kausale Grundlage der anderen Ebenen
  • Therapie: Metaphysik und Heilkunst

Literaturhinweise

  • Udo Benzenhöfer: Paracelsus. Rowohlt2003
  • Dietrich von Engelhardt: Paracelsus im Urteil der Naturwissenschaften und Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts, Haug Fachbuchverlag 2001
  • Frank Geerk: Paracelsus - Arzt unserer Zeit: Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des Theophrastus von Hohenheim, Patmos 2001
  • Sergius Golowin: Paracelsus: Mediziner, Heiler, Philosoph, Schirner 2008
  • Naturheilkundepraxis Spezial, 2. und überarbeitete Fassung, Pflaum Verlag München 2008
  • Paracelsus: Vom Licht der Natur und des Geistes. Überarbeitete Fassung, Reclam, Ditzingen 1986
  • Olaf Rippe/ Margret Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, AT-Verlag 2006
  • Olaf Rippe/ Margret Madejsky u.a.: Paracelsusmedizin: Altes Wissen in der Heilkunde von heute. Philosophie, Astrologie, Alchimie, Therapiekonzepte, AT-Verlag 2001

von Barbara Schuhrk
www.vergessenes-wissen.de - www.schuhrk.de

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