Heilpraktiker Berufs-Bund

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Anthroposophische Heilkunde

Mit einer Folge naturheilkundlich-anthroposophischer Beiträge soll das Grundverständnis für diese "besondere Therapierichtung" aufgezeigt werden.

Heilpraktiker Werner Schmötzer wird zunächst mit einer einführenden Darstellung den Zusammenhang der Wesensglieder und der so grundlegenden Bedeutung der "STEINER`schen Dreigliederung" erörtern.

Nach dieser Einführung sollen anthroposophische Betrachtungen zu verschiedenen Themen, wie beispielsweise zu der "kosmischen Herkunft der Substanz", den "Entwicklungsstufen des Menschen", zu der "Bedeutung des Fiebers", zu der "Problematik von Impfungen", zu "Regulationsstörungen durch Herdbelastungen" und anderen für die Naturheilpraxis interessanten Bereichen, folgen.

1. Einführung in die anthroposophische Heilkunde

Seit 1976 zählt die anthroposophische Medizin in Deutschland neben der Homöopathie und Phytotherapie zu den vom staatlichen Gesundheitswesen (AMG Abt. 5; SGB V ) erklärten "besonderen Therapierichtungen".

Die Therapierichtung Phytotherapie erstellt Monographien für pflanzliche Einzel- und Komplexmittel und beantragt für diese durch die Arzneimittel-Kommission E beim Bundesamt für Arzneimittelsicherheit (BfArM) eine Zulassung bzw. eine Registrierung.

Maßgeblich für die Definition der Phyto-Präparate sind das Spektrum und der Gehalt an pflanzlichen Wirkstoffen.

Die Therapierichtung Homöopathie erstellt Monographien für homöopathische Einzel- und Komplexmittel und beantragt für diese durch die Arzneimittel-Kommission D beim BfArM eine Registrierung. Diese homöopathischen Arzneimittel sind immer ohne Indikationsangabe.

Maßgeblich für die homöopathischen Mittel ist das "Arzneimittelbild" mit der Vielfalt an Symptomen.

Die Therapierichtung der anthroposophischen Medizin erstellt Monographien für anthroposophische Einzel- und Komplexmittel und beantragt durch die Arzneimittel-Kommission C beim BfArM eine Zulassung bzw. eine Registrierung.

Maßgeblich für die anthroposophische Richtung ist neben der physischen Substanz

das Geistige, das hinter der Stofflichkeit steht. Da gelten besondere Maßstäbe, die über eine rein stoffliche Beschreibung hinausgehen, deswegen sind anthroposophische Arzneimittel immer mit folgendem Zusatz versehen: Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis.....

teil i rudolf steinerDie geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse Rudolf Steiners (Abb. rechts) sind geeignet, das sinnlich Wahrnehmbare, das Stoffliche, das naturwissenschaftlich Erforschbare durch das Geistige, das hinter jedem Prozess und hinter aller Substanz steht, ergänzend mit einzubeziehen.

Die anthroposophisch erweiterte Heilkunde bezieht, neben einer rein physischen Betrachtung, das Geschehen im Vegetativen, die Seele und die Persönlichkeit des Patienten in ihr ganzheitlich-orientiertes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen mit ein.

Gesundheit ist nach dem Verständnis des Heilpraktikers ein "Sich im Gleichgewicht Befinden", Krankheit dagegen ein Herausfallen aus der Harmonie von Leib, Seele und Geist. Alle Therapiebestrebungen des Heilpraktikers zielen auf die Stärkung der Selbstheilungskräfte und auf ein Wiederherstellen dieses Gleichgewichtes ab, sei es durch die Homöopathie, durch die Akupunktur oder durch andere Behandlungsmaßnahmen.

Grundlage einer anthroposophisch-erweiterten Heilkunde ist die funktionelle Gliederung des lebendigen Organismus in vier Seinsebenen - die sogenannten Wesensglieder:

  • den "physischen Leib", der dem Stofflichen, dem Mineralischen entspricht. Im Sinne der vier Elemente kann man sagen, hier ist das "Feste" organisiert.
  • den "Ätherleib" oder auch den Bildekräfteleib, die ätherische Organisation - auf dieser Ebene ist alles Wässrige, Wachstum und Fortpflanzung, also vegetatives Leben, organisiert.
  • den "Astralleib", der Empfindungsvermögen, seelische Regungen wie Triebe, Angst, Mut, Begierden, Bewegungsdrang umfasst. Der Mensch ist beseelt, d.h. der Astralleib organisiert das Luftige.

das geistige Wesensglied (Ich), die Ich-Personalität. Diese macht den Menschen erst zum Menschen. Er kann im Gegensatz zum Tier kreativ und schöpferisch tätig sein. Durch das ICH wird der Mensch zum Individuum.

Diese Wesensglieder stehen nur beim Gesunden in einem ausgewogenen Gleichgewicht - beim Kranken ist Letzteres in Schieflage. Ziel jeder Therapie ist es, dieses gesunde Verhältnis der Wesensglieder zueinander zu erhalten oder wieder herzustellen.

Einer sogenannten "Wesensglieder-Diagnostik" - welche jedoch auch objektivierbare Befunde mit einbezieht - folgt eine sogenannte "Wesensglieder-Therapie"(1).

So dass Heilen, Gesundmachen heißt: Die Möglichkeit haben, im Ätherleib die Gegenwirkungen zu bilden für die krankmachenden Wirkungen, die vom Astralleib ausgehen.

Rudolf Steiner 1921 (GA 313)

Diese vier Wesensglieder wirken in einem dreigliedrigen System, bestehend aus Denken, Fühlen und Wollen, zusammen.

Dem Denkenist das Nerven-Sinnes-System zugeordnet. Dieses zeichnet sich durch abbauende oder auch verhärtende Prozesse aus. Pathologisch gesteigert finden sich diese Prozesse des Abbaus und der Verhärtung in der Krankheitstendenz der SKLEROSE:

Fühlen hingegen ist Ausdruck des rhythmischen Systems, das durch Atmung, Herz und Kreislauf repräsentiert wird. Es hat die Aufgabe, zwischen dem Nerven-Sinnes-System und dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-System auszugleichen.

Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System, dem das Wollen zugeordnet ist, baut auf, ist aktiv und regelt Wachstums- und Vitalkräfte. Pathologisch gesteigert, über ein normales Maß hinaus, finden sich diese Prozesse des übermäßig Stoffwechselhaften in dem Krankheitsprozess der ENTZÜNDUNG.

Rudolf Steiner hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die Gesundheit, das Gleichgewicht, die Balance zwischen diesen beiden Polen Sklerose und Entzündung immer nur durch das Rhythmische System neu geschaffen und gefunden werden kann.

Gesundheit ist nichts Statisches, sondern ein durch und durch dynamischer Prozess, der von Minute zu Minute neu eingependelt werden muss. Diesen vollzieht das rhythmische System.

Fazit: Wenn wir Heilpraktiker sogenannte Selbstheilungsprozesse im Patienten anregen wollen, so haben wir uns im Sinne der anthroposophischen Vorgehensweise an vornehmlich zwei Instanzen zu wenden:

Wir wollen versuchen, ätherische und rhythmische Prozesse zu stärken, anzuregen und zu pflegen.

Aber immer muss die Gesundung vom Ätherleib ausgehen.... Der physische Leib hat eben die Krankheitsursache in sich, die Ursache zur Heilung muss immer vom Ätherleib kommen.

Rudolf Steiner 1924 (GA 316)

Zu Hilfe kommen uns dabei im wesentlichen Subtanzen aus dem Mineral-, Pflanzen- oder Tierreich.

Anthroposophische Heilmittel werden besonders aufbereitet, um die Entfaltung der speziellen Bilde- und Gestaltungskräfte anzuregen. Die aus dem Zusammenhang von Mensch und Natur gefundenen Heilmittel regen, dem Verständnis der Anthroposophie zufolge, die Grundvorgänge des menschlichen Organismus an. Somit richten sie sich nichtgegen bestimmte Erkrankungen, sondern unterstützen den Körper, indem sie körperliche Prozesse dem gesunden Urbild angleichen.

Die anthroposophische Bewegung hat ihr geistiges Zentrum im Goetheanum in Dornach / CH(nachfolgende Abb.)

Literaturangaben:

1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008
Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

2. Anthroposophisches Welt- und Menschenbild

- daraus abgeleitete Erkenntnisse zur Findung von therapiegerechten Heilsubstanzen

Die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse Rudolf Steiners sind geeignet, das sinnlich Wahrnehmbare, das Stoffliche, das naturwissenschaftlich Erforschbare durch das Geistige, das hinter jedem Prozess und hinter aller Substanz steht, ergänzend mit einzubeziehen.

Bei vielen ist der Respekt vor der exakten Naturwissenschaft im Grunde immer am größten, jedenfalls größer als vor einer geistigen Erfassung des menschlichen Wesens.

Viktor von Weizsäcker (Internist und Neurologe, 1886- 1957)

Die anthroposophisch erweiterte Heilkunde bezieht neben einer rein physischen Betrachtung, das Geschehen im Vegetativen, die Seele und die Persönlichkeit des Patienten in ihr ganzheitlich-orientiertes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen mit ein.

Grundlage einer anthroposophischen Heilkunde ist die funktionelle Gliederung des lebendigen menschlichen Organismus in vier Seinsebenen (Wesensglieder). Diese stehen nur beim Gesunden in einem ausgewogenen Gleichgewicht - beim Kranken ist Letzteres in Schieflage. Ziel der Diagnose ist es, den Bereich des gestörten Gleichgewichtes zu erkennen. Ziel jeder Therapie ist es, dieses gesunde Verhältnis der Wesensglieder zueinander zu erhalten oder wieder herzustellen.

Um Missverständnissen und Missdeutungen vorzubeugen, soll hier grundsätzlich das Verhältnis der Naturreiche (Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich) zum Menschen nach geisteswissenschaftlichen Aspekten der Anthroposophie Rudolf Steiners dargestellt werden.

Diese außergewöhnliche Darstellung soll niemals Fakten der Naturwissenschaften als ungültig erklären, sondern sie untermauern und ergänzen durch eine erweiterte Schau mit dem Ziel, das mit einzubeziehen, was hinter dem Materiellen, Messbaren an Geistigem steht.

Abb. 1: Wesensglieder

Man kann hiernach ganz grob die Natur, die Schöpfung unterteilen in ein Mineralreich, ein Pflanzenreich, ein Tierreich, und als Krönung der Schöpfung, sagt man heute so schön, stünde der Mensch.

2.1 Naturreiche - Wesensglieder

Bei flüchtigem Betrachten lässt sich folgendes erkennen:

2.1.1 Mineralreich - physischer Leib

Das sogenannte Mineralreich (Abb. 1) stellt den unbelebten Bereich der Natur dar. Hier ist absolut kein Leben vorhanden. Hier in diesem Bereich ist alles messbar und wägbar. Alles, wirklich auch alles lässt sich in Formeln und Zahlen prägen. Das in Abb. 1 als Stoff Bezeichnete ist tote, unbelebte Materie, bestehend aus den bekannten chemischen Elementen und den Verbindungen, die sich daraus ableiten lassen. Diese chemischen Elemente stehen in Gesetzmäßigkeiten zueinander, welche sich in dem Periodensystem darstellen. Alles unterliegt chemischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten - Gesetze der Schwerkraft haben volle Gültigkeit. Das Mineralreich zeigt eine "Raum- und Strukturgestalt". Diesen Bereich der Natur beherrscht die heutige Naturwissenschaft aus dem ff.

Im Sinne der Vier-Elementenlehre des Aristoteles ist das Feste repräsentiert im Mineralreich.

2.1.2 Pflanzenreich - Ätherleib

Geht man über zu dem Pflanzenreich(Abb. 1) so ist bei dieser Darstellung zu erkennen, dass die Pflanze ebenfalls ihre Physis aufbaut aus den selben stofflichen Bausteinen, die das Mineralreich hervorbringen. Was bei der Pflanze mit Stoff bezeichnet ist, sind wieder die bekannten chemischen Elemente und Verbindungen, die sich daraus ableiten lassen.

So lässt auch die Pflanze sich in stofflicher Hinsicht eindeutig naturwissenschaftlich definieren.

Auf der pflanzlichen Stufe kommt jedoch ein Weiteres hinzu. Eine Instanz, in (Abb.1) als Leben bezeichnet. Schon hier im pflanzlichen Bereich gibt es Phänomene, die sich nach naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten nicht komplett fassen und einordnen lassen.

Da gibt es beispielsweise das Phänomen der formgleichen Reproduktion, eines Wachstums unter Beibehalten der Form. Da sind Schwerkraftgesetze teilweise aufgehoben. Flüssigkeit samt gelösten Salzen strebt nach oben. Wasser wird bis in die höchsten Wipfel empor gedrängt (bei Bäumen die Höhen bis zu 40 Metern erreichen), der Erdenschwere entgegen. Dies sind Phänomene des Lebens.

Eine weiteres, nicht so leicht fassbares Kräfteprinzip ist am Wirken.

Steiner spricht von sogenannten Bildekräften, ätherischen Kräften, von einem sogenannten Ätherleib der Pflanze. Da wird Stofflichkeit, Materie angeordnet nach artspezifischer Gesetzmäßigkeit und Form, in einer nicht zu übertreffenden Ästhetik. So prägt die Calendula ein ganz anderes Erscheinungsbild aus als die Arnika oder die Brennessel.

Dies besorgt, im anthroposophischen Terminus gesprochen, die sogenannte ätherische Bildekraft.

Unter Anthroposophen wird oft stolz erwähnt, Isaac Newton hätte die Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft entdeckt. Mit anderen Worten, er hat die Menschen gelehrt zu berechnen, wie schnell der Apfel vom Baum fällt. Rudolf Steiner hingegen hat uns gelehrt, wie der Apfel auf den Baum hinaufkommt.

Vegetatives Leben, Ätherisches lässt sich weder messen noch wägen, nicht in Formeln und Zahlen festmachen - nur die Wirkungen auf das Physische können erkannt und beschrieben werden. Während wir bei dem Mineralreich von einer Raumgestalt sprechen, zeigt die Pflanze eine Zeitgestalt beispielsweise im Gestaltwandel des Jahreslaufes.

Das Ätherische lebt sich vornehmlich im Wässrigen ( Pflanzen bestehen im allgemeinen aus einem sehr hohen Wasseranteil) aus. Flüssiges strömt nicht der Schwerkraft sondern der "Leichte" folgend - also mit Auftriebskräften ausgestattet.

Steiner beschreibt das "primäre Strömen" im Ätherischen, in kleinsten kapillaren Gefäßen, drucklos Sog- und Auftriebskräften folgend. Selbst Mammutbäume haben keine großen Gefäße - Kapillaren bewerkstelligen den Flüssigkeitsstrom nach oben. Das Ätherische organisiert den Flüssigkeitsorganismus in der Pflanze.

Der Vier-Elementenlehre nach, im aristotelischen Sinne, waltet das Wässrige in der Pflanze.

Zur Wesensart der Pflanze gehört ebenfalls, dass die Pflanze mit keiner aktiven Bewegungsfähigkeit ausgestattet ist sowie, dass sie keine innerlichen Organe ausbildet, sondern nur äußerlich angelegte Organe hat.

Bezogen wieder auf den in Abb. 1 genannten Stoff, sprechen wir Anthroposophen bei der pflanzlichen Stufe von belebter Substanz.

Ätherisches generiert und fördert Wachstum.

2.1.3 Tierreich - Astralleib

Geht man in der Betrachtung weiter zum Tierreich, so kann man, wie etwa bei der Pflanze geschehen, konstatieren, dass das Tier seine Physis aus den bekannten chemischen Elementen und den chem. Verbindungen, die sich daraus herleiten lassen ( in Abb. 1 als Stoff benannt), aufbaut. Auch hierüber können wieder ganz exakte Mengenanalysen erstellt werden.

Das Tier hat, der Pflanze ähnlich, eine ätherische Organisation. Vegetative Vorgänge wie Wachstum und Reproduktion, unter Beibehaltung der Form, fortwährend organisierte Zirkulation von Körperflüssigkeiten ( Blut, Lymphe, Liquor etc.) spielen sich, rein chemisch-physikalisch nicht zu erklären, ab im tierischen Organismus.

Während die Pflanze von "außen her" gestaltet wird, geschieht dies beim Tier von "innen heraus". Das Tier hat im Gegensatz zur Pflanze innerlich veranlagte Organe, nimmt Luft in sich hinein, ist beatmet, ist beseelt. Beseeltheit sagt, das Tier hat ein Empfindungsvermögen. Es zeigt Regungen wie Angst, Mut, Begierden, Bewegungsdrang, Lust und Schmerz. Ein solches Empfindungsvermögen hat die Pflanze nicht.

Das Elemement im Sinne des aristotelischen Elementenkreuzes, das im Tier repräsentiert ist, ist dasjenige der Luft.

In der anthroposophischen Terminologie wird diese Instanz, nach Steiner, als der sogenannte Astralleib bezeichnet.

Das Tier ist durch und durch geprägt von seinen "astralen" Wesensmerkmalen. So steht der Löwe gewissermaßen symbolisch für seine seelische Eigenschaft, für seinen sprichwörtlichen Mut. Der Hase steht hingegen für seine seelische Eigenschaft. Er ist ein Angsthase und wird immer davonrennen. Kein Tier kann sich von diesen Zwängen frei machen, sie sind ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. Das Tier muß seiner "astralen Konfiguration" folgen.

Dafür ist es mit einem untrüglichen Instinkt ausgestattet. Jedes Tier kennt seine Fähigkeiten und Grenzen und dasjenige was notwendig ist, seine Art zu erhalten.

Kein Eichhörnchen wird jemals aus dem Geäst hoher Bäumen abstürzen, es weiß, wenn es springt: es reicht oder es reicht nicht. Wenn´s nicht reicht, springt es nicht, sondern sucht einen anderen Weg.

Das in der freien Wildbahn lebende Tier kennt im Falle der Krankheit sein Heilmittel. Es heilt sich selbst.

Die bei der Pflanze schon erwähnten Bilde- und Formkräfte greifen beim Tier ein über die astrale Instanz. Das Tier ist artspezifisch, im Sinne der Entelechie geformt durch seine astrale Konfiguration.

Das Tier ist hochspezialisiert, was Fähigkeiten anbelangt wie Fliegen, Schwimmen, Tauchen etc. - hochspezialisiert, was Körperbau anbelangt (gefiedert, bepelzt, geschuppt, gepanzert etc.). Der Vogel Greif, durch sein Astralisches hoch ausgeformt und hochspezialisiert, kann mit seinen Fängen greifen wie kein Zweiter. Dies besorgt die beschriebene astrale Instanz.

Bezogen auf den in Abb. 1 genannten Stoff, spricht man in der geisteswissenschaftlichen Betrachtungsweise bei der tierischen Stufe von beseelter Substanz.

Astralisches staucht und hemmt Wachstum.

Diese Betrachtung soll ja nicht das naturwissenschaftliche Wissen ersetzen, sondern dieses durch geisteswissenschaftliche Erkenntnis erweitern.

In diesem Sinne spricht man in anthroposophischen Zusammenhängen auch von "übersinnlichen" Wirkprinzipien.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass Begriffe wie "Ätherisches" und "Astrales" kosmischen Sphären angehören. Dies wird später noch des Näheren begründet. Nach der Anthroposophie Rudolf Steiners kommt Pflanzliches und Tierisches, Leben letztendlich, aus dem Kosmischen, aus der Sphäre der Planeten unseres Sonnensystems sowie aus dem Umkreis der Fixsterne.

2.1.4 Mensch - Geistiges Wesensglied - ICH

Auch der Mensch baut natürlich seine Physis auf, wie die Pflanze und das Tier aus Stofflichkeit (Abb. 1), aus den bekannten chemischen Elementen und den Verbindungen, die sich daraus ableiten lassen. Zu der rein physischen Ebene kommt bei ihm eine vegetativ-lebende, ätherische, wie bei Pflanze und Tier. Darüber hinaus hat der Mensch wie das Tier eine seelische, astralische Organisation. Diese stellt das Tableau für Empfindungsvermögen, Angst, Mut, Begierden, Bewegungsdrang, Schmerz und Lust.

Doch im Gegensatz zu dem Tier sollte der Mensch nicht überwältigt und geprägt sein von diesen seelischen Zwängen. Beim Menschen kommt noch eine weitere Instanz, ein weiteres Wesensglied hinzu, das ist sein Geistiges, sein ICH, seine Personalität.

Dieses geistige Wesensglied verleiht dem Menschen ein Eigenbewusstsein, ein klares Denkvermögen. Der Mensch kann sich über seelische Regungen stellen, aus Freiheit entscheiden, wie er handeln möchte, kann kreativ und schöpferisch tätig sein.

Er sollte nicht, wie das Tier, triebgesteuert sondern geistgeleitet sein.

Der Mensch ist nicht wie das Tier hochspezialisiert, astralisiert und mit untrüglichen Instinkten ausgestattet. Der Mensch ist nackt, unvollkommen, schutzbedürftig (Hüllen wie Kleidung, Behausung etc. sind nötig).

Der geistbegabte Mensch strebt in seiner Entwicklung nach vorne, sucht neue Formen (Kultur, Künste, Architektur, Wissenschaften etc.). Das Tier bleibt stehen. Der Biber baut heute noch seine Burgen wie vor mehreren tausend Jahren.

Der Mensch muß, da ausgeprägte Instinkte nicht (mehr) vorhanden, immer wieder und immer neu abwägen, berechnen und erproben.

Doch Dank seiner Kreativität und technischen Entwicklung kann er mittlerweile höher, schneller und länger fliegen als Vögel; tiefer, länger und schneller schwimmen und tauchen als Fische; millimetergenau und tonnenschwer greifen - besser als der Vogel Greif. Der Mensch kann seine Unvollkommenheit kompensieren aufgrund seiner Universalität. Im Sinne der Vier-Elemente im aristotelischen Sinne ist das Element des Feuers im Menschen repräsentiert. Steiner weist immer wieder darauf hin, dass der Mensch eine ganz feinabgestufte Wärmeorganisation habe. Wärme ist nach Steiner menschen-spezifisch.

Wärme bestimmt das tägliche Leben der zivilisierten Menschheit ( Öl- und Gaspreis bzw. deren Resourcen, Kriege und Machtansprüche um Energievorkommen). Wärme korreliert mit dem geistigen Wesensglied des Menschen (Abb. 1); so kann sich der Mensch für Ideen begeistern, sich erwärmen, sich entzünden usw. Die Form- und Bildekräfte im Menschen greifen ein über das ICH, über das geistige Wesensglied. Der Mensch ist individuell ausgeformt im Äußeren (siehe Fingerkuppen - individueller Fingerabdruck), wie auch auf zellulärer Ebene (siehe individuelle DNA-Struktur, genetischer Fingerabdruck; individuelle Immunabwehr). Steiner weist in seinem gesamten Lebenswerk immer wieder darauf hin, dass das ICH - also unser Wesenskern, nur ordnend (im Sinne einer Bildekraft und einer Repair-Funktion) in den Organismus eingreifen kann über die Wärme - im Extrem- und Krankheitsfall durch die "Überwärmung", durch das Fieber.

Wärme ist also bei dem Menschen "form- und gesundheitserhaltend". Die so beschriebenen Wesensglieder durchdringen sich gegenseitig und erstrecken sich auf den gesamten Organismus. Dass der Mensch in seiner Biographie bestimmte Entwicklungsstufen durchläuft, ist keine Frage. Nach anthroposophischen Gesichtspunkten verlaufen diese in etwa 7-Jahresrhythmen.

Der Mensch baut seine Körpersubstanz stark um. Dies ist deutlich zu erkennen in den ersten Lebensjahrsiebten (Zahnwechsel, Epiphysenwachstum etc.) Dies geschieht auf Grund des verstärkten Eingreifens der ICH-Organisation mittels Wärme - Häufung fiebriger (Kinder)Krankheiten im ersten und zweiten Jahrsiebt. Alle Entwicklung verläuft nicht linear, sondern in Rhythmen, Schritten und Perioden.

Literaturangaben:

1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

3. Die "Dreigliederungs-Idee" Rudolf Steiners

Ein sehr wichtiger Aspekt des anthroposophischen Welt- und Menschenbildes würde noch fehlen, würde man jetzt innehalten, nachdem in den bisher erschienenen Artikeln die Naturreiche und die entsprechenden Wesensglieder beschrieben wurden.

Steiner hat >>nach über 30-jähriger Forschung<< das Modell der "Dreigliederung" entwickelt, einer Dreigliedrigkeit, vorzufinden in allen Bereichen der Natur.

Es ist ein Verdienst Rudolf Steiners, dass er hingewiesen hat auf gewisse Einseitigkeiten bestimmter Pflanzen im Prozessualen, was den Schlüssel gibt für das Erkennen und Erschließen von deren Heilwirkung.

Dieses soll im Folgenden vorgestellt werden:

3.1 Dreigliederung des Menschen

Alles im Leben geschieht im Spannungsfeld von Polaritäten. Wie Leben selbst nur möglich ist im Mittelfeld, in der "gemäßigten" Zone von Gegensätzlichkeiten, sei dies Frost und Hitze, Höhe und Tiefe, Licht und Finsternis, Dürre und Feuchtigkeit etc., so weist Steiner auch darauf hin, dass der menschliche Organismus eingespannt ist in Polaritäten. Was oben so ist, ist im Unteren des Menschen gegensätzlich. Abb. 1: Dreigliederung

Diese Polarität wird sehr klar ersichtlich am Knochenskelett des Menschen. Oben, im Kopfbereich sind die Schädelknochen sphärisch gerundet; wo man hinfasst: Härte. Die Weichteile, die Sinnesorgane sind innen drin. Außer dem Kiefergelenk keine weiteren Gelenke.

Unten, etwa unterhalb des Zwerchfelles, was den Knochenbau anbelangt, völlig diametrale Verhältnisse. Die Knochen sind stabförmig, die Weichteile (Muskeln, innere Organe) sind außen, um die Knochen herum angeordnet. Zur Peripherie hin nimmt die Vielgliedrigkeit in strahliger Weise zu, eine Vielzahl von Gelenken lässt ein großes Maß an Beweglichkeit und Bewegung zu.

Hier waltet Weichheit, im Gegensatz zu der oben aufgeführten Härte (Abb.1).

So haben wir oben im Kopfbereich relative Kühle nötig, um klare Gedanken bilden zu können, im unteren Menschen haben wir Verdauungs- und Verbrennungsvorgänge.

Die Kerntemperatur von Kopf und Leber ist so gut wie gleich. Die Polarität in der Temperatur lebt sich aus an der Peripherie, an der Hautoberfläche. Und da ist es von enormer Bedeutung für eine stabile und nachhaltige Gesundheit, dass der Mensch eine kühle Stirn zeigt und warme, gut durchblutete Hände und Füße hat.

Ein Sprichwort sagt: "Die Stirne kalt, Hände und Füße warm - das macht den besten Doktor arm". Steiner hat im Zusammenhang mit der Ich-Organisation erwähnt, dass diese beim Menschen mit der äußerst fein differenzierten Wärmeorganisation korreliere.

Weitere Polaritäten sind: Oben beim Haupt haben wir das Kriterium der Ruhe (Abb.1). Der Mensch ist normalerweise bestrebt, sein Haupt ruhig zu tragen, um klare Gedanken fassen zu können. Unten, im Bereich der Gliedmaßen, steht diametral gegenüber die oben beschriebene Bewegungsfähigkeit.

Also wiederum relative Gegensätzlichkeiten. Selbst bei der schnellsten Bewegungsart, zu der der Mensch fähig ist, beim 100m-Sprint, sind im Zeitlupenablauf die relativen Polaritäten klar zu erkennen. Während das Haupt fast linear, geradlinig und "ruhig" durchgetragen wird, haben wir unten bei den Beinen ein Höchstmaß an in Bewegung umgesetzter Kraftentfaltung.

Eine weitere Gegensätzlichkeit vom oberen Menschen zum unteren ist der Tatbestand, dass im Kopfbereich, in dem nach Steiner genannten Sinnes-Nerven-System, waches Bewusstsein zu walten hat, Wachheit und Geistesgegenwart, während wir im unteren Bereich, unterhalb des Zwerchfells, im sogenannten Stoffwechsel- und Gliedmaßen-System, Sinnes-Dumpfheit brauchen. Der Mensch darf, wenn gesund, sich nicht spüren. Wer sich bewußtseinsmäßig mit der Mittagsmahlzeit auseinandersetzt, der ist krank. Dieser Bereich ist vegetativ und unbewusst.

Als letzte der Polaritäten ist zu nennen der fortwährende Abbau im Sinnes-Nerven-System.

Zeitlebens, schon kurze Zeit nach der Geburt, ist die Entwicklung des ZNS abgeschlossen und es findet so gut wie keine Regeneration mehr statt (Nervenverletzungen oft irreparabel). Der Mensch ist gewissermaßen lebenslang auf das Pool der angelegten Nervenzellen angewiesen. Nach Steiner ist dieser fortwährende, schleichende Abbau Grundlage und Voraussetzung für unser Bewusstsein.

Im unteren Bereich, im Stoffwechsel- und Gliedmaßen-System ( z.B. Leber, Darm), da finden fortwährend Stoffwechsel- und Verbrennungsvorgänge statt. Die Rate der Zellerneuerung ist enorm hoch. Da ist Aufbau, Millionen von Zellen werden binnen kürzester Zeit neu gebildet.

Die beiden Gegenpole würden unvermittelt aufeinander treffen, wäre da nicht ein Mittleres, ein vermittelndes System, das Rhythmische System.

Dieses Mittlere im Brustbereich, das zeigt sich schon in der Knochenform der Rippen. Diese sind zwar einhüllend ähnlich wie die Schädelkalotte, aber doch die Knochen stabförmig, ähnlich wie Gliedmaßen-Röhrenknochen. Auch die Beweglichkeit im Bereich BWS ist nur eingeschränkt und bedingt.

Die Organfunktionen im Brustbereich sind rhythmischer Natur, fortwährend, Tag und Nacht, von der Geburt bis zum Tod. Herz, Lunge evtl. auch noch der Magen (arbeitet nur nach Nahrungsaufnahme) als Stoffwechselorgan in der Mitte, arbeiten pausenlos in rhythmischer (nicht in gleichbleibendem Takt) Weise.

Steiner weist im Zusammenhang mit dieser Dreigliederung darauf hin, dass dieses Rhythmische System, diese Mitte, die Polaritäten von oben und unten ausgleicht, vermittelt, immer wieder neu einpendelt. Er weist darauf hin, dass Gesundheit als Gleichgewicht von Stoffwechsel/Bewegungs- und Sinnes-Nervenprozessen gesehen werden muß. Gesundheit ist nicht statisch, sondern dynamisch, muß von Minute zu Minute neu austariert werden. Man kann dies sehen wie ein Pendel, das mal nach der Stoffwechsel-Seite, mal nach der Sinnes-Nerven-Seite ausschlägt; oder zu vergleichen mit einer Balkenwaage. Auf der einen Seite Stoffwechsel-Prozess, auf der anderen Seite der Sinnes-Nerven-Prozess. Nur wenn ein anhaltend stabiles, physiologisches Gleichgewicht gehalten werden kann zwischen diesen Polaritäten, ist der Mensch gesund. Dreh- und Angelpunkt stellt das Rhythmische System dar.

Steiner betont in diesem Zusammenhang, dass Gesundheit resultiert aus der Mitte, dem Rhythmischen System und aus dem Ätherleib!!!

Dies sind die Instanzen der Selbstheilungskräfte, des inneren Archäus.

Nichts sollte uns Heilpraktikern näher liegen bei unserem Heilungsbemühen mit unseren Patienten, als dass wir uns an diese Instanzen wenden.

Es zeigen sich übergeordnet ganz große Polaritäten, auch was die Krankheitstendenzen anbelangt. Die Kriterien des Sinnes-Nerven-Systems: Härte, Kälte, Abbau, Bewusstsein sind zugleich die Merkmale chronischer, sich im Kühlen entwickelnder, degenerativer Erkrankungen. Steiner nennt diese große Tendenz der Erkrankung SKLEROSE.

Das sind in der Regel Erkrankungen des Abbaus und des Alters.

Die andere Polarität wären Krankheitstendenzen mit den Kriterien des Stoffwechsel- und Gliedmaßen-Systems: Weichheit (Auflösung), Wärme, Aufbau, (Sinnes)Dumpfheit. Dies sind zugleich Merkmale fiebriger, akuter, entzündlicher Erkrankungen. Steiner nennt diese andere Polarität ENTZÜNDUNG.

In der Regel Erkrankungen der Kindheit, Jugend, des Heranwachsenden.

Schwierig für den Therapeuten wird es, wenn diese polaren Krankheitstendenzen alternieren (Autoaggressionskrankheiten - degenerative und entzündliche Tendenz zugleich).

Wie man in der Volksheilkunde eine hoch-fieberhafte Erkrankung mit Delirium mit physikalischen Maßnahmen, ganz im Sinne dieser Balkenwaage, pariert hat - kalte Waden-Wickel am Gegenpol - so kann man sich ebenso denken eine Behandlung von Gicht und Rheuma mit Wärme-Anwendungen, mit einer gelinden Bewegungstherapie, mit einer stoffwechselaktiven Diät etc. Einfach, in dem man Dinge in das Krankheitsgeschehen hereinholt, die der Gegenpolarität angehören.

Genau wie man im Sinne dieser Dreigliederung mit physikalischen Anwendungen umgehen kann, so hat uns Rudolf Steiner gelehrt, u.U. einseitige Polaritäten von Pflanzen, Mineralien und auch Heiltieren ganz gezielt einzusetzen.

Wie mit einem Schlüssel lassen sich nach diesen Kriterien Heilsubstanzen erkennen, begreifen und ausfindig machen.

Hierzu muß noch die Pflanze, das Mineral und das Tier nach den Kriterien der "Dreigliederung" betrachtet werden.

3.2 Dreigliederung der Pflanze

Die Pflanze lässt sich ebenso "dreigliedern" wie der Mensch. Auch sie lässt sich in 3 funktionale Bereiche unterteilen: in Wurzel, Blatt und Stengel, Blüte.

Die Kriterien wie Härte, Ruhe, Bewusstsein und Abbau, die geschildert wurden für den Kopfbereich des Menschen, sind fast in derselben Weise zutreffend auf den Wurzelbereich der Pflanze (Abb. 1).

Das Gros der Pflanzen zeigt verholzende Tendenzen, Zellulosebildung in der Wurzel - also relative Härte und Abbau.

Die Pflanze ist fest eingebunden und verankert in der Erde im Wurzelbereich - also herrscht hier Ruhe und Kälte.

"Bewusstsein" hat die Pflanze vielleicht in so weit in der Wurzel, als sie mittels feinster Haarwürzelchen ganz selektiv die Substanzen aus der Erde aufnimmt, die sie zum Aufbau ihrer Physis unbedingt benötigt.

So kann eine Entsprechung der "Wurzel-Bildung" zu dem Sinnes-Nerven-Pol des Menschen, zu dem Kopfbereich gesehen werden.

Betrachtet man die Blütenregion der Pflanze, so kann konstatiert werden, dass die Kriterien, die für den Stoffwechsel- und Gliedmaßen-Pol des Menschen angeführt wurden, sehr deutlich der Blüte entsprechen.

In der Blüte findet man messbar die höchsten Temperaturen. Hier hat die Pflanze ihren Wärme-Pol.

In der Blüte werden ätherische Öle gebildet, verströmt und an den Umkreis abgegeben. Später, im Zustand der Reife, werden hier in den Früchten und Samen auch fette Öle gebildet - also Stoffwechsel-Pol der Pflanze.

Die Insektenwelt korrespondiert hauptsächlich mit der Blüte der Pflanze - ein ständiges Kommen und Gehen. Dies ist auch der Bewegungs-Pol der Pflanze (Abb. 1).

So betrachtet, kann auch hier in den Blüten-Prozessen eine Entsprechung zu den Stoffwechsel- und Bewegungs-Prozessen gesehen werden. Das Hauptaugenmerk bei einer solchen Betrachtung liegt eindeutig hingewandt auf das Prozessuale, viel weniger gerichtet auf die stoffliche Ebene. Die deutlichste Entsprechung zwischen dem Menschen und der auf dem Kopf stehenden Pflanze zeigt sich in der Mitte, in dem schon geschilderten Rhythmischen System.

Im Blatt- und Stengelbereich vollzieht die Pflanze ihre "Atmung", nicht nach einem Eigenrhythmus, sondern nach dem Tag- und Nachtrhythmus - Assimilation und Dissimilation.

Die Entsprechung von Pflanze und Mensch geht in diesem mittleren Bereich bis hinein in die Stofflichkeit, bis in die chemische Strukturformel.

Der Sauerstoffträger der Pflanze (Chlorophyll) ist sehr ähnlich dem des Menschen (Hämoglobin). Die Anordnung der Porphyrine, der Pyrrol-Ringe ist so gut wie identisch, lediglich das zentrale Atmungsmetall der Pflanze ist das Magnesium, das des Menschen das Eisen. Bei niederen Tieren wie Schnecken und Muscheln ist es das Kupfer.

Ein unglaublicher Kunstgriff der Schöpfung - Atemprozess mit ein und der selben Formel!!!

Es ist ein grundlegender Unterschied, ob eine Substanz auftritt im Blatt oder im Wurzelstock. Viel wichtiger, als zu wissen, von welchem Teil der Pflanze sie stammt. Die Wurzelstöcke sind mehr der Hauptesorganisation des Menschen, die Blüten- und Blattorganisationen mehr dem unteren Menschen verbunden. Und eine wirklich gar nicht ausschlaggebende Rolle spielt eigentlich die chemische Beschaffenheit. Man muss aus ganz andern Dingen heraus die Beziehungen des Menschen zur Umwelt erkennen, wenn man das Gesundende und das Krankmachende, also den richtigen Krankheitsstoff (-Prozess) und das Heilmittel auch wirklich beurteilen will.

Rudolf Steiner 1924 (GA316)

"Nach dieser Erkenntnis kann man sich auf den Weg machen, diese Phänomene zu deuten, und nach einer Bedeutung für die Heilkunde suchen."

Literaturangaben:

1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

4. Kosmische Herkunft der Substanz

Die Ausführungen des folgenden Artikels stellen gewissermaßen eine "Leseprobe" aus dem neuen Buch von Werner Schmötzer "Anthroposphische Naturheilpraxis" (1) dar.

In den vorangegangenen Beiträgen zu dem Thema Anthroposophie wurde dargestellt, dass imponderable Kräftemäßigkeiten, wie Ätherisches und Astrales, einwirken auf Substanz, auf Materie. Bisher wurde dargestellt die "tote Stofflichkeit" des Mineralreiches gehöre der absolut unbelebten Natur an, da sei absolut kein Leben vorhanden.

Bisher hatte ich mich immer gescheut, schriftlich zu formulieren, was hinter der Materie steht. Das, was es nun zu erörtern gilt, ist sehr heikel. Sehr leicht läuft man Gefahr, als Spinner angesehen zu werden. Doch ich denke, die Zeit ist reif. Solche Menschen, die ich bisher in meinen Fachfortbildungen und Seminaren zur anthroposophischen Heilkunde kennengelernt habe, die sind ernsthaft interessiert. Es wäre in meinen Augen unlauter, würde ich weitere Erkenntnisse denen vorenthalten, die bei mir lernen wollen.

Wir haben bisher die "Wesensglieder" wie Physischen Leib, Ätherleib , Astralleib und das geistige Wesensglied betrachtet, die sich auch in den Naturreichen und im Menschen inkarniert wiederfinden. Wir haben gesprochen über die Dreigliedrigkeit von Mensch, Pflanze, Tier und Mineral. Wir haben erkannt, dass Einseitigkeiten in dieser Dreigliedrigkeit von Sinnes-Nerven-Pol, rhythmischem System und Stoffwechsel-Pol in Beziehung stehen zu den großen Krankheitstendenzen SKLEROSE und ENTZÜNDUNG.

Wir sind bereits so weit vorangeschritten, dass wir aus dieser prozessualen Schau ableiten können, warum beispielsweise die Birke auf eine Nierenwirksamkeit hindeutet; warum der Schwefel beispielsweise als Arzneisubstanz sehr starke Stoffwechsel- bzw. Entzündungsprozesse in Gang setzt; und warum der Blutegel eingesetzt werden kann, um bei Prozessen im rhythmischen System, Prozessen der (Ab-) Fließfähigkeit des Blutes, etwa bei lokalen, stark geröteten, angeschwollenen Entzündungen (Abszessen) entlastend zu wirken.

Da ist immerhin ein sehr großer Schritt getan in der Naturerkenntnis - losgelöst von dem reinen Wirkstoffdenken!

Doch hier stehen zu bleiben, würde unbefriedigend sein. Die Frage, wie kommt Materie zu Stande, bliebe unerklärt. Und vor allem bliebe die Frage nach der Wirkung der Substanz unbeantwortet.

  • Warum steht der Stickstoff in Zusammenhang mit dem Astralen?
  • Warum steht der Sauerstoff, auch therapeutisch, in Zusammenhang mit dem Ätherischen?

Warum hat der Kohlenstoff in der ganzen Welt die Funktion des Gerüst-Bildners? Nicht etwa nur bei der Pflanze in der Zellulose, nein, auch im Knochen des Menschen (Calcium carbonicum), auch im Stahl gibt er dem Eisen die nötige Härte, um schmiedbar zu sein, und zuletzt noch ist der Kohlenstoff in der gesamten organischen Chemie - in der Strukturformel der Kohlenwasserstoffe - derjenige, der das Gerüst, die Struktur der sogenannten "Strukturformel" gibt.

Kohlenstoff steht für den Prozess der "Gerüst-Bildung", der Strukturbildung in der Schöpfung. Selbst über Tausende oder Millionen von Jahren hinweg, sichtbar in der fossilen Kohle bleibt das "Kohlenstoff-Gerüst" sichtbar. Geronnene Formprozesse!

Aus der geisteswissenschaftlichen Forschung wissen wir:

Materie ist niemals ohne Geist.

Rudolf Steiner wies in seinen Schilderungen der Evolution und Weltentwicklung immer wieder darauf hin, dass Leben zuerst da war. Stofflichkeit fiel aus dem Leben heraus.

Leben, Äther-Kräfte, Astral-Kräfte kommen aus dem Kosmos.

Die Äther-Kräfte, die Organbildekräfte, kommen aus der Planetensphäre. Dies wird in meinem Buch (1) des Näheren erläutert. Ebenso beschreibt dies Rudolf Hauschka in seiner "Substanzlehre" (2).

Wir Anthroposophen sprechen von einer Beziehung zwischen Planet - Metall - Organ.

Diese Beziehung stellt die Grundlage der Therapie mit den sieben Planeten-Metallen dar - eine Domäne der anthroposophischen Heilweise.

Die Astral-Kräfte kommen aus der Sphäre der Fixsterne, der Ekliptik, des Zodiaks.

Unser Sonnensystem durchläuft in dem Zeitraum von 25 920 Jahren den Tierkreis einmal, um am selben "Frühjahrspunkt" wieder anzukommen.

Bildekräfte, Formkräfte, wie sie aus dem All kommen, werden je nach kosmischer Konstellation durch die Sphären "nahestehender" Fixsterne des Tierkreises und durch die weiter im Zentrum liegenden Planetensphären beeinflusst bzw. tingiert.

Die Elemente C, H, O und N stehen ganz klar in Beziehung zu den vier Elementen der Weisen des Altertums.

Aristoteles hatte von den vier Elementen gesprochen, die Bibel spricht von den vier Winden etc.

In meinem Buch (1) sind die großen kosmologischen Zusammenhänge aus meiner Sicht erläutert. Jene, denen meine Ausführungen da jedoch zu dünn und zu wenig belegt erscheinen, sollten nachlesen bei RUDOLF STEINER (5; 6; 7) oder bei Guenther Wachsmuth (8), bei Rudolf Hauschka (2) oder in meinem Grundlagenbuch ( Kapitel Substanzlehre)(4).

In STEINERs Gesamtwerk nachzulesen, ist mitunter sehr schwierig und wird oft dann wieder eingestellt.

Guenther Wachsmuth, ein sehr gründlicher Naturwissenschaftler, beschreibt in seinen Werken diese Zusammenhänge sehr ausführlich, jedoch auf sehr anspruchsvollem und hohem Niveau.

Rudolf Hauschka, der Begründer der WALA, beschreibt diese Zusammenhänge

"leichter verdaulich".

Das waren noch Pioniere, Zeitgenossen STEINERs, die wagten noch zu forschen und zu lehren.

Der anthroposophische Arzt und Physiker Jürg Reinhard, er ist auch Bergführer, befasst sich in seinem Buch "Geosophie" (3) ebenso mit diesem kosmischen Werden der Substanz, jedoch in einer etwas blumigen Weise.

Mir scheint, die meisten anthroposophischen Autoren der "Neuzeit" scheuen sich mehr und mehr, solche Dinge "beim Namen zu nennen", wohl um ihre (Schul-) wissenschaftliche Reputation, ihren Ruf in Fachkreisen nicht zu gefährden.

So möchte ich als "extra-universitär Gebildeter" den schwierigen Versuch unternehmen, meine KollegInnen noch tiefer in kosmologische Zusammenhänge aus geisteswissenschaftlicher Sicht hineinzuführen.

Ich möchte so weit kommen, dass etwa folgende Fragen hinreichend beantwortet werden:

  • Warum kommt der Kiesel aus dem Sternbild des Widder?
  • Warum bringt der Kiesel Ätherisches, Form- und Bildekräfte auf unsere Erde?
  • Warum hat der Kiesel, der Quarz, zu tun mit Information (Computer-Chip), mit Zeiterfassung (Quarz-Uhr), mit Sinnesorganen (Auge, Ohr...)?
  • Warum sind die Nabelschnur eines Föten und das Amnion die kieselreichsten Organe des Menschen?

Wenn wir Antworten auf solche Fragen finden, dann wird es möglich sein, dass wir als Therapeuten ein klareres Bild erhalten, um solche Substanzen dann auch gezielt bei entsprechenden pathologischen Situationen einsetzen zu können.

Warum beispielsweise Stickstoffverbindungen, vorkommend in Substanzen bzw. Pflanzen wie Nikotin, Koffein, Strichnin, Atropin, Morphin etc., astrale Prozesse im menschlichen Organismus anregen, auf astrale Organe wie etwa die Nieren wirken, und deswegen sehr gezielt als Arzneimittel in Frage kommen können.

Diese generalistische Schau, die ganz große, kosmische und geistige Zusammenhänge mit einbezieht, vermag zu einer virtuosen Arzneimittelfindung zu führen.

Es ist ein mühsamer Weg, doch das Ziel ist lohnend.

Hellsichtigkeit würde das Problem der Heilmittelfindung ebenfalls lösen. Wenn wir jedoch keine Hellsichtigen sind, müssen wir mit Hilfe der geisteswissenschaftlichen Erkenntnismöglichkeiten der Anthroposophie uns solche Einsichten erarbeiten.

Literaturangaben:

  1. Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008
  2. Hauschka, Rudolf: Substanzlehre. 7. Aufl. Frankfurt: Vittorio Klostermann GmbH, 1978
  3. Reinhard, Jürg: Geosophie. 1. Aufl. CH-3658 Merlingen: Eigenverlag, 2004
  4. Schmötzer, Werner: Grundlagen der anthroposophischen Heilkunde, einschließlich Mistel- und Metalltherapie. 1. Aufl. Bonn: Verlag Volksheilkunde, 2005
  5. Steiner, Rudolf: Die Geheimwissenschaft im Umriß. 1.-10. Tsd. Dornach: Rudolf Steiner Verlag, 1972
  6. Steiner, Rudolf: Die Theosophie des Rosenkreuzers. 6. Aufl. Dornach: Rudolf Steiner Verlag, 1979
  7. Steiner, Rudolf: Aus der Akashachronik. Dornach: Nachlassverwaltung 1972
  8. Wachsmuth, Guenther: Die Entwicklung der Erde. 1. Aufl. Dornach CH: Philosophisch-anthroposophischer Verlag am Goetheanum, 1950

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

Abb.1 Meteoreisen (wikipedia.org/wiki/Bild:Seycham.jpg)

Abb. 2 Meteoriten-Hagel (http://de.wikipedia.org/wiki/Meteore)

5. Entwicklungsstufen des Menschen

(Lebensjahrsiebente)

In den bisher erschienenen Beitragsfolgen wurden grundsätzliche Betrachtungen angestellt - das anthroposophische Welt- und Menschenbild, die Dreigliederungsidee Rudolf Steiners wurden beschrieben, und es wurde auf die kosmischen Zusammenhänge ätherischer wie astraler Kräftewirkungen hingewiesen.

Nun soll eine Schilderung der leiblich-seelisch-geistigen Entwicklung des Menschen folgen, der Entwicklungsschritte der Wesensglieder, aufgegliedert in die sogenannten Lebensjahrsiebente.

Folgende Darstellung zeigt Lebensjahrsiebente in ihrer temporären Abfolge. Siehe Abb.1.

Abb. 1: Lebensjahrsiebente

In diesem ersten 7-Jahres-Abschnitt der kindlichen Entwicklung wird nach anthroposophischem Verständnis der Physische Leib des Menschen erneuert und ausgebildet. Vor dem Hintergrund der Reinkarnation und vor der Gewissheit, dass der Mensch aus einer geistigen Welt auf die Erde kommt, kann man davon ausgehen, dass das Neugeborene seine Physis mitbringt aus dem Erbstrom der Eltern. Der physische Leib muss in den ersten sieben Jahren neu gestaltet und neu ergriffen werden, was dann im Zahnwechsel seinen Abschluß findet.

Dieses erste Lebensjahrsiebt lässt sich in drei Abschnitte unterteilen

Erstes Drittel, das sind die ersten 2 1/3 Jahre: Das Baby, erst liegt es, krabbelt, mit einem Mal richtet es sich auf. Das Kind lernt sprechen, erst sagt es: Hannele trinken. Es redet in der dritten Person von sich, dann erkennt es sich in seiner Individualität und gebraucht das Wort Ich. Mit diesem Sich-Selbstwahrnehmen kommt auch schon die erste Trotzphase. Es möchte seinen Willen am Widerstand erleben.

Zweites Drittel, das ist die Zeit bis es etwa 4 ½ Jahre alt ist: Da erlebt das Kind die Spielphase als Phanthasiephase. Es spielt ohne Vorsatz mit allem, was sich ihm bietet und ihm begegnet. Erst spielt es in der Horizontalen, dann spielt und baut es auch in die Höhe. Das Kind ist geprägt von einer "Leichte". Es hüpft und springt den ganzen Tag, verspürt keinerlei Müdigkeit. Es gebärdet sich, als sei es schwerelos.

Drittes Drittel, bis zum Alter von 7 - das Kind denkt beim Spielen: Heute spielen wir Feuerwehr! Es setzt ein Längenwachstum des ganzen Körpers ein, aber auch der Gliedmaßen. Die Körperproportionen ändern sich, der Kopf wird in Relation zum Körper kleiner, die Gliedmaßen länger. Zeichen der Schulreife war früher, auch bei den Staatsschulen, bis heute noch bei den Waldorfschulen, das Vermögen, sich mit der linken Hand über den Kopf gegriffen am rechten Ohr fassen zu können. Dann war die Entwicklung der Proportionen so weit vorangeschritten, dass das Kind "schulreif" war. Die Gliedmaßen wirken in dieser Zeit schlacksig. Das Kind beherrscht in diesem Alter seine Gliedmaßen nicht mehr so perfekt wie zuvor. Es stolpert, lässt jedoch auch andere stolpern, indem es ihnen den "Fuß stellt" - ähnlich wie in der Pubertät. Diese dritte Phase des ersten Lebensjahrsiebents endet mit dem Zahnwechsel. Milchzähne werden abgestoßen, neue Zähne, die bleibenden wachsen nach. Mit dem Erneuern der härtesten Substanz, die der menschliche Organismus überhaupt im Stande ist hervorzubringen, findet auch die Erneuerung des gesamten Physischen Leibes seinen Abschluß. Das Kind hat, so sagen wir, seinen mitgebrachten erbgebundenen Leib abgelegt und den neuen mit seiner Individualität durchdrungen.

Im 2. Jahrsiebent wird der Ätherleib, der Bildekräfteleib fertig entwickelt (siehe Abb. 1).Im ersten Drittel dieser Entwicklungsphase erreicht das Kind seinen "Rubikon", einen neuen Abschnitt auch seiner seelischen Entwicklung. Das Kind kann Trauer fühlen. Das Kind erlangt dann auch gegen Ende, zum 14. Lebensjahr hin, die bei manchen Glaubensgemeinschaften sogenannte Religionsmündigkeit, es wird konfirmiert. Ebenfalls in dieser Zeitspanne erfährt der junge Mensch das Werden seiner Geschlechtsreife. Obwohl er im Seelischen mit diesen Vorgängen nur unzureichend zurechtkommt, praktisch noch gar nicht reif ist, ist dennoch auf biologischer Ebene die Reife, die Reproduktions- und Fortpflanzungs-Fähigkeit entstanden - gerade in der heutigen Zeit, in der die Akzeleration sehr stark zum Tragen kommt. Der / die Pubertierende ist hin- und hergerissen. Er ist unstet, hat seine Richtung noch überhaupt nicht gefunden. Dieses 2. Jahrsiebt bezieht sich auf die Reifung des Ätherleibes - der Astralleib, der ja die Emotionen reguliert, der wird erst in dem 3. Jahrsiebt vollständig ausgebildet. Kein Wunder, dass der Jugendliche sich mit seinen Gefühlen schwertut. Der Ätherleib, der generative Pol wird in diesem 2. Jahrsiebt zur vollständigen Ausbildung gebracht, deswegen sind auch generative Prozesse wie Reproduktionsfähigkeit zur Funktionsfähigkeit gereift.

Der gesamte Organismus ist im Umbau, erhält eine neue Gestalt. Sexuelle Merkmale zeigen sich ebenso wie eine Gestalt(ung) zum Erwachsenen hin. Jungs erleben den "Stimmbruch". Umgebaut wird durch das vermehrte Eingreifen des geistigen Wesensgliedes, des Ichs, über die Wärme. Da darf es nicht überraschen, dass zu dem ersten und zweiten Lebensjahrsiebent die "Kinderkrankheiten" gehören. Krankheiten, die zwar häufig durch Ansteckung erworben werden, die jedoch nicht unbedingt als klassische Infektionskrankheiten zu sehen sind. Sie dienen der kindlichen Entwicklung, sind nötig beim Umbau. Aus diesem Grunde sollten solche Kinderkrankheiten in ihrem Verlauf zwar therapeutisch begleitet, jedoch keinesfalls unterdrückt und bekämpft werden.

Mehr dazu jedoch im nächsten Kapitel dieser Folge: Bedeutung des Fiebers.

Im 3. Jahrsiebent, da wird, nachdem die Bildung des Ätherleibes mit seinen generativen Prozessen abgeschlossen ist, nun der Astralleib zur Ausbildung gebracht. In dieser Zeitphase wird man erleben, wie der / die Heranwachsende sich wirklich schwertut, im Emotionalen seine Mitte, seinen Weg zu finden - viel mehr noch als etwa mit 14. Mal zeigen sich Gefühle des Erwachsenenalters, wie Liebe, die morgen wieder um ist, mal ist der Heranwachsende wieder begeisterter Idealist, kämpft an gegen die Ungerechtigkeit in der Welt, möchte diese verändern. Hier ist auch der Ursprung sogenannter Jugendideale. Ein andermal lässt er fernab von jeglichem Idealismus einen gleichaltrigen Kameraden stolpern, macht dumme Jungenstreiche. Mal stellt er sich Erwachsenen entgegen, möchte Kräfte erfahren und messen, lässt sich ein auf Mutproben. Gewissermaßen ein Üben im seelischen Bereich. Im Physischen zeigt sich die Ausbildung der astralen Organisation ganz stark in der Zunahme der Lungenkapazität und des Brustumfanges. Der Heranwachsende wird sehr stark. Dies zeigt sich im Sport. Lediglich in der Ausdauerleistung, da steht er dem Älteren noch nach.

Mit 21 ist der Mensch erwachsen. Das Längenwachstum der Röhrenknochen kommt zum Ende. Der Mensch ist dann wirklich reif, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen.

Bis hierher hatten wir es zu tun mit Entwicklungsschritten des Leibes, der Soma (siehe Abb.1).

Das 4. Jahrsiebent ist benannt als der Entwicklungsschritt der Empfindungsseele. Da lebt der junge Mensch, gerade erwachsen geworden, noch sehr in der Empfindung. Zwar ist der Verstand des jungen Erwachsenen durch die immer länger währende, hochqualifizierte Ausbildung sehr geschult. Er ist mit kognitivem Wissen schon sehr angereichert; dies wird jetzt in der Zeit des Studiums noch fachspezifisch sehr vertieft. Irgendwo in seiner Seele spielt jedoch noch sehr die Empfindung mit. Das ist die Zeit auch der Partnerwahl, der u.U. längerfristigen Bindung, der Familien-Gründung. Da spielt natürlich Liebe mit eine große Rolle, Bereitschaft zur lebenslangen Treue, romantische Hochzeit. Honeymoon, das hat sehr mit der Empfindungsseele zu tun.

In dem 5. Lebensjahrsiebent wandelt sich die Stimmungslage etwas. Nicht, dass der junge Mensch nicht mehr empfinden würde, ganz und gar nicht. Jedoch ist zu dem Empfinden noch etwas anderes hinzugetreten: rationale Nüchternheit. Der Mensch hat sein Studium in der Regel abgeschlossen und inzwischen gelernt, sich zu behaupten, sich durchzubeißen - für sich selbst, in der Familie, im Beruf, für die Karriere. Da zählt meist nicht, wer das sensibelste Empfinden hat, sondern am besten kann sich durchsetzen derjenige, der rein verstandesmäßig und rational klar die Sache angeht. Da werden im Beruf die ersten Führungsaufgaben übernommen, vielleicht noch etwas zu forsch. Für die Familie wird evtl. ein Haus gebaut. Das Leben ist keine Romanze mehr, sondern wird zielstrebig und verstandesbetont geführt. Im Vordergrund steht die eigene Karriere. Man lebt primär für die eigenen Belange. Mit 35 sagt man: das ist ein gestandener Mann.

Im 6. Lebensjahrsiebent, im Alter zwischen 35 und 42, da hat man schon einige Erfahrungen im privaten Leben wie im Berufsleben gesammelt. Man hat erlebt, dass da, wo es viel Licht gibt, auch viel Schatten sein kann. Nicht alles lässt sich rational planen, manches läuft auch völlig anders, als gedacht. Da gibt es Not, Krankheit, Tod, menschliches Unvermögen um einen herum. Die Umwelt droht, zerstört zu werden - wir als Bewohner der westlichen Welt richten sie möglicherweise zu Grunde. Mutter Natur war durch Naturvölker noch niemals bedroht; es ist die Zivilisation. In der Dritten Welt verhungern täglich Kinder, wir leben in einem die Gesundheit bedrohenden Überfluss. Da kommen schon Fragen auf, die über die Interessen der eigenen Person und diejenigen der Familie hinausgehen. Der Mensch, der in dieser Zeitphase auch seine Lebensmitte erreicht, bildet über seinen rationalen Verstand hinaus ein Bewusstsein aus für andere und für die Welt, obwohl ein Mensch in diesem Alter noch voll in der beruflichen Verantwortung steht. Zur Reife kommt in dieser Zeitphase das, was wir die Bewusstseinsseele nennen.

Hatten die Zeitabschnitte von der Geburt bis zur Volljährigkeit der Bildung des Leibes gegolten, so waren die Zeitabschnitte von 21 bis 42 zur Ausbildung der Mitte (da wird auch die Lebensmitte erreicht), der Seele angelegt - im Sinne einer Dreigliederung von Denken, Fühlen und Wollen.

Die nun folgenden Lebensabschnitte und Entwicklungsstufen von 42 aufwärts gelten der Entwicklung geistiger Qualitäten.

Das 7. Lebensjahrsiebent, nach Rudolf Steiner Geistselbst, dient der geistigen Entwicklung. Wir konnten verfolgen an den bisher vollzogenen Schritten, dass es sich tatsächlich um einen Entwicklungs-Prozess handelt. Unter diesem Aspekt muss man das Alter tatsächlich als Reife-Prozess sehen. Der Mensch sollte eigentlich ein Reifen seiner selbst zulassen, so wie man auch einer Frucht zugesteht zu reifen. Heute sieht man dies leider oft ganz anders. Heute besteht das Ideal in ewiger Jugend, in Anti-aging. Anti-aging heißt, den natürlichen Reifeprozess künstlich aufhalten zu wollen. Der modisch geblendete Mensch ist ja noch bereit, seine seelische Entwicklung zuzulassen, seine geistige Entwicklung, die würde er jedoch am liebsten unterbinden. Es ist fast verpönt, alt zu sein, doch gerade dies gehört zum Leben. Wenn sich das Geistige im Menschen ab etwa 42 entwickelt, so hat dies damit zu tun, dass bei ihm eine soziale Haltung reifen sollte. Vorher, bis 42, hatte der Mensch immer noch mit sich selbst zu tun. Er arbeitete daran, seinen sozialen Status auszubauen und zu erhalten. Ab 42, da sollte er über sich, über die Eigenfürsorge hinaus, soziale Verantwortung beispielsweise für Schwächere, erbringen können. Wurde bisher erfolgreich an der eigenen Karriere gebastelt, so können nun auch Belange in größerem Rahmen betreut werden. Der Lebensstandard ist in diesem Lebensalter in der Regel gesichert. Die Kinder sind außer Haus. Der lebensreife Mensch kann nun auf Grund seiner Erfahrung auch große Verantwortung, Führungsaufgaben für viele Menschen übernehmen. Er kann

auch ideelle Organisationen wie Stiftungen, Vereine, Verbände etc. gründen bzw. leiten.

Im 8. Lebensjahrsiebent, nach Rudolf Steiner Lebensgeist genannt, da sollte schon etwas mehr Gelassenheit, Überschau in das Leben eines Menschen jenseits der 49 bis 56 kommen. Wie schon angedeutet, die Kinder sind außer Haus. Das, was an Karriere bisher noch nicht erreicht wurde, das kommt auch durch Schuften und Buckeln nicht mehr. Man muss mehr loslassen, Druck wegnehmen.

"Herr gib mir das Vermögen, unterscheiden zu können, was sich ändern lässt und was nicht. Und gib mir die Gelassenheit, das zu ertragen, was nicht zu ändern ist".

Dies fällt natürlich in einer Zeit, in der ein Mensch in der Arbeitswelt mit über 50 als unvermittelbar gilt, besonders schwer. Es fällt wirklich schwer für den, der noch große Verbindlichkeiten hat, wie auch für den der keine Ersparnisse hat, um sich einigermaßen über die Runden zu bringen. Das kann jedoch auch ein Geschenk sein für den, der loslassen kann. Trotz aller Not ist Gelassenheit gefragt. Chance zur Neuorientierung, zum Neuanfang. Da wird es ganz entscheidend darauf ankommen, sich nicht niederen Arbeiten zuzuwenden. Die lassen verzweifeln. Höheres, Geistvolles kann jetzt unter Umständen schon angegangen werden. Kulturreisen, Musik, Literatur, bildende Künste etc. ein breites und reiches Feld tut sich unter Umständen auf. Ein solches, das durchaus noch mit Einnahmen verbunden sein kann. Das Sammeln von Kunst, Handel damit, Vorträge in speziellen Fachgebieten etc., das kann selbst oder gerade im Alter noch ungemein beflügeln. Jeder muss sich eine Nische suchen, schauen, wo er gut ist, was ihn fasziniert, was ihn wirklich in jeder Lebensfaser miterleben lässt. Es muss eine Aufgabe sein sinnstiftend, der Welt nicht zum Schaden, sondern ihr zum Nutzen. Das ist erfüllend und trägt. Trägt den Menschen in ein neues Jahrsiebt.

Das 9. Lebensjahrsiebent, nach Rudolf Steiner benannt als "Geistmensch". Ein Lebensalter der Reife, 56 bis 63 Jahre, da geht der Mensch seiner Reife entgegen. Lange Zeit war das Rentenalter, das Ruhestandsalter der Frau bei 63, beim Mann bei 65 Jahren angesetzt. Nun, in diesen unglücklichen Zeiten, wo die Sozialkassen leer sind aus mannigfaltigen Gründen, wo wenig Arbeit, wenig offene Stellen existieren, da hat man das Rentenalter erhöht, stufenweise bis 67. Zu früheren Zeiten, da war die durchschnittliche Lebenserwartung bei weitem nicht so hoch, da war es eine Gnade, wenn einer die 67 erreichte. Rudolf Steiner sagte, das Lebensalter des Menschen liege bei 63, was darüber hinaus ginge, das sei Gnade. Heute werden Frauen durchschnittlich 82, Männer 78,5 Jahre - was für eine Gnade. Oft werden alte Menschen jedoch durch eine "Kunstmedizin" lange am Leben erhalten, sind oft völlig vereinsamt, oft sind auch die geistigen Fähigkeiten sehr beeinträchtigt (Alzheimer, Demenz etc.), sie können nicht mehr in ihren "vier Wänden" bleiben und werden asyliert in Heimen, in denen oft nur wenig Raum für geistige und altersgemäße Betätigung bleibt. Ob man in diesen Fällen dann noch von Gnade, von einem begnadeten Alter sprechen möchte, das ist eine ganz andere Frage.

Im Alter zwischen 56 und 63 sollte der Mensch noch mehr Gelassenheit zeigen und an Weisheit zunehmen. Weisheit, das ist etwas anderes als kognitives Wissen und Bildung. Weisheit gewährt einen Ausblick in Höheres, gewährt eine Überschau weit über Alltäglichkeiten hinaus. Weisheit mahnt zu besonnenem Handeln. Das bräuchte unsere Welt. Schauen wir mal die Idole der heutigen Zeit an von Michael Jackson bis Jimmy Hendriks; die Politiker und Wirtschaftskapitäne der heutigen Zeit, Persönlichkeiten, die die Welt regieren - da tut man sich außerordentlich schwer, wenn man versucht, Weisheit oder irgendsoetwas auch nur andeutungsweise zu finden.

Nun kann sich der Kreis wieder schließen. Wie bei der Schilderung der somatischen Entwicklung schon beschrieben, sollte der alte Mensch loslassen allzu Materielles, sollte Irdischem nicht mehr so sehr verhaftet sein wie in der Aufbauphase seines Lebens. Er sollte sich Höherem zuwenden, wie im vorigen Kapitel beschrieben, dann wird er sicherlich auch in hohem Alter, trotz der Gebresten, dem Leben noch Gutes abgewinnen können und danken für die Gnade, die ihm zuteil wird.

Der gealterte Mensch sollte mehr und mehr "leibfrei" werden, sich allmählich lösen von einer allzu materiell-orientierten Lebensart. Auch seine Ernährung sollte mehr auf "Exkarnation" ausgerichtet sein, als auf ein allzu starkes Verhaftetsein im Irdischen. Mehr lakto-vegetabile Ernährung, weniger Fleischkost.

Das Bewusstsein sollte ein "höheres" sein. So sollte der Mensch auch am Lebensende sich wieder mehr mit Dingen befassen, die der Welt entstammen, wo er ursprünglich herkommt, und wo er wieder hingeht. Der Mensch sollte sich mehr und mehr mit geistigen Dingen befassen. Dies muss durchaus nicht kindlich sein. Religion, Kunst, Musik, Philosophie, Geisteswissenschaften, Belletristik etc., damit sollte der Mensch seine alten Tage verbringen, nicht mit den Banalitäten des Alltags. Mag das Leben im Alltag für den greisen Menschen auf vielen Feldern beschwerlich geworden sein, die Schwere des Alters und des Alltags auf ihm lasten. Sollte er sein Sinnen und Trachten erheben zu dem, was Bestand hat über die Zeiten. Er kann eins werden nicht nur mit seinem Schöpfer, er kann eins werden mit den alten Großen und Weisen. Moses, Sokrates, Aristoteles, Leonardo da Vinci, Archimedes, Hippokrates, Galen, Michelangelo, Mozart, Bach, Goethe, Schiller, Shakespeare, Kepler, Galilei, Paracelsus, Hufeland, Hahnemann, Kneipp und andere Größen der Menschheits- und Kulturgeschichte - mit ihnen kann er im Geiste schon an einem Tisch sitzen. Dann, wenn ein greiser Mensch sich in solcher Runde weiß, kann dann ein Abschiednehmen von der physischen Welt vielleicht nicht mehr so schwer sein. Er ist abgenabelt und gerüstet für einen neuen Anfang.

Literaturangaben:

1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unterwww.werner-schmoetzer.de

6. Bedeutung des Fiebers

Schon seit jeher galt das Fieber als nötiges Element, bedrohte Gesundheit wieder- zuerlangen. Der Ausruf des im 4. vorchristlichen Jahrhundert tätigen griechischen Arztes Parmenides: "Gib mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit!" lässt auf Beobachtungen schließen, wie unerwartet Besserungen eintraten bei damals als unheilbar geltenden chronischen Leiden , nachdem Kranke eine hochfieberhafte Infektion überlebt hatten. Der Wunsch, Fieber gezielt als Therapeutikum einzusetzen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte der Medizingeschichte. Die Naturheilkunde hat diesen Grundsatz des heilsamen Fiebers nie aufgegeben.

Dagegen ist unsere moderne Medizin enorm fieberfeindlich. Dies hat sich auch im Bewusstsein der Bevölkerung sehr stark eingeprägt. Fieber wird als gefährlich eingestuft, muss deswegen bekämpft werden. Die Pharmazie hat dafür ein ganzes Arsenal an fieber- und entzündungshemmenden Medikamenten geschaffen. Antipyretika, Antiphlogistika, Antibiotika und Corticoide vermögen das Fieber "schnell und zuverlässig" zu senken. Ganz besonders hat sich dieses antipyretische Denken bei den Kinderkrankheiten und den Erkrankungen von Kindern durchgesetzt, obwohl längst von schulmedizinischer Seite, im Tierexperiment an Säugern, nachgewiesen werden konnte, dass selbst bei starker, künstlich erzeugter, viraler Infektion, ein Großteil der Tiere überlebte, wenn keine antipyretischen Maßnahmen vorgenommen wurden. Mehrfach bestätigt ist inzwischen, dass Viren in der Regel sehr thermolabil sind und durch Temperaturen über 39°C eliminiert werden. So wäre jegliches Fieber, ob natürlich oder künstlich, grundsätzlich bei jeder viralen Erkrankung eine sinnvolle Reaktion des Organismus. Dennoch, trotz dieses Wissens versucht die Schulmedizin, jeglichen Versuch des Körpers, sich selbst zu heilen, durch antipyretische Maßnahmen zu unterdrücken.

Nach den bereits, in vorhergehenden Beiträgen dieser Serie, dargestellten Kriterien des anthroposophischen Welt- und Menschenbildes bedeutet das Fieber eine starke Betonung des Wärmeorganismus, ein verstärktes Eingreifen des Ichs über die Wärme in die leibliche Organisation des Menschen. Fieber ist also letztendlich Ausdruck einer gesteigerten Ich-Tätigkeit, um seine Herrschaft gegenüber den leiblich-seelischen Vorgängen wiederherzustellen. Fieber ist ungefährlich, wenn es zeitlich befristet verläuft. Prof. Fintelmann weist darauf hin, dass ein nützliches, therapeutisch zu nutzendes Fieber im allgemeinen eine Zeitgestalt aufweist, die den Wochenrhythmus wiederspiegelt (1) Seite 160.

Er beschreibt die Beobachtung aus der "Vor-Antibiotika-Ära", dass beispielsweise bei der Lungenentzündung bekannt war, dass etwa für die Zeit von 7-8 Tagen Dauer die nützliche Seite des Fiebers erlebt werden konnte, während ein über diese Zeit hinaus bestehendes Fieber im allgemeinen umschlägt und sich als "verzehrend" erweist. Deshalb war die um den 7. oder 8. Tag zu erwartende Krise bei den Entzündungskrankheiten auch immer eine Art Entscheidung, ob die Krankheit überwunden wurde zum Weiterleben im Leibe, oder ob sich Seele und Geist aus diesem lösten, um ihr Weiterleben in rein geistiger Existenz fortzuführen.

Oft ist zu beobachten, dass Kinder, ehe eine fiebrige Krankheit sich einstellt, quengelig, unausgeglichen und schwierig sind, mit sich und ihrer Umgebung kaum mehr zu Rande kommen. Dann kommt die hochfiebrige Erkrankung, sie sind aufs Bett niedergeworfen. Derjenige, der Kinder hat oder hatte, kennt diesen Vorgang nur zu gut. Nach durchlebter Krise begegnet uns ein "völlig neues Kind". Es ist wieder in seinem körperlich-seelischen Gleichgewicht. Alles, was disharmonisch war, ist wie abgestreift. Fieber bringt das gestörte innere Gleichgewicht im Menschen wieder ins Lot, indem es harmonisiert, entgiftet und die Abwehrkräfte steigert. Hinzu kommt, dass es die Persönlichkeitsentwicklung fördert. Oft sind Gesichtsausdruck und Verhalten eines Kindes völlig anders nach überstandener fiebriger Krankheit.

Kinderkrankheiten stellen mitunter zyklische Infektionskrankheiten dar, welche häufig eine Umformung der Konstitution nach sich ziehen, so dass ein Kind nach überstandener Krankheit wie noch einmal geboren erscheint. Da das Ich des Menschen in der Wärme lebt, bedeutet das Fieber ein verstärktes Eingreifen des Ich in den Organismus. Die im Vorfeld der Erkrankung in Disharmonie zueinander geratenen Wesensglieder werden wieder neu geordnet und zueinander ausgerichtet. Das Fieber steht an dem Pol der Entzündung - polar dagegen steht die Sklerose, welche die Disposition zum Karzinom mit einschließt.

Diese Perspektive weist den Infektions-, vor allem den Kinderkrankheiten eine bedeutungsvolle, in der Zukunft liegende Aufgabe zu. In dieser Beziehung wird die Krankheit, das Fieber, Mittel zum Zweck, eine Neuordnung herzustellen.

Die Infektions- oder Kinderkrankheit stellt natürlich auch eine Gefährdung des Erkrankten dar. Diese wird von einer Schulmedizin oft übermäßig bewertet, handelt es sich doch beim Überwinden einer Krankheit um einen "Trainingsakt". Es gilt Hindernisse zu überwinden, so dass dem Betroffenen Kräfte dabei erwachsen - Immunkräfte, Abwehrkräfte. Im Sport wird kein Hürdenläufer seine Fähigkeiten und Höchstleistungen erlangen ohne Risiko. Er kann jederzeit stürzen. Geht er das Risiko ein und trainiert, hat er die Chance, zu guten Leistungen und zu einem trainierten Bewegungsapparat zu kommen. Wer absolut sicher gehen will, versäumt das Leben. So verhält es sich auch mit den fiebrigen Erkrankungen. Sind sie überwunden, so geht der Betroffene meist gestärkt daraus hervor.

Es liegt zu Grunde hier eine grundsätzlich andere Definition des Krankheitsbegriffs. Fieber per se ist keine Krankheit. Fieber ist ein Symptom. Vorausgegangen ist jeder Erkältung, Entzündung oder Infektion ein kataboler Prozess (2). Dieser hat seinen Ausgangspunkt in der gegenüberliegenden Polarität: Kälte, Abbau etc., deswegen findet man bei sehr vielen fiebrigen Erkrankungen im Vorfeld Symptome wie Abgeschlagenheit, Überreizbarkeit, Blässe (Vasokonstriktion), Kältegefühl (Schüttelfrost) etc. Wie beispielsweise die Unterkühlung abbauende Tendenzen im Physischen hervorzurufen vermag, so können auch Streß, psychische Schocks eine Änderung der Disposition herbeiführen und als Reaktion ein vermehrtes Engagement des Ichs in Form eines klärenden Fiebers herbeiführen. Fieber, als vermehrte Tätigkeit des Ichs, sollte nicht unterdrückt werden, Fieber sollte therapeutisch begleitet werden, gegebenenfalls mit kalten Wadenwickeln, Einläufen und anderen physikalischen Anwendungen, medikamentös mit Aconit, mit Echinacea (Abb.1) und Argentum (Abb.2). Fieber sollte andererseits auch unterstützt werden, falls es nicht richtig in Gang kommt, beispielsweise mit Lindenblütentee, heißem Vollbad, Schlenzbad und Bettruhe.

teil vi argentit

Abb.2: Argentit - Silbersulfid
www. Mineralienatlas.de/lexikon/index.php/mineralienportrait/Silber/Discussion

Abb.1: Purpurfarbener Sonnenhut [http://de.wikipedia.org/wiki/sonnenh%C3%BCte_(Echinacea)]

Bei Einhaltung von Bettruhe in akuten und chronischen Fällen können sowohl die verabreichten Medikamentebesser wirken, als auch die körpereigenen Selbstheilungskräfte besser zur Entfaltung kommen. Wir vergessen nur allzu oft, dass es die Natur selbst ist, die meist unmerklich heilt. Diesen Vorgang sollte man unterstützen.

Es scheint wichtig, hier noch anzufügen: Im Fieber besteht nur sehr selten eine Lebensbedrohung. Die Gefahr liegt viel eher in der ganzheitlichen Disharmonie (Wesensglieder) - ihrer Weiterentwicklung wird durch das Fieber Einhalt geboten.

Deshalb sollte Fieber in seinem Verlauf sinnvoll unterstützt werden.

Als unterstützende Maßnahmen wurden bereits genannt: initial Lindenblütentee, heiße Vollbäder, Bettruhe etc.

Bei sehr hohem Fieber u.U. kalte Wadenwickel, Einläufe etc. Medikamentös kann man geben initial Aconitum napellus, anschließend oder darauf folgend Belladonna, Apis, Apis-Belladonna, Argentum D30/Echinacea D6; Amp. (WELEDA) etc.

Fieberkrämpfe bedürfen einer besonderen Beachtung und erhöhter Aufmerksamkeit.

Fieber ist von größter therapeutischer Bedeutung, insbesondere bei viralen Erkrankungen. Eine artifizielle Senkung des Fiebers begünstigt die Vermehrung der Viren, mit allen Folgen.

Wenn das Leben des Patienten tatsächlich bedroht ist, sollte eine Behandlung mit Antibiotika aus weltanschaulichen Gründen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Der Einsatz von Antibiotika in lebensbedrohlichem Zustand lässt sich vergleichen mit dem Rettungsversuch eines Nichtschwimmers im reißenden Fluss per Rettungsring. Keiner würde dieses Vorgehen im Akutfall verurteilen. Sinnvoll wäre es jedoch, wenn der Gerettete anschließend das Schwimmen erlernt, um für weitere Vorkommnisse gewappnet zu sein.

So ist auch einmalige Fieberunterdrückung, um Leben zu erhalten, kein Beinbruch. Doch sind unkritische Antibiotika-Gaben in keinem Falle zu befürworten, zumal schulmedizinische Untersuchungen vorliegen, die bestätigen, dass Viren bei Temperaturen unter 39°C sich vermehren können, und dass antibiotisch bekämpfte Bakterienstämme mehr und mehr sich in therapieresistente Varianten wandeln.

Man weiß auch, auf Grund von Tierversuchen, dass virale Entzündungskrankheiten von einem Großteil der infizierten Tiere überlebt wurden, wenn diese fiebern konnten. Bei antipyretischer Behandlung starben praktisch alle Tiere.

Statt einer dramatischen, kurzfristigen Auseinandersetzung, der eine Neuordnung folgt, besteht ein andauernder "kalter Krieg", der die Krankheitssituation nicht überwindet, sondern zu einer Schwächung führt.

Anfangs besteht die Empfänglichkeit gegenüber Erregern. Nach abgelaufener Krankheit ist eine Immunität entstanden gegen die betreffende Krankheit.

Mit der Ausbildung der Immunität ist ein Entwicklungsschritt vollzogen, der für den gesamten Lebenslauf des Menschen von Bedeutung ist, nicht nur im Sinne einer größeren Resistenz. So betrachtet, können Kinderkrankheiten wahre Helfer sein, nicht nur in Belangen der körperlichen Entwicklung, sondern auch für die gesamte Entwicklung der Individualität.

Es wäre jedoch verfehlt, die rettende und heilende Wirkung allein in den hohen Temperaturen des Fiebers zu sehen. Ein solches erfasst die gesamte Krankheitslage nur in der ersten Zeit, in einem Anheben der Körpertemperatur; es gehört ebenso die Beherrschung des Fiebers dazu, d.h. die Begrenzung auf das nötige Maß und die entsprechende Dauer. Damit ist jedoch nicht eine generelle Senkung des Fiebers gemeint, sondern eine besonnene, therapeutische und medikamentöse Begleitung.

Durchgemachte Fieber können sehr gut schützen vor späteren Tumorbildungen(3). Oft kommen Patienten in unsere Sprechstunde, im Alter von 37-42 Jahren, mit der Diagnose Krebs - bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Wenn man die dann fragt nach durchgemachten Kinderkrankheiten, dann ist die Antwort: so gut wie keine. Fieber in den letzten 20 Jahren: so gut wie nie. "Ich war immer gesund bisher, und nun diese Krankheit". Dies ist eine Situation unserer Zeit. Mehr dazu im Kapitel Tumorerkrankungen.

Literaturangaben:

  1. Fintelmann, Volker: Intuitive Medizin. 1. Aufl. Stuttgart: Hippokrates Verlag GmbH, 1987
  2. Husemann / Wolff: Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst - Band II und III. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben GmbH, 1986
  3. Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

7. Problematik - Impfungen

Soll das Kind geimpft werden oder nicht? Diese Frage bewegt viele Eltern. Von allen möglichen Seiten erhalten sie Ratschläge, oft gegensätzliche. Häufig wissen die Eltern dann wirklich nicht mehr, sollen sie - sollen sie nicht. Nicht nur in Laienkreisen, sehr wohl auch in Fachkreisen, wird die Impfproblematik sehr emotional und kontrovers diskutiert. Die Naturheilkunde sah, was Infektionskrankheiten anbelangt, schon seit jeher den Schwerpunkt in einem intakten Immunsystem und in der Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte. Der verantwortliche Heilpraktiker wird von der Impfung, die Bestandteil unseres Gesundheitswesens ist, nicht grundsätzlich abraten. Er wird mit den Eltern jedoch die Problematik d.h. Für und Wider erörtern. Impfgegner berufen sich auf das große Werk von Harris L. Coulter (1) - weltweit bekannt in Laien- wie in Fachkreisen. Coulter ist schlichtweg der Impfgegner. Nach seinen Darstellungen ist das Impfen mitverantwortlich für "alle möglichen Encephalopathien, Allergien, hyperkinetische Syndrome etc." Dass Wissenschafts-orientierte Schulmediziner die Impfung uneingeschränkt empfehlen, wird kaum jemanden überraschen. Moderne "Ärzte für Naturheilverfahren" sind da nicht so sehr festgelegt. Sie impfen im begründeten Einzelfall. Also, was gilt, was ist richtig?

Diese Frage etwas erhellen kann vielleicht die vom Verfasser selbst gemachte Erfahrung:

Bis vor kurzem war ich auch noch entschiedener Impfgegner. War doch unsere Tochter Anja, seit ihrer Pockenimpfung im Alter von 11 Monaten (damals bestand noch staatlich verordnete Impfpflicht), in ihrer Entwicklung stehen geblieben. Sie ist heute 37 Jahre alt und zu 100% geistig behindert. Diese Biographie ist ja auch in der Einleitung meines Buches (2) ausführlicher beschrieben. Damals ein Schock für uns Eltern. Man hätte diesen "Impfschaden" natürlich einklagen können, um evtl. eine Rente für das Kind zu beziehen. Wir hatten darauf verzichtet, zumal uns Zahlen vorlagen, die belegen, dass in Baden-Württemberg 97% aller Impfschäden, die geltend gemacht wurden, abschlägig beschieden wurden. Dem Kleinkind blieben so unnötige stationäre Untersuchungen, die immer an Uni-Kliniken durchgeführt werden, erspart.

Dass solche Eltern zu Impfgegnern werden, ist nachvollziehbar.

Da gibt es jedoch auch noch die andere Seite. Wie beschrieben, zählte ich jahrzehntelang zu den Impfgegnern. Jedem, der mich fragte, später auch als Heilpraktiker fragte, der erhielt die Antwort von mir, dass Impfen risikoreich wäre, dass, wenn man nicht das Vertrauen in ein individuelles Schicksal hätte, man impfen lassen solle - ich hätte Vertrauen und ließe deswegen mich und meine Kinder nicht impfen.

Sehr naturverbunden wie ich war, ließ ich keine Gelegenheit aus, mich im Freien aufzuhalten, die Natur zu erfahren und neue Kraft in ihr zu schöpfen. Ich war viel unterwegs im Wald, viel in den Bergen und in den Fluren. Zeckenbisse hatte ich schon unzählig viele abgekriegt, war dann immer der Meinung gewesen, mehrere Male nach der Läsion Ledum D4 einzunehmen, das würde ausreichen. Bislang war das auch so gewesen.

Wir wohnen in einem Gebiet mit erhöhtem FSME-Risiko, hier im Schwarzwald. Doch viele Waldler, das sind Waldarbeiter oder Waldbesitzer in unserer Region, die sind seit jeher mit Zeckenbissen konfrontiert und erfreuen sich bester Gesundheit.

So war ich auch wieder Anfang Juli 2005 im Wald Pilze sammeln, dabei holte ich mir zwei Zecken, welche auch gleich nach Entdeckung entfernt und mit Ledum nachbehandelt wurden. So nach 10 Tagen bekam ich Fieber, ziemlich hoch. Ich dachte mir nicht viel dabei. Das Fieber war so rasch, wie es gekommen war, wieder weg. Mit der Familie fuhren wir an die Ostsee. 2005 war wieder ein sehr heißer Sommer. Das Wetter war bilderbuchhaft. Soweit war alles wieder O.K. - nur eines war anders als sonst. Normalerweise war ich ein sehr hitziger Mensch, dem kaltes Wasser eher recht war, als dass er es scheute. Ich fror in dem frischen Ostseewasser, wie ich es eigentlich nicht gewohnt war. Ansonsten fühlte ich mich noch wohl. Nachts, in einer etwas weniger noblen Pension, da hatte ich starke Schweißausbrüche. Doch gegen Morgen da gings wieder. Nach 3-4 Tagen fuhren wir wieder nach Hause. Unterwegs, die Strecke hat immerhin 1000 km, da hatte ich schon das Gefühl, wieder krank zu werden. Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit etc. Zu Hause angekommen, legte ich mich sofort ins Bett. Ich fror, wie noch nie in meinem Leben. Außen hatte es 33°C und mehr, und ich war bekleidet mit 2 Schlafanzügen, bedeckt mit 2 Deckbetten und brauchte eine Skimütze als Kopfbedeckung. Mir war kalt durch Mark und Bein. Fieber 41°C!! Anfangs dachte ich noch: Fieber ist immer gut - ein starkes Eingreifen des Ich - Neuordnung der Wesensglieder - Hyperthermie - Tumorprophylaxe.... Doch das Fieber hielt an über Tage. Es stieg noch weiter. Der gerufene Arzt, ein anthroposophischer Arzt, stellte Fragen, ich konnte gar nicht richtig antworten. Na ja, er meinte, man müsse eine Blutuntersuchung vornehmen. An die Zecke, da dachte im Moment kein Mensch. Ich merkte selbst, dass ich nicht mehr richtig denken konnte. Na ja, das hing wohl mit dem immer noch sehr hohen Fieber zusammen. Doch ich konnte auch nicht richtig sprechen, und kurze Zeit später hatte ich Lähmungserscheinungen in den Beinen und ataktische Gangstörungen. Ich fühlte mich im Grunde genommen mehr im Jenseits, als hier auf der Erde. Der Arzt rief an, ob es sein könne, dass ich Kontakt mit einer Zecke gehabt hätte. Der Laborbefund wiese einen außerordentlich hohen Titer im Blut aus, der hindeute auf eine FSME-Infektion, keine Borreliose. Den Zeckenbiss hatte ich schon längst vergessen, zumal ein solcher bei mir keine Seltenheit war. Nie hatte ich unter den Folgen auch nur im Geringsten gelitten. Nun war es mit einem Male klar. Ich hatte eine Frühsommer-Meningo-Enzephalitis. Der biphasische Verlauf des Fiebers, nach einer 10-tägigen Inkubationszeit, deutete ganz eindeutig darauf hin. Doch wer denkt schon an solches! Erst vier bis fünf Tage Fieber, dann Fieberabfall, außergewöhnlich starkes Frieren, dann erneut Fieber, so hoch wie eigentlich noch nie in meinem Leben. Unerträgliche Kopfschmerzen, Lähmungen, Sprech- und Gangstörungen. Ich konnte fast nicht mehr schreiben. Einer Kollegin hatte ich eine Glückwunschkarte gesandt. Sie hat sie mir später gezeigt. Unvorstellbar - es war nur schrecklich entstelltes Gekritzel.

Tja, nun war alles klar. Der Arzt fragte, warum ich keine FSME-Impfung habe vornehmen lassen. Eine solche nützt nach erfolgter Infektion nichts mehr. Klar war mir, der Arzt konnte es leider nur bestätigten, dass es dagegen eigentlich kein Arzneimittel gibt. Das Fieber blieb für 3 1/2 Wochen bei 41°C und drüber. Ich konnte nur hoffen. Alle möglichen Kollegen, die von meiner Misere erfahren hatten, gaben mir in bester Absicht gute Ratschläge. In einem war ich mir mit meinem anthroposophischen Hausarzt einig, dass es nur eines gab: die körpereigenen Abwehrkräfte zu steigern und zu hoffen und zu beten. Bei einer Virusinfektion das Fieber mittels Antibiotika zu senken, schied aus. Glücklicherweise hatte ich bis dahin eine so robuste Konstitution, dass ich diese sehr ernste Erkrankung überstehen konnte, ohne bleibende Schäden. Lange dauerte es, bis ich wieder geschmeidig und fließend schreiben konnte.

Warum schildere ich diesen Krankheitsfall so ausführlich? Weil natürlich auch mit diesem Niedergeworfensein, mit den Lähmungserscheinungen, mit den zerebralen Defekten sich Fragestellungen ergaben, denen ich bisher ausgewichen war. Ärzte, Heilpraktikerkollegen und Kolleginnen, sonstige Bekannte erzählten mir aus ihrem Bekannten- und Patientenumfeld von vielen Fällen, die eine FSME-Infektion gar nicht oder mit schweren lebenslangen Schädigungen überlebt hatten. Von Betroffenen, die hinterher teilweise gelähmt im Rollstuhl saßen, die ohne Gehhilfe nicht mehr gehen konnten, die in ihrem Intellekt dauerhaft sehr geschädigt waren, von Patienten, die wunderlich wurden, die lebenslang nicht mehr auf den Boden der Realität zurückfanden.

Als bei mir alles soweit wieder zu funktionieren schien, fragte mein Hausarzt, ob ich mich nun gegen FSME impfen lassen würde. Ich konnte eigentlich nur, wohlüberlegt, diese Frage mit einem Ja beantworten. Nun, nach zwei Jahren, ist der Titer im Blut immer noch hoch, also keine Impfung nötig. Doch den werde ich weiterhin im Auge behalten und bei einem entsprechenden Absinken mich einer Impfung unterziehen.

Absichtlich habe ich nebeneinander gestellt zwei Schicksale, am eigenen Leibe erlebt.

Zum einen das Schicksal unserer zu 100% geistig behinderten Tochter, verursacht mit höchster Wahrscheinlichkeit durch die Pocken-Impfung. Ein sehr einschneidendes Schicksal, dessen Schwere nur derjenige ermessen kann, der es lebenslang zu tragen hat.

Zum anderen ein Schicksal, das mit höchster Gefährdungsintensität hätte ein lebenslanges Siechtum auslösen können, eskaliert wegen einer unterlassenen Impfung.

Keinem könnte ich, nach den durchlebten eigenen Erfahrungen, grundsätzlich dazu raten, sich nicht impfen zu lassen.

Man muss, so denke ich, die Sache differenzierter angehen. Wie bereits beschrieben, werden allzu oft die Erfahrungen von Impfgegnern und -befürwortern sehr emotional ausgetauscht. Ärzte arbeiten oft mit dem Mittel der Angst.

Andererseits muss man eben auch zur Kenntnis nehmen, dass in Deutschland die Impfpflicht abgeschafft wurde. Bei uns herrschen freiheitliche Verhältnisse, wie in keinem anderen europäischen Land. In Italien kann den Eltern zeitweise von Seiten des Staates das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen werden, wenn sie sich weigern, ihr Kind impfen zu lassen. Eine Impfung wird dann durch die Staatsgewalt durchgesetzt. Von anderen Mitgliedstaaten der EU wird Deutschland argwöhnisch betrachtet wegen seines laschen Impfverhaltens.

Beim Impfen ist ein nüchternes Abwägen nötig. Wir in Deutschland haben das Privileg, frei entscheiden zu können. Dies ist ein sehr hohes Gut. Dennoch wird das Impfen in Deutschland von großen Teilen der Bevölkerung irgendwo als selbstverständliche Notwendigkeit angesehen. Es sollte durchaus kritisch hinterfragt werden (6).

Mit obigem Beispiel der FSME-Infektion sollte gezeigt werden, dass im Falle des Nicht-Impfens ebenfalls sehr hohe Risiken drohen.

Zunächst soll dargestellt werden, was das Impfen, das ist ja ein Immunisieren, aus anthroposophischer Perspektive bedeutet, welche Gefahren und Risiken für die persönliche Entwicklung und Gesundheit dadurch u.U. entstehen können.

Dazu schreibt Professor Dr. med. Volker Fintelmann in seinem Buch: "Intuitive Medizin" (3):

>>Bei den überwiegend gutartigen, zur Spontanheilung neigenden Erkrankungen wird wegen der seltenen, z.T. sicher auch schweren Komplikationen jedem Menschen durch die Impfung eine Entwicklungsmöglichkeit genommen, die ein Beitrag zu seiner Individualisierung ist. Dieser Eingriff in die freie Entwicklung des einzelnen Menschen ist so schwerwiegend, dass er gar nicht anders bezeichnet werden kann als eine umfassende Manipulation der Menschen. Dahinter steht vordergründig das heute so übliche Versicherungsdenken, das sich in der Fülle und Größe eindrucksvoller Versicherungsbauten einen äußeren Ausdruck verschafft. Gegen was nicht alles meint der Mensch, sich versichern zu müssen. Und natürlich kann ein solches Denken rasch auf Krankheiten übertragen werden. Wie schön wäre es scheinbar, sich auch gegenüber jeder Krankheit so versichern zu können, dass sie nie einträte. Eine solche Versicherung ist die Impfung.

Es soll hier nicht generell die Frage der Impfung diskutiert werden, sondern die Frage der Impfungen speziell gegen die Kinderkrankheiten. Um eine besondere Brisanz aus dem Thema zu nehmen, sei extra darauf aufmerksam gemacht, dass die Kinderlähmung nicht zu den speziellen Kinderkrankheiten zählt.

Die Impfungen gegen die Kinderkrankheiten, denen in dem vorhergehenden Kapitel ein ganz besonderer Sinn zugewiesen wurde, müssen aber in Frage gestellt werden. Es wurde bereits darauf aufmerksam gemacht, dass eine Krankheit auch eine biographische Zeitgestalt hat, dass sie also zu einem für das Individuum geeigneten Zeitpunkt eintreten muss.

Bei den aktiven Schutzimpfungen trifft aber diese Krankheit auf einen darauf völlig unvorbereiteten Organismus, der den Zeitpunkt seiner Krankheit noch nicht mitbestimmen konnte und insofern überrumpelt wird. Ein solcher Vorgang führt nach den Forschungen Steiners zu einer starken Bindung der Individualität an den Leib, im besonderen an den Erbleib. Schaut man auf die Hintergründe - was jetzt durchaus spirituell gemeint ist - der scheinbaren Beglückung durch das Impfwesen, so steht dahinter der Versuch, den Menschen an die Erbbedingungen zu binden und eine freie Entwicklung zu verhindern.<<

R. Steiner wurde von Ärzten zu seiner Zeit auf die damals noch relativ neue Pockenschutz-Impfung und ihre Auswirkungen auf das Kind und Individuum angesprochen. Seine Antwort ließ keinen Zweifel offen, dass mit dieser Impfung stark in die freie Entwicklung des Menschen eingegriffen würde. Sie verhindere eine spätere spirituelle Entwicklung des Menschen, was auch dahingehend interpretiert werden kann, dass sie den Menschen an die Materie und die materialistische Gesinnung binde. Leiblich gesprochen bedeutet dies wiederum übermäßige Sklerosetendenz, Verhärtung.

Die heutige Medizin hat sich aus Unkenntnis dieser Tatsache an vielen Stellen ganz in den Dienst einer Geisteshaltung gestellt, die eine freiheitliche Entwicklung des Menschen negiert.

Unter Prävention und Krankheitsprophylaxe wird heute nahezu an erster Stelle das Impfen gesehen.

Hier liegen dieselben Verhältnisse vor wie bei einer allopathischen Medikation: ein möglichst rascher Rückgang der Symptomatik besagt nichts über die Heilung. Ein "Erfolg", d.h. hier ein Rückgang einer Krankheit, ja sogar deren Ausrottung ist u.U. nur ein verhindertes Symptom und besagt ebenfalls noch nicht, dass damit auch die Hintergründe, die zu ihrem Auftreten führten, überwunden sind. Hier wie da kann es zu Rezidiven oder - was weit schwerer zu erkennen ist - zu Verdrängungen kommen. Diese stellen das größere Problem dar.

Überspitzt könnte man formulieren: Relativ harmlose Kinderkrankheiten, die der Entwicklung des Menschen dienen sollten, werden zwar verhindert, aber dadurch schwerste Krankheiten wie Karzinome vorbereitet.

>>Es ist eine Zeitnotwendigkeit, den Sinn von Krankheiten und ihr polares Verhalten zu erkennen.<< (Zitat Dr. med. Otto Wolff (4), S. 304) >>Verhinderungen von Krankheiten allein können ebenso wenig Maßstab für eine sinnvolle Maßnahme sein wie die Fiebersenkung bei einer Krankheit. Das Bestreben der Ausrottung von allen Krankheiten um jeden Preis entspringt der Auffassung der Krankheit als lästiger Betriebsstörung; diese kann für die Zukunft keine Basis sein. Solange in der Krankheit nicht ein tieferer Sinn gesehen wird, fehlt die entscheidende Grundlage für eine Beurteilung. Insbesondere gilt dies für die Kinderkrankheiten, die einen wahrhaft konstituierenden Faktor in der menschlichen Entwicklung darstellen. Dass ein gewisses Risiko besteht, soll nicht in Abrede gestellt werden. Gerade dieses ist jedoch gering, wenn der Krankheitsverlauf nicht unterdrückt, sondern sinnvoll unterstützt wird. Gewiss muss das Nutzen-Risiko-Verhältnis bezüglich der Impfung sorgfältig abgewogen werden, so jedoch auch der "Nutzen durch die Krankheit" und das Risiko, einen wesentlichen geistig-seelischen Entwicklungsschritt evtl. nicht vollziehen zu können.<<

Daher ist es so notwendig wie noch nie, dass Patienten und Eltern sich ein eigenes Urteil über alle Fragen der Gesundheit bilden - wie zum Beispiel über die Impfungen -, um sich dann selbst entscheiden zu können.

Ausführlich beschrieben finden sich Empfehlungen und Ratschläge zu dem Thema "Impfungen im Kindesalter" in der Broschüre des Vereins für Anthroposophisches Heilwesen e.V., verfasst von dem Pädiater Dr. med. K.-R. Kummer (5). Im folgenden sind sie sehr verkürzt wiedergegeben.

Impfung gegen Tetanus:

Tetanus, der Wundstarrkrampf, verläuft in den westlichen Ländern bei ca. 60% der Erkrankten tödlich. Die Impfung schützt sicher gegen die Erkrankung. Der Impfschutz wird sogar schneller aufgebaut, als ein Tetanus nach der Verletzung entstehen kann. Die Nebenwirkungen sind relativ gering.

Da der Impfschutz im Verlauf der Jahre abnimmt, sollte die Impfung nach etwa 10 Jahren wiederholt werden.

Die Impfung ist erst dann nötig, wenn sich das Kind verschmutzte Wunden zuziehen kann, in der Regel erst im Alter von 10 bis 12 Monaten.

Impfung gegen Diphtherie:

Diphtherie ist eine Erkrankung des Kindesalters, die von Rachen und Kehlkopf ihren Ausgang nimmt. Zwei Gefahren stehen im Vordergrund: Durch Verschwellen des Halses mit dichten Membranen kann es zum Ersticken kommen. Außerdem kann das Gift der Bakterien zu Herz- und Kreislaufversagen führen. Die Diphtherie ist heute bei uns sehr selten. Kaum ein Arzt kennt sie aus eigener Anschauung. Die schweren Verläufe beruhen meist darauf, dass zu spät wirksame Behandlungen ergriffen werden. Da diese Krankheit beinahe ausgestorben ist, leiden wir heute weniger unter den Krankheitsfolgen als vielmehr unter den Folgen der Schutzimpfung.

Wenn die Impfung erfolgt, wird sie meist mit 10 bis 12 Monaten in Kombination mit Tetanus verabreicht.

Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis):

Keuchhusten ist eine typische Kinderkrankheit, doch oft sind Erwachsene die Überträger. Außer bei kleinen Säuglingen und bei allgemein schlechter Abwehrsituation, ist der Keuchhusten selten gefährlich. Der lange Verlauf ist jedoch eine Anspannung für Eltern und Kind.

Keuchhusten ist nicht sehr infektiös, die Ansteckungsrate liegt bei etwa 30%. Lebensgefährlich ist er aber für Neugeborene und kleine Säuglinge. Der Impfschutz tritt erst nach der 3. Impfung, also nicht vor dem 6. Monat ein.

Wenn man im Keuchhusten als Kinderkrankheit keinen Sinn sieht, wird man versuchen, dagegen zu impfen. Andererseits gibt es viele Beobachtungen von Eltern und Ärzten, dass ein Kind durch die Pertussis-Krankheit wesentliche Fortschritte macht. Der Lungenbereich wird durchgestaltet, die Sprache wird häufig verbessert, gelegentlich kann Stottern verschwinden, auch kann ein bestehendes Asthma positiv beeinflusst werden.

Die Impfung schützt nur einige Jahre, außerdem erreicht sie die gefährdete Altersgruppe unter 3 Monaten nicht.

Impfung gegen Polio:

Früher war die Kinderlähmung eine häufige Krankheit, vor der viele Menschen zu Recht Angst hatten. Heute droht bei uns in den westlichen Ländern keine akute Gefahr einer Kinderlähmung mehr. Nur etwa 1% der Polio-Erkrankten erleidet eineLähmung. Infolge der Impfung ist Polio seit etwa 40 Jahren bei uns keine Volkskrankheit mehr. Die Impfung gegen die Kinderlähmung ist eine der wenigen Impfungen, die eine Krankheit bis auf Einzelfälle zum Verschwinden gebracht hat. Da bei uns keine akute Gefahr einer Kinderlähmung mehr droht, hat die Impfung das Ziel, den Anteil der Menschen mit Schutz gegen Kinderlähmung ausreichend hoch zu halten. Daher kann man die Impfung ohne Gefahr zu einem späteren Zeitpunkt, etwa nach dem 1. Geburtstag, durchführen. Nur bei einem Aufenthalt in Risikogebieten (Naher Osten, Tropen, Asien) ist ein individueller Schutz notwendig.

Impfung gegen Masern:

Früher galten die Masern als harmlose Kinderkrankheit, die zu durchlaufen ist. Sind die Masern überstanden, so hat das Kind einen lebenslangen Schutz erworben. Schaut man heute in ein Lehrbuch der Pädiatrie, so werden die Masern als gefährlich dargestellt. Die jetzige Impfpolitik verfolgt das Ziel, die Masern weltweit ganz auszurotten. Die deutsche Regierung hat sich gegenüber anderen europäischen Mitgliedsstaaten der EU verpflichtet, an der "Ausrottung" der Masern durch verstärkte Impfmaßnahmen mitzuarbeiten. Das erklärt die geplanten Zwangsimpfungen bei Masernepidemien. Die Impfung gegen Masern erzeugt keine lebenslange Feiung. Es muss nachgeimpft werden.

Fast jeder, der an Masern erkrankt, erwirbt einen lebenslangen Schutz, selbst der gegen Masern Geimpfte. Nach durchgemachter Masernerkrankung konnte Dr. Kummer nachweisen: die Kinder laufen besser, sprechen flüssiger und erhalten eine bessere Feinmotorik; ihr Blick wird klarer, sie machen einen deutlichen Entwicklungsschritt.

Impfung gegen Mumps:

Diese Viruserkrankung befällt vor allem den Drüsenorganismus, allerdings auch das ZNS. Besonders gefürchtet ist die Hodenentzündung bei einer Mumpserkrankung. Ähnliches wie für die Masernimpfung gilt auch für die Impfung gegen Mumps. Impfversager sind häufig. Die Impfung hält nur begrenzte Zeit, bis zu 6 Jahren, danach muss sie aufgefrischt werden. Zur Zeit ist Mumps im Vergleich zu den Masern selten.

Impfung gegen Röteln:

Die Röteln selbst sind eine fast immer harmlose Krankheit. Neben dem leichten Ausschlag kann es zu Gelenksentzündungen kommen. Gefürchtet ist die Röteln- Embryopathie. Wichtig ist, dass Schwangere einen sicheren Schutz haben, um Schäden des ungeborenen Kindes zu vermeiden. Die heutigen Impfmaßnahmen sollen, ähnlich wie bei den Masern, die Röteln ausrotten. Durchgemachte Röteln gewähren lebenslange Feiung, die Impfung nicht, sie muss aufgefrischt werden.

Optimal wäre, wenn Mädchen die Röteln vor einer möglichen Schwangerschaft durchgemacht hätten.

Impfung gegen Haemophilus-Influenzae (HIB):

Ab 1992 wurde diese Impfung sehr propagiert. Es geht um den Schutz von Säuglingen und Kleinkindern gegen eine bestimmte Form von eitriger Hirnhautentzündung. Gegen dieses Bakterium verfügen Kinder erst nach vollendetem 3. Lebensjahr über eine spezifische Abwehr. Die Gründe hierfür sind unklar. Die erwartete Wirkung der Impfung ist ausgeblieben. Zu wenig sind die Ursachen bekannt, warum ein bestimmtes Kind an einer eitrigen Meningitis erkrankt.

Impfung gegen Hepatitis B:

Seit 1995 wird in Deutschland die Impfung gegen Hepatitis B für alle Säuglinge mit 3 Monaten empfohlen. Das Argument dafür ist die hohe Zahl chronischer Verläufe dieser entzündlichen Virus-Leberentzündung. Bisher wurden nur Menschen geimpft, die ein besonderes Risiko hatten, an Hepatitis B zu erkranken: Angehörige medizinischer Berufe, Menschen mit Drogenkontakt, Prostituierte oder Sozialarbeiter.

BCG - Impfung:

Die BCG-Impfung gegen Tuberkulose wurde bis vor 20 Jahren bei fast allen Neugeborenen durchgeführt. Ob die BCG-Impfung an der Verminderung der Tuberkulose einen Anteil hat, wird unterschiedlich beurteilt. Am Beispiel unseres Nachbarlandes Frankreich zeigt sich, dass die Pflicht zur BCG-Impfung aller Kinder, wie sie dort gilt, keine Vorteile bringt. In Deutschland ist diese Impfung aufgegeben worden.

Zu den Impfungen und deren möglichen Folgen für die Gesundheit, schreibt der Kinderarzt Dr. Kummer in der sehr interessanten Broschüre "Impfungen im Kindesalter" (5):

>>Nach den geltenden Empfehlungen soll ein Kind bis zum 12. Lebensjahr insgesamt nicht weniger als 35 verschiedene Impfungen gegen 8 verschiedene Krankheiten erhalten. Bereits mit 3 Monaten, bei der Vorsorgeuntersuchung, soll das Impfprogramm starten, und der Säugling soll zwei Injektionen mit Kombinationsimpfstoffen gegen 6 Krankheiten erhalten. Das wiederholt sich mit 4 Monaten und zum dritten Mal mit 5 Monaten.

Auf der anderen Seite hat sich der allgemeine Gesundheitszustand der Kinder in den letzten Jahren verschlechtert. Wir sind bald ein Volk von Allergikern; Haltungsschäden, Zappeligkeit und Konzentrationsstörungen haben zugenommen, die Leistungsfähigkeit und die Infektabwehr haben abgenommen.

Zunächst ist ein Mißverständnis auszuräumen: Bei den Bedenken gegen die gegenwärtige Impfpraxis geht es nicht in erster Linie um direkte Folgen der Impfungen. Notwendig ist es, die ganze Problematik umfassend zu betrachten. Wie häufig in der Medizin, verlässt man sich darauf, dass man keine sichtbaren Folgen sieht. Aber man rechnet in relativ kurzen Zeiträumen; bei nur wenigen Untersuchungen verfolgt man die Kinder länger als 5 Jahre. Doch muß man den ganzen Lebenslauf des Menschen berücksichtigen.

Zur Zeit werden lebenslange Impfprogramme mit noch unklaren Folgen gefordert. So geht man davon aus, dass die Masern in den nächsten Jahren ausgerottet sind. Nach bisherigen Erfahrungen scheint das aber nur bei bestimmten Krankheiten wie der Polio möglich zu sein.

Es wurde erwähnt, dass bei den Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln keine Auffrischung durch eine Nachimpfung möglich ist. So haben Impfungen dazu geführt, dass große Teile der Bevölkerung in den USA keinen Schutz mehr gegen Röteln oder Masern haben. Damit besteht die Gefahr, dass man die Krankheit im späteren Lebensalter bekommt, wenn sie weitaus gefährlicher verläuft als in der Kindheit. Werden Masern, Mumps und Röteln jedoch durchgemacht, dauert die Immunität gegen diese Krankheiten praktisch lebenslang an.

Fraglich bleibt, ob nicht an die Stelle einer durch Impfungen ausgerotteten Krankheit eine andere treten kann. Das Beispiel der HIB-Impfung weist in diese Richtung.

Es ist zu befürchten, dass ein Überanstrengen des Organismus zum Beispiel durch Massen-Impfungen ohne gleichzeitige Verbesserung der Regenerationskräfte in der Zukunft katastrophale Folgen haben wird. Der starke Anstieg der Allergien in den letzten 30 Jahren ist vielleicht nur ein erstes Anzeichen zukünftiger Probleme. Der Impfstoff wird mit Bestandteilen wie Konservierungsmitteln oder Quecksilberzusätzen meistens in die Muskulatur gespritzt. Diese Regionen sind sonst vor Infektionen geschützt. Zugunsten des Impfschutzes wird der normale Schutzwall des Organismus, wie zum Beispiel die Mandeln, umgangen. Langfristige Folgen für das Immunsystem sind daher möglich. So tritt eine Neurodermitis oftmals nach einer Impfung erstmals in Erscheinung.<<

Auch gibt es über den "richtigen" oder optimalen Zeitpunkt der Impfung keine gesicherten Erkenntnisse. Mit 3 Monaten ist die eigene Immunität eines Säuglings erst im Aufbau. Ob spätere Impfungen günstiger sind, ist nicht bekannt.

Literaturangaben:
(1) Coulter, Harris L.: Impfungen der Großangriff auf Gehirn und Seele. 1. Aufl. München: F. Hirthammer Verlag GmbH, 1993
(2) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008
(3) Fintelmann, Volker: Intuitive Medizin. 1. Aufl. Stuttgart: Hippokrates Verlag GmbH, 1987
(4) Husemann / Wolff: Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst - Band II und III. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben GmbH, 1986
(5) Kummer, Karl-Reinhard: Impfungen im Kindesalter. 1. Aufl. Bad Liebenzell: Verein für Anthroposophisches Heilwesen, Heftreihe: Aktuelle Themen; Heft 2, 1998
(6) Goebel, W.; Glöckler M.: Kindersprechstunde. 5. Aufl. Stuttgart: Verlag Urachhaus, 1986

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

Abb. 1. Impfungen pro und contra

8. Salutogenese - Eigenregulation

Dem Wortsinn nach bedeutet "Salutogenese" soviel wie "Ursprung der Gesundheit". Die konventionelle Medizin ist von dem Paradigma der Pathogenese geprägt. Im Fokus dieser etablierten Medizin stehen alle potentiellen Vorgänge die Krankheit entstehen lassen (Erreger, schlechte Ernährung, physische und psychische Traumen, Genussgifte, Toxine etc.). Man macht die Krankheitsursache aus und therapiert die Symptome. Ganz im Gegensatz dazu richtet die Denkschule der Salutogenese ihr Augenmerk auf die Vorgänge und Voraussetzungen die Gesundheit schaffen.

Das Modell der Salutogenese wurde von dem Medizin-Soziologen Aaaron Antonovsky (1923 - 1994) entwickelt.

Antonovsky hat hauptsächlich darüber geforscht, warum Menschen gesund bleiben, selbst unter widrigsten Umständen.

Antonovsky hat Untersuchungen und Befragungen vorgenommen mit Menschen, die in Konzentrationslagern neben Tausenden von Sterbenden die Strapazen überlebt haben, und die zum Teil erstaunlicherweise noch eine gute Gesundheit aufwiesen und teilweise ein erstaunlich hohes Alter erreichten. Heutige sozialmedizinische Studien gehen oft davon aus, dass Menschen einer sozial gehobenen Schicht, was Einkommen, Bildung, Status usw. anbelangt, eine höhere Lebenserwartung haben, da sie sich alle möglichen Unannehmlichkeiten vom Halse halten können. Dieser Standpunkt scheint fragwürdig vor dem Hintergrund der Forschungsergebnisse Antonovskys.

Antonovsky sah nicht die Polarität von Gesundheit und Krankheit. Nicht gesund oder krank war für ihn die Frage. Kein Mensch kann die absolute Gesundheit erreichen, keiner ist nur krank. Jeder Mensch, auch wenn er sich als gesund erlebt, hat auch pathologische Anteile in sich. Solange Menschen am Leben sind, sind auch noch Teile von ihnen gesund.

Es stellt sich die Frage, wie nahe ist einer der Gesundheit, oder wie weit ist er entfernt davon - nicht, ist er gesund oder ist er krank.

Warum bleibt ein Individuum gesund, selbst unter den widrigsten Umständen, während andere schnell erkranken und sterben?

Da gibt es eine individuelle emotionale Grundhaltung, die bestimmt, wie gut Menschen in der Lage sind, vorhandene Ressourcen zum Erhalt ihrer Gesundheit zu nutzen. Je ausgeprägter das "Kohärenzgefühl" einer Person ist, desto gesünder ist sie bzw. desto wahrscheinlicher ist oder bleibt sie gesund.

Antonovsky beschreibt das Kohärenzgefühl, als:

eine grundlegende Lebenseinstellung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß jemand ein alles durchdringendes, überdauerndes und zugleich dynamisches Gefühl der Zuversicht hat, dass seine innere und äußere Erfahrenswelt vorhersehbar ist und eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich die Angelegenheiten so gut entwickeln, wie man vernünftigerweise erwarten kann.

Antonovsky definiert das Kohärenzgefühl, die Grundhaltung, wie die Welt erlebt wird, nach drei Faktoren:

a) nach dem Gefühl der Verstehbarkeit:

Fähigkeit des Menschen, erlebte Informationen verarbeiten zu können.

b) nach dem Gefühl der Handhabbarkeit, nach der Einschätzung der Bewältigbarkeit:

Überzeugung des Menschen, dass er genügend Fähigkeiten hat, den Anforderungen zu begegnen.

c) nach dem Gefühl der Sinnhaftigkeit:

Das Gefühl, dass wenigstens einige der vom Leben gestellten Probleme es wert sind, dass man sie meistert - eher als Herausforderung denn als Last und Qual.

Ohne eine Sinnhaftigkeit zu erkennen, neigt der Mensch dazu, das Leben als Last zu empfinden, die Überwindung als Qual.

Ein stark ausgeprägtes Kohärenzgefühl führt dazu, dass der Mensch Herausforderungen annimmt und daran wächst.

Ob sich ein starkes oder schwaches Kohärenzgefühl im Laufe des Lebens herausbildet, hängt von den gesellschaftlichen Gegebenheiten ab, insbesondere von der Verfügbarkeit generalisierter Widerstandsressourcen, die ein starkes Kohärenzempfinden entstehen lassen.

Während sich das Kohärenzgefühl in der Adoleszenz noch umfassend verändern kann, ist es ab etwa dem 30. Lebensjahr ausgebildet und relativ stabil.

Gesundbleiben hängt also nicht nur ab von der Hygiene, der Meidung eines virulenten Umfeldes; dies ist die eine Seite. Gesundheit hängt auch ab von der inneren Einstellung des Menschen zu den Problemen, die sich ihm in den Weg stellen.

Im Gegensatz zu der heute nahezu allein gültigen, von der Wissenschafts-Medizin verfochtenen Ansicht der Pathogenese, verfolgt das salutogenetische Modell die Seite des Gesundbleibens, des Heilbleibens, zeigt auf die Faktoren, die die Gesundheit schützen.

Daneben zu stellen wäre nun noch die Selbst- undEigenregulation, die erfolgt über rhythmische Prozesse. Steiner hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Quelle der Gesundheit aus dem Rhythmischen System kommt, dass die Mitte heilt. Dass durch eine Unterstützung rhythmischer Prozesse Gesundheit bewahrt bzw. neu erworben werden kann.

Steiner hat in seinem Vortrag vom 11.2.1923 (GA 221): "Erdenwissen und Himmelserkenntnis" folgendes ausgeführt:

>>Das Heilen besteht eben darin, dass man dasjenige, was im Organismus als ursprüngliche Heilkraft schon vorhanden ist, durch äußere Mittel unterstützt.<< Zitatende.

Zu diesen Darstellungen soll betrachtet werden die Bedeutung rhythmischer Prozesse in der anthroposophischen Therapie:

8.1 Eigenregulation durch rhythmische Prozesse

Seit Urzeiten hatte der Mensch immer schon die Gestirne und Planeten im Auge. Er versuchte, mit ihnen im Einklang zu leben. Tag und Nacht, die Jahreszeiten, nach denen musste er sich richten. Die Menschheit blickt auf eine Entwicklung von Tausenden von Jahren zurück. Schon immer wurden Rhythmen gepflegt, die Menschheit folgte diesen wie einem Gebot. Bis vor etwa 120 Jahren noch, bevor die großen Städte elektrifiziert wurden, blieb dem Menschen nichts anderes übrig, als mit den Hühnern ins Bett zu gehen und bei Tagesanbruch des Morgens sehr früh wieder aufzustehen. Unser Alltag war mehr oder weniger bestimmt von dem Rhythmus des Kirchengeläuts - morgens früh Andacht, Gebetsstunde, Mittagszeit, Nachmittagszeit, Abendgebet etc. Keiner scherte aus. Es war Sitte, um dieselbe Zeit, möglichst gemeinsam, zu Mittag zu essen. Das heißt, alle Menschen hatten mehr oder weniger einen gemeinsamen Lebensrhythmus. Jahresfeste wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten wurden quasi von allen gefeiert und erlebt. Wenn man heute schaut, da ist nicht mehr viel davon übrig geblieben. Heute gibt es Menschen, die klagen vor Gericht gegen das Kirchturmgeläut. An Weihnachten und Ostern fährt man möglichst weit weg, da ist es wärmer - an Pfingsten anderswohin, man weiß gar nicht mehr, was Pfingsten soll. Der Mensch hatte bis vor kurzer Zeit noch in den Rhythmen ein Gerüst, eine ständige Orientierung. "Im Rhythmus liegt Kraft!" sagten die Alten. Heute ist dies alles aufgelöst. Heute kann man die Nacht zum Tag machen und umgekehrt; man geht erst nach 23 h außer Haus, kann Essen einnehmen morgens um 2 und schläft dann bis um 11. Der moderne Mensch hat sich völlig emanzipiert von Rhythmen, die von Natur aus vorgegeben sind.

Rudolf Steiner hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die Gesundheit des Menschen auf drei Säulen ruht. Rhythmus, Wärme und die frei fließende Lebensenergie, das Ätherische, wie wir sagen. Die Wärme wird von dem modernen Menschen fast genauso malträtiert und ignoriert wie die Notwendigkeit der Rhythmen. Betrachtet man Völker des Fernen Ostens oder Afrikas, sie müssen nicht mal besonders archaisch leben, so sieht man sofort, dass sie, trotz der Hitze am Tag, jahraus, jahrein verhüllt und relativ warm bekleidet sind. Es wurde in vorhergehenden Kapiteln schon mehrfach auf die Bedeutung der Wärme und der Rhythmen hingewiesen.

Fundamental ist in einer anthroposophisch ausgerichteten Heilkunde, dass das Ich, das ist unser Persönlichkeitskern, nur über die Wärme gestaltend und reparativ eingreifen kann. Deswegen spielt bei der Tumorbehandlung die wärmebildende Mistel eine so große Rolle. Wir haben heute Antibiotika, Antipyretika und Corticoide, damit können wir jeden vielleicht wichtigen Wärmeimpuls in Form eines Fiebers zurückweisen.

Doch zurück zum Thema, zu den Rhythmen. Im menschlichen Organismus gibt es Rhythmen von einhundertstel bis eintausendstel Sekunden im Bereich der Nervenaktionen. Bei dem Flimmerepithel der Schleimhäute, bei der Gehirntätigkeit walten Rhythmen von einer zehntel Sekunde. Beim Herzschlag Rhythmen von etwa einer Sekunde. Der Unterschied von Takt zu Rhythmus: ersterer ist zwingend gleich, maschinenhaft; der zweite ist freilassend und modulierbar, nicht exakt. Bei Peristaltik, Atmung, Motorik haben wir messbare Rhythmen im Minutentakt; bei der glatten Muskulatur, Sekretion etc. gelten solche im Stundentakt. Schlafen, Wachen, Speicherung und Ausscheidung vollziehen sich im Tag- und Nacht-Rhythmus. Dieser Rhythmus wird sehr häufig missachtet. Ob bei Schichtarbeit, Jet-lag bei Interkontinentalflügen oder bei "früher" Einkehr ( nachts um halbzwei) bei Mac Donald`s. Dann kennen wir den Wochenrhythmus, dieser ist oft nicht so präsent, bei Infektionskrankheiten werden wir jedoch immer wieder damit konfrontiert: eine Woche, zwei Wochen, oft 10 Tage, das sind 1 ½ Wochen. Wir sprechen bei der Regeneration, bei der Heilung von ein- oder zwei- wöchiger Dauer. Kuren wurden früher in ihrer Dauer in Wochen bemessen, heute nur noch in Tagen. Den Monden- oder Monatsrhythmus kennen wir am ehesten vom Zyklus der Frau. Die Erythrozyten haben eine Lebensdauer von etwa120 Tagen, das ist 1/3 Jahr. Dann kennen wir den Jahresrhythmus, nach dem bemessen wir das Menschenalter. Jeder kann sich unter einem 3-jährigen oder 12-jährigen Kind etwas vorstellen. Nach dem anthroposophischen Welt- und Menschenbild sind die Lebensjahrsiebente Meilensteine in der Entwicklung. Da spielen z.B. "durchgemachte" Kinderkrankheiten eine große Rolle. Wir sprechen von einem 7-Jahres-Rhythmus. Früher sagte man, die Zellmasse des ganzen Organismus würde sich in 7 Jahren erneuern. Und dann sprechen wir Anthroposophen noch von einem "platonischen Weltenjahr", das ist ein Zyklus, den unser Sonnensystem braucht, um den Tierkreis, den Zodiak, einmal zu durchlaufen, um am selben Frühlingspunkt wieder anzukommen. Dieser Durchlauf benötigt 25 920 Jahre. In 24 Stunden macht der Mensch auch 25 920 Atemzüge (18x60x24=25 920). So sagen wir, der Mensch sei mit all seinen Rhythmen kosmisch eingebunden. Das Verhältnis von Pulsschlag zu Atmung ist beim Gesunden 72: 18 = 4:1; das der Peristaltik des Magens zu der des Duodenums 1:4. So gibt es viele ganzzahlige Verhältnisse von Rhythmen im menschlichen Organismus. Der Puls /Atemquotient von 4:1 gibt in der anthroposophischen Therapierichtung Aufschluss über den Gesundheitszustand des Patienten. Da gibt es lange Untersuchungsreihen an gesunden und erkrankten Probanden, die dies bestätigen. Nach dem anthroposophischen Welt- und Menschenbild ist ein Mensch gesund, wenn er sich im Einklang mit der Natur und dem Kosmos befindet, Krankheit ist ein Herausfallen aus natürlichen und kosmischen Zusammenhängen. Kosmische Rhythmen und Beziehungen spielen in der anthroposophischen Therapierichtung eine sehr große Rolle, so hat darin die Therapie mit den 7 Planeten-Metallen einen sehr großen Stellenwert. Der moderne Mensch, wie schon erwähnt, misst diesen Beziehungen der Rhythmen keine Bedeutung mehr bei, deswegen sind die zivilisatorischen Erkrankungen so stark im Zunehmen. In den westlichen Nationen stehen die Herz- und Kreislauferkrankungen an erster Stelle als Todesursache. Kein Wunder, wenn eine ganze Population die Bedeutung von Rhythmen ignoriert. So ist die "Dreigliederungsidee" Rudolf Steiners mit Grundlage einer geeigneten Therapie für solche Krankheiten, bei denen die "gesunde Mitte" verloren ging.

Steiner beschreibt diese Dreigliedrigkeit des Organismus , bestehend aus Denken, Fühlen und Wollen. Dem Denken ist das Nerven-Sinnes-System zugeordnet. Dieses zeichnet sich durch abbauende oder auch verhärtende Prozesse aus. Pathologisch gesteigert finden sich diese Prozesse des Abbaus und der Verhärtung in der Krankheitstendenz der Sklerose. Fühlen hingegen ist Ausdruck des rhythmischen Systems, das durch die Atmung und das Herz repräsentiert wird. Es hat die Aufgabe, zwischen dem Nerven-Sinnes-System und dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-System auszugleichen. Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System, dem das Wollen zugeordnet ist, baut auf, ist aktiv und regelt Wachstums- und Vitalkräfte. Pathologisch gesteigert, über ein normales Maß hinaus, finden sich diese Prozesse des übermäßig Stoffwechselhaften im Krankheitsprozess der Entzündung. Steiner hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die Gesundheit, das Gleichgewicht, die Balance zwischen diesen beiden Polen, Sklerose und Entzündung, immer nur durch das Rhythmische System neu geschaffen und gefunden werden kann. Gesundheit ist nichts Statisches, sondern ein durch und durch dynamischer Prozess, der von Minute zu Minute neu eingependelt werden muss. Diesen Prozess vollzieht das Rhythmische System.

Fazit: Wenn wir Heilpraktiker die Selbstheilungskräfte im Patienten anregen wollen, so haben wir uns im Sinne der anthroposophischen Vorgehensweise nur an vornehmlich zwei Instanzen zu wenden: Wir wollen versuchen, ätherische (vegetative, Lebens-energetische und regenerative) und rhythmische Prozesse zu stärken, anzuregen und zu pflegen. Zu Hilfe kommen uns dabei im wesentlichen Substanzen aus dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich.

Wie wir im menschlichen Organismus eine Dreigliedrigkeit vorfinden, so auch bei der Pflanze. Da gibt es Pflanzen, die haben einen sehr stark oder sehr einseitig ausgeprägten Blatt- und Stengelbereich, d.h. rhythmischen Bereich. Nach der anthroposophischen Betrachtungsweise sind meist solche Pflanzen, die im Prozessualen Einseitigkeiten aufweisen, "heilpflanzenverdächtig". Zum Beispiel weist die Brennessel (Urtica dioica) die Einseitigkeit auf, dass sie nicht etwa ihre Blüte gewissermaßen als "Krönung" oben bereithält wie etwa die Calendula, noch schön dazu in Farbe. Bei der Brennessel ist die blattgrüne Blüte immer in rhythmischer Folge mit dem Blatt angeordnet, d.h. der Blütenprozess durchdringt den gesamten Blatt- und Stengelbereich - Blatt, Blüte, Blatt, Blüte, von unten bis oben. Dabei hat die Brennessel noch einen sehr hohen Eisengehalt, auch damit unterstreicht sie ihre Beziehung zum Rhythmischen System des Menschen, zum Blut. Wir können also bei der Brennessel von einer sehr rhythmischen Pflanze sprechen. Ganz ähnlich aufgebaut ist der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense), dieser bringt nicht mal mehr Blüten, auch keine Blätter hervor. Er ist über der Erde "nur Stengel", und das in einer außerordentlich rhythmischen Weise. Man stelle sich vor das geistige Auge die Farne. Eine Blattrippe in der Mitte und überaus fein und rhythmisch gezahnt und gefiedert das Blatt - nur Blatt. So sind auch Farne geeignet, rhythmische Prozesse anzuregen, etwa die Motilität von Magen und Darm. Man stelle sich vor die Königin der Nacht (Cactus grandiflorus), sie hat die unglaubliche Einseitigkeit in ihrem rhythmischen Bereich, sie hat keine Blätter, nur Stacheln, sie ist ein Kaktus. Sie hat nur einen Stengel, gedrungen, gestaut und livide. Und die Einseitigkeit in ihrem Blütenrhythmus - sie öffnet ihre Blüte (ca. 22 cm im Durchmesser!) mitten in der Nacht und verschließt sie vor dem Morgengrauen. Das war`s - nur für eine Nacht. Cactus wird verwendet in der Phytotherapie, in der Homöopathie und in der anthroposophischen Medizin, um das rhythmischste aller Organe, das Herz, zu therapieren. Es gibt nicht nur außerordentlich rhythmische Pflanzen, ähnliche Einseitigkeiten finden wir auch im Tierreich. So ist der Blutegel (Hirudo officinalis) das rhythmischste Tier, das ich kenne. Er dockt direkt an an der Blutbahn, um sich in rhythmischer Peristaltik vollzusaugen. Er verbessert die Hämodynamik. Die Vorstellung solcher Einseitigkeiten im Rhythmischen könnte noch endlos fortgesetzt werden. Näheres in meinem Buch "anthroposophische Naturheilpraxis" (1).

Wichtig ist zu erkennen, dass die Rhythmen gepflegt werden müssen, um Gesundheit zu erhalten und wiederzuerlangen. Dazu kommen, nach anthroposophischer Lesart, nicht nur rhythmische Pflanzen in Frage; alle möglichen rhythmischen Prozesse sind geeignet, das Rhythmische System, den Quell der Gesundheit, zu unterstützen. Beispielsweise pharmazeutisch-rhythmische Verfahren wie das Potenzieren, wie rhythmische Herstellverfahren der Firmen WELEDA und WALA. WELEDA und WALA haben spezielle Präparate, die rhythmische Prozesse unterstützen: das Cardiodoron von WELEDA bzw. Primula comp. von WALA wird eingesetzt bei Herz- Kreislauferkrankungen, bei Hypertonie wie auch bei Hypotonie. Es soll harmonisierend die gesunde Mitte herbeiführen, einen Beitrag dazu leisten, den Puls / Atemquotienten von 4:1 herbeizuführen. Das WELEDA-Präparat Digestodoron bzw. Aquilium comp. von WALA, Zubereitungen, die verschiedene Farne und Weiden beinhalten, sollen die Motilität des Verdauungstraktes, von Magen und Darm ausgleichend wieder herstellen - bei Obstipation, wie auch bei Diarrhoe. Rhythmische Massagen, wie sie die anthroposophische Therapierichtung anbietet, sollen Beitrag sein, das Rhythmische zu unterstützen, ebenso die Eurythmie, eine Bewegungskunst, die Rudolf Steiner entwickelt hat, die Heileurythmie, sie ist besonders im Krankheitsfalle anzuwenden.

Nicht vergessen werden sollte die aktive Bewegung, die rhythmische Prozesse im ganzen Körper anstößt, sehr wichtig in einer Zeit der Bewegungsarmut. Bewegungsarten, die durch Rhythmen unterlegt sind, wie etwa Tanzen - nicht etwa zu getakteter Techno-Musik, viel eher zu dem Rhythmus eines Walzers, der auch ein Hüpfen der Seele zulässt. Auch im Bereich der Seele haben Rhythmen ihre Bedeutung. Im Zeitalter der Coolness versucht jeder, Emotionen zu verbergen und zu unterdrücken, um cool zu sein. Der Mensch soll leben im Spannungsfeld von Freude und Trauer, er muss ein "himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt" sein zulassen, um gesund zu bleiben.

In der Erforschung der Salutogenese, also der Frage: "Was erhält den Menschen gesund?", ist man auf völlig unerwartete Ergebnisse gestoßen: Die Elimination einzelner isolierter Risikofaktoren trägt nicht zur Vermeidung von Erkrankungen allgemein bei. Dies zumindest lange nicht in dem Ausmaß, wie es eine möglichst selbstbestimmte und selbstbewusste Lebensführung im Einklang mit der Schöpfung tut (schöpferische Pausen im Rahmen eines von Rhythmen geprägten Lebens). Damit ist eine im weitesten Sinne religiöse Lebenshaltung gemeint ("Kohärenzgefühl").

Abb. 1 Struktur der Gesundheit - entnommen aus (3)

Grossarth-Maticek hat den Grad der Fähigkeit zur Selbstregulation auf einer Skala von 1-6 bewertet. Mit 6 wurden diejenigen bewertet, die mit jeder Situation in ihrem Leben, ohne ernsthaft krank zu werden, fertig geworden sind, die ihrem Leben Sinn geben können, die konfliktfähig sind, die aus eigenem Wollen Nähe und Distanz zum anderen Menschen herstellen können, die für ihre Aktivität nicht abhängig sind von der Zustimmung und Ablehnung anderer, die viel Arbeit bewältigen, aber diese mit Pausen auszugleichen verstehen. Wer sich also Ausgleich gönnt zum beruflichen Alltag, und dadurch immer wieder Abstand zu diesem schaffen kann, wer interessiert ist an d er Welt und gerne von ihr lernt, wer religiöse Bindungen und Empfindungen hat, wer über das alles verfügt, gehört in die Gruppe 6.,so Zitat von Dr. J. Schürholz aus (3)(4).

Sowohl Allopathie als auch Homöopathie orientieren sich an Krankheitssymptomen. Der allopathische Ansatz versucht, diese zu unterdrücken; in der Homöopathie werden die Mittel nach dem Arzneimttelbild, d.h. Symptomen, die ein Arzneimittel beim Gesunden auslöst, ausgewählt. Unter salutogenetischen Gesichtspunkten gegebene anthroposophische Mittel hingegen sollen jene Prozesse der Selbstregulation anregen, die auch im gesunden Organismus wirksam sind (2). Allerbestes Beispiel für ein solch salutogenetisches Vorgehen sind die von Rudolf Steiner gegebenen "Typenmittel". Sie stellen in der Medizin einen ganz neuartigen Ansatz dar. In diesem Zusammenhang sind zu nennen Präparate wie Cardiodoron, Hepatodoron, Choleodoron, Kephalodoron etc. Sie stärken allesamt gesunde ausgleichende Lebensfunktionen um so den Patienten in Gesundheit zu halten oder ihn dieser wieder zuzuführen.

Literaturangaben:

  1. Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008
  2. Meyer, Frank. Besser Leben durch Selbstregulation. 1. Aufl. Frankfurt. Info 3-Verlagsgesellschaft; 2008
  3. Schwerdtfeger, H.D.: Rationelle Paradontaltherapie. 1. Aufl. Stuttgart. Hippokrates Verlag GmbH; 2005
  4. Grossarth-Maticek, R.: Systemische Epideiologie und präventive Verhaltensmedizin chronischer Erkrankungen. 1. Aufl. Berlin; 1999

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

teil viii sandwellen

Abb. 2 Rhythmische Wellen im Sand (www.nebas.de/Ajax/Gallery/Sandwellen-gr.jpg)

9. Regulationsstörungen durch Herdbelastungen

Wenn bei der Behandlungchronischer Erkrankungen die gewohnten Erfolge auf sich warten lassen bzw. ganz ausbleiben, so ist immer an eventuelle Herdbelastungen oder sonstige Störfaktoren zu denken. Wenn Schmerzen, Schwindelgefühl, Kreislaufstörungen, neurologische Störungen, allergiforme Beschwerden, tetaniforme Erscheinungen einer Therapie nicht weichen, dann kommt ein ganzheitlich arbeitender Therapeut nicht umhin, das Herd- und Störfaktorgeschehen in seine Diagnostik wie Therapie mit einzubeziehen.

Der Praktiker, der mit Homöopathie, Akupunktur, Phytotherapie oder anthroposophischer Heilkunde keine Heilung oder nur eine vorübergehende Besserung erreicht, sieht sich genötigt, sich mit dem Herdproblem auseinanderzusetzen.

Da gibt es endogene Faktoren, die eine Regulationsstörung auslösen bzw. erhalten.

Dies sind:

a) Kopfherde
b) Zahn- und Kieferherde
c) Körperherde
b) Appendix, Gallenblase, Prostata, Nebenhöhlen, Ohr, Mastoid
c) Narben, Stiche, Traumata, Frakturen, Fremdkörper (Wurzelfüllungen, Implantate)
d) Restbelastung nicht vollständig ausgeheilter Krankheiten
e) z.B. Grippe, Scharlach, Masern, Keuchhusten, Tbc und Impfungen
f) Latente Darmerkrankungen
g) Dysbiose, Dysbakterie, Enteritis, Kolitis
h) Blockaden herrührend von der Wirbelsäule
i) Erbbelastungen

Des weiteren können exogene Faktoren eine Regulationsstörung auslösen bzw. erhalten, möglich sind:

a) akute Infektionen: Bakterien, Viren, Würmer, Pilze, Protozoen

b) physikalische Belastungen, elektrische und magnetische Felder; geopathische Belastungen, Mundströme, Mikrowellen (Rundfunk, TV, Mobiltelefon, DEKT-Telefon, Radar etc.)

c) chemische Belastungen, durch Haut- und Schleimhautkontakt: Amalgamfüllungen, Schmuck, Prothesen, Pessare, Spiralen, Metalle, Kunststoffe etc. - durch Nahrungsaufnahme:  Konservierungsmittel, chemisch aufbereitetes Trinkwasser, Insektizide, Pharmaka, Kontrazeptiva - durch Atemluft: Nikotin, CO2; Feinstäube, Emissionen, Formaldehyd

d) psychische Belastungen

e) Ernährung: Unverträglichkeit eines Grundnahrungsmittels (z.B. Sprue)

Im Pschyrembel steht unter Fokal- bzw. Herdinfektion:

"Durch Bakterien, insbesondere durch Streptokokken und deren Toxine verursachte sekundäre Erkrankung, die mit zeitlicher Latenz nach einer lokalen Infektion (häufig im HNO-Bereich und im Bereich der Zähne....) auftritt. Die Erreger und Toxine gelangen durch septische Metastasierung bzw. schubweise Ausschüttung aus dem primären Fokus über den Blutkreislauf zu entfernten Organen und verursachen dort entzündliche bzw. allergische Krankheitsprozesse......"

Unter Fokus steht im Pschyrembel: "Herd, Sitz eines lokalen Krankheitsprozesses, der über die direkte Umgebung hinaus pathologische Fernwirkungen auslösen kann...." So beschreibt dies das offizielle medizinische Lexikon.

Wenn man dies so liest, dann müsste eigentlich klar sein, dass man dieses Thema nicht ausklammern kann.

Pischinger und Perger, jedem Therapeuten bekannt, sie hatten das System der Grundregulation entdeckt und beschrieben (1). Demnach werden in der Matrix die Lebensgrundfunktionen, nämlich der Wasser-, der Säure-Basen-, der Sauerstoff- und der Elektrolythaushalt gesteuert. Das Grundregulationssytsem regelt weitgehend die Intensität der Immunantwort und damit die Verlaufsform der Reizbeantwortung; d.h., ob die Abwehr in Form einer akuten, subakuten, chronisch progredienten oder konsumierenden Reaktion abläuft. Ein Fokalherd ist eine Regulationsstarre, lokal begrenzt.

Die "Deutsche Medizinische Arbeitsgemeinschaft für Herd- und Regulationsforschung e.V." (DAH) - das sind die Spezialisten - definiert das Herdgeschehen folgendermaßen:

Ein Herd ist diejenige krankhafte lokale Veränderung in weichem Bindegewebe mit noch nicht abbaufähigem Material, mit der sich die lokalen Abwehrreaktionen in ständiger aktiver Auseinandersetzung befinden. Erst mit dem Zusammenbruch der lokalen Abwehrschranke durch endogene oder exogene Faktoren beginnt die Fernwirkung des Fokus auf den Organismus und damit die allgemeine Herderkrankung. Herdwirksame Gewebsveränderungen bakterieller oder abakterieller Natur reichen in das Grundgewebe hinein und erzeugen einen Dauerreiz, der die Grundfunktionen mehr oder weniger schwerwiegend verändert, nämlich durch:

  1. Herabsetzung der Reizschwelle
  2. Änderung der Reaktionsweise
  3. Einschränkung der Reagibilität
  4. Einschränkung der O2- Utilisation
  5. Änderung der ungesättigten Bindungen im Blut und in der Gewebsflüssigkeit
  6. Seitendifferenzen - stärker belastete Seite zeigt Einschränkungen

Kurz zusammengefasst:

Ein Herd ist ein chronisch veränderter Gewebebezirk im lockeren Bindegewebe, aus organischem oder anorganischem Material, das nicht mehr abbaubar und nicht mehr über Nekrose oder Entzündung eliminierbar ist, ein Prozess von dem eine Fernwirkung ausgeht......

Dies soll zunächst genügen, soll aber auch zeigen, dass dieses Gebiet keineswegs ein Gebiet für Phantasten darstellt, sondern grundlegend erforscht ist.

Nach Auffassung des Verfassers könnte oftmals die Effizienz einer, in guter Absicht betriebenen, Misteltherapie gesteigert werden, wenn einer eventuellen Herdbelastung des Tumorpatienten mehr Beachtung geschenktwürde (2) - Seite 327.

Die anthroposophische Medizin kümmert sich in der Regel in sehr geringem Umfang bis gar nicht um das Herdgeschehen. Umso mehr können oder sollten wir Heilpraktiker dieses Ressort aufgreifen. Die Patienten kommen oft zu uns, nachdem sie von einem Facharzt zum andern gezogen sind, oft ohne Erfolg. Wenn das Problem schwer lösbar und knifflig ist, dann sollte der Heilpraktiker viel Zeit aufwenden und nach ganzheitlicher Manier alle Möglichkeiten abklopfen, die einer Heilung im Wege stehen.

Dies ist für den Heilpraktiker, wie auch für den Patienten sehr unbequem, wenn man diesem dazu rät, seine neue Zahnprothetik, die auf devitalen Zähnen ruht, auszutauschen. Oft hat diese den Patienten Tausende von Euro gekostet. Nun stellt sich aber eine permanente Unverträglichkeit ein. Es entstehen u.U. ganz neue Beschwerden, oder bisherige werden massiver. Ohne einen Arzt oder Zahnarzt, der einem in naturheilkundlicher Weise zuarbeitet, lässt sich eine solche Herddiagnostik und -sanierung gar nicht vornehmen.

Die Herde lassen sich nur in messender Weise ermitteln. Sie können nicht im Einzelnen ausgemacht werden über eine Wesensgliederdiagnostik. Natürlich wird ein solches Wissen um das Wirken der Wesensglieder ein gezielteres Vorgehen erlauben. Es gibt mehrere Testmethoden. Sehr bewährt hat sich die "Bioelektronische Funktionsdiagnostik" (BFD) mit den dazugehörigen Testmethoden, dem Regulationstest, dem Medikamententest, dem Reizstromtest, dem Decoderdermogramm in Verbindung mit dem Neuraltest und mit dem Elektrohauttest.

Sehr häufig sind Beherdungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich. Hier am Kopfpol, wo ohnehin schon Abbauprozesse vermehrt ablaufen, ist die Kunst der Reparatur-Medizin am weitesten verbreitet. Zahnplomben aus Amalgamen, Inlays, Kronen, Brücken etc. aus den vielfältigsten Legierungen, die metallurgisch nicht mal aufeinander abgestimmt sind, verursachen oft Unverträglichkeiten. Wurzelbehandlungen, zahnerhaltende Maßnahmen um jeden Preis, schaffen devitale Zähne en masse. Von den üblichen Relikten im Kiefer wie Knochensplitter u.a. ganz zu schweigen, das sind iatrogen geschaffene Fokalherde! Hier geht es nicht darum, pauschal gegen die Zahnärzte zu wettern; es soll zeigen, wie vertrauensvoll eine solche Zusammenarbeit vom Heilpraktiker zu dem biologisch arbeitenden Zahnarzt sein muß und auch wie schwierig es u.U. sein kann, einen solchen zu finden.

Im Anhang sind Adressen von Institutionen, die sich um das Herdgeschehen in Deutschland und auf internationaler Ebene bemühen. Regionale Adressen von Therapeuten sind dort zu erfragen.

Zahnherde stellen oft grobstoffliche Fremdkörper dar, die es gilt, grobstofflich zu beseitigen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Amalgamreste, Knochenreste, devitales, fokal streuendes Gewebe allein durch homöopathische Gaben saniert werden könnten. Da sind chirurgische Eingriffe und spezielle Ausleitungsverfahren, wie beispielsweise das nach Dr. med. Dietrich Klinghardt mit Chlorella; Koriander und DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure) oft unumgänglich (3).

Dr. med. dent. Helge Runte hat 1995 zu diesem Thema einen sehr bedeutsamen Vortrag gehalten bei der WELEDA-Ärzte-Tagung in Hannover. Dieser Vortrag ist abgedruckt und über die WELEDA- Korrespondenzblätter für Ärzte, Heft 142 April/ 1996 veröffentlicht (4). Darin wird erörtert, wie bei der chronischen Entzündung, so auch beim Herdgeschehen, die klassische Entzündungsfähigkeit mit Dolor, Rubor, Calor, Tumor praktisch zum Erliegen kommt. Wie die Wesensglieder, insbesondere das Ich, nicht mehr in der richtigen Weise über die Wärme eingreifen können, um die Dinge zu ordnen. Das Fieber bleibt aus , wir haben subfebrile Temperaturen. Auch der Astralleib ist nur eingeschränkt beteiligt, der Schmerz bleibt aus.

Dr. Runte wörtlich: Warum kommt es zu diesem Rückzug des Ich aus dem Geschehen?

a) Weil die "störenden" Strukturen (Fremdkörper) trotz Anstrengung des Organismus nicht aufgelöst werden konnten. Das Ich "resigniert", es erlahmt, weil eine wirkliche Heilung nicht möglich ist. Dies gilt zum Beispiel für Implantate, devitale Zähne, Metalleinlagerungen und so weiter.

b) Weil in andern Fällen das Ich von vornherein so schwach ausgebildet oder auch so stark geschwächt ist oder eine so geringe Affinität zum Stoffwechsel hat, dass eine akute fieberhafte, alles bereinigende Situation gar nicht erst zustande kommen konnte. Dies gilt z.B. für die Primär chronische Polyarthritis (PcP) oder das Karzinom, bei dem die geringe Neigung zur Fieberreaktion bekannt ist.

......An keinem anderen Ort im Körper gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten, dass ein Störfaktor oder Herd zur Wirkung bzw. Fernwirkung kommen kann, wie im Mundbereich. Wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb sich die Herddiagnostik so auffallend häufig in den Händen von Zahnärzten befindet.

Aber an keinem anderen Ort im Körper lassen sich Störungen auch so leicht beseitigen wie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich, weil sie leicht zugänglich und beeinflußbar sind. << Zitatende.

Es ist zu hoffen, dass aus dem Dargestellten die Wichtigkeit und die Notwendigkeit einer Herddiagnostik und einer Herdsanierung bei chronischen, auf der Stelle tretenden Beschwerden, hervorgeht und deutlich wird. Dass dies von einem Heilpraktiker nie im Alleingang bewerkstelligt werden kann, dass er Verbündete braucht, sollte auch deutlich gezeigt werden.

Bevor man die Gründe einer nicht zustande kommenden Heilung auf karmische Zusammenhänge zurückführt, sollte nichts unversucht bleiben. Sehr oft stehen endogene oder exogene Faktoren, wie oben angeführt, einer Heilung im Wege.

Wichtig für den Patienten ist, dass er von seinem Leiden befreit werden kann.

Anschriften von Institutionen die sich um das Herdgeschehen bemühen.

Regionale Einzeladressen von praktisch tätigen Spezialisten lassen sich dort erfragen.

Deutsche Medizinische Arbeitsgemeinschaft für Herd- und Regulationsforschung e.V.
Postfach 1380
68168 Wiesloch
Tel. 06222 / 9278-0 , Fax 06222 / 50215

Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche Zahnmedizin e.V.
Seckenheimer Hauptstr. 111
68239 Mannheim
Tel. 0621 / 4824300 ; Fax 0621 / 473949
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.gzm.org

BNZ- Bundesverband der naturheilkundlich tätigen Zahnärzte in Deutschland e.V.
Von-Groote-Str. 30
50968 Köln
Tel. 0221 / 3761005; Fax 0221 / 3761009
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.bnz.de

Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Hunneke e.V.
Am Promenadenplatz 1
72250 Freudenstadt
Tel. 07441 / 91858-0; Fax 07441 / 91858-22
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.neuraltherapie-online.de

Literaturangaben:
(1) Pischinger, Alfred: Das System der Grundregulation. 3. Aufl. Heidelberg: Karl F. Haug Verlag, 1980
(2) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008
(3) Mutter, Joachim: Amalgam - Risiko für die Menschheit. 1. Aufl. Weil der Stadt: Fit fürs Leben-Verlag, 2000
(4) Runte, Helge: Herd- und Störfaktorlehre - eine grundsätzliche Betrachtung. WELEDA-Korrespondenzblätter für Ärzte; Heft 142 / April 1996

 

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

10. Schlafstörungen

Im wachen Zustand stellt der Mensch ein ineinandergreifendes Gefüge der vier Wesensglieder dar. Diese Wesensglieder (physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und geistiges Wesensglied) wurden im Rahmen dieser Artikel-Serie in vorausgegangenen Folgen dargestellt.

Beim Schlaf sind Astralleib und Ich abgelöst vom Physischen Leib und vom Ätherleib. Beim Aufwachen finden diese gelösten Wesensglieder mehr oder weniger rasch wieder zueinander. Bei der Bewusstlosigkeit und beim Koma haben wir dieselbe Situation, lediglich eine andere Ursache. Meist ist diese pathologisch oder medikamentös herbeigeführt.

Beim Tod lösen sich die nicht physischen, übersinnlichen Wesensglieder, Ätherleib, Astralleib und Ich vom Physischen Leib. Dieser bleibt sich auflösend und allmählich zerfallend zurück.

"Der Schlaf als der kleinere Bruder des Todes!"

Abbildung 1: Wesensglieder

Es wurde mehrfach dargestellt, wie Ich und Astralleib eine abbauende Tätigkeit ausüben, vornehmlich abbauend an dem Todespol wirken, um dem Menschen ein waches Empfinden und Bewußtsein zu ermöglichen. Nur durch Abbau sind Bewusstsein und Denken möglich. Diese abbauenden Prozesse entfalten ihre Tätigkeit hauptsächlich im Sinnes-Nerven-Pol. Hier im Zentralnervensystem sind auffallend wenige bis gar keine regenerativen Prozesse. Hier waltet bewusste Wachheit.

Ganz anders im "unteren Menschen", da haben wir schlafende und schlummernde Sinnesdumpfheit, intensiven Aufbau und Regenerationsfähigkeit. Hier dominiert ätherisches, aufbauendes Wirken.

Löst sich im Schlaf der Astralleib samt Ich, so bleibt zurück, gewissermassen im Bette liegend, der vom Ätherleib durchdrungene Physische Leib. Bei Nacht, da haben wir regenerativen Aufbau, die Hochphase der Lebertätigkeit und ein Minimum an Galletätigkeit. Die abbauende Aktivität der Galle hat ihre Hochphase am Tage, wenn der Mensch am meisten wach ist.

Gesunder Schlaf, das weiß der Volksmund zu berichten, ist Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung und gute Gesundheit. Frisch erholt und regeneriert sollte der Mensch am frühen Morgen seinem Lager entsteigen.

Abbauende, stressende Faktoren sollten nicht mit in die Nacht genommen werden, da sie die so wichtigen Tiefschlafphasen stören bzw. erst gar nicht zustande kommen lassen.

Alles, was astral geprägt ist und wach macht, hindert den nötigen Ablöseprozess von Astralleib und Ich. Der Mensch erreicht die gewünschte Schlaftiefe nicht, bleibt halbwach, dösend bis hellwach, wenn er zuviel Kaffee oder andere Reizgifte wie Nikotin, Tee etc. genossen hat. Auch Kummer und Sorgen, geopathische Reizzonen können die Qualität des Schlafes beträchtlich stören. Dies alles sind Hemmnisse, die teilweise das Bewusstsein förmlich festhalten. Der Mensch sollte, um zur Ruhe zu kommen, loslassen können, ausatmen können.

Das Wachsein am Tag, der Schlaf in der Nacht, auch sie kommen einem rhythmischen Ein- und Ausatmen gleich. Sie sollten rhythmisch aufeinander folgen. Störungen des Schlaf-Rhythmus sind heute bei unserer modernen Lebensweise gang und gäbe. Nicht nur die Zeitverschiebungen bei interkontinentalen Flügen, nicht nur die Nacht-Schicht-Arbeit stört den Schlafrhythmus. Auch die unrhythmische Lebensweise vieler Zeitgenossen in der Freizeit trägt mit dazu bei, dass Schlafstörungen auftreten. Der Mensch macht die Nacht zum Tage und umgekehrt den Tag zur Nacht. Er isst zu Unzeiten. Oft ist der abgefallene Blutzuckerspiegel mit beteiligt am Aufwachen.

In den Phasen des Tiefschlafes hat der Mensch die Chance, nahe an den gesundheitsfördernden Puls-Atem-Quotient Q = P/A = 4 : 1 heranzukommen. Klinische Studien und Untersuchungen an einer großen Anzahl von Patienten wie an gesunden Probanden ergaben, dass der Gesunde im Tiefschlaf sehr nahe an das Verhältnis von Pulsschlag zu Atemzug pro Minute von 4 : 1 herankommt; der Kranke bzw. der funktionell Gestörte hat viel größere Abweichungen. Bei P / A = 72 : 18 = 4 : 1 ist der Mensch "mit dem Kosmos im Einklang". Bei 18 Atemzügen pro Minute ist die Zahl der Atemzüge an einem Tag, d.h. in 24 Stunden:

18 x 60 x 24 = 25 920. Diese 25 920 stehen für eine kosmische Größe. Unser Sonnensystem benötigt 25 920 Jahre, um den Tierkreis einmal zu durchlaufen, um am selben "Frühlingspunkt" wieder anzukommen. Die Weisen des Altertums bezeichneten diesen Zeitraum als das sogenannte "Platonische Weltenjahr".

Dieses Beispiel soll zeigen, wie sehr der Mensch im Schlaf, wenn der Astralleib in die "Sphären der Fixsterne" geht ( so Rudolf Steiner), wie nahe er an solch kosmische Zusammenhänge herankommt. Dies ist wichtig für seine Gesundheit. Bei der Schilderung der kosmischen Zusammenhänge wird dargestellt, wie Bilde- und Formkräfte aus den Sphären der Planeten und der Fixsterne kommend auf unser irdisches Leben wirken (1).

Im Wachen und Schlafen begegnen uns die Polaritäten von astralem Abbau und ätherischem Aufbau.

Tagsüber, da sind in unserer modernen, hektisch lebenden Welt mannigfache Sinneseindrücke und -Reize, die auf den Menschen einstürmen. Teilweise muss er sich dagegen wehren, dass er nicht den Boden unter den Füßen verliert. Das ist Abbau pur! Der Mensch, ob jung, ob alt, ist mehr und mehr Sinnes-Nerven-Mensch als Bewegungsmensch.

Berufswelt, Medien, Schule, aber auch Freizeit etc. fordern den Menschen einseitig in seinem Sinnes-Nerven-Pol. Er ist mittlerweile "Kopfmensch" geworden. Oft ist es schwer, sich den Reizen des Alltags zu entziehen. Umsomehr sollte der nach westlichen Gepflogenheiten lebende Mensch, wenn er sich schlafen legt, abbauende, astral wirkende Impulse und Elemente abstreifen, um regenerativen Aufbau zu erfahren. Dies ist wichtig für seine körperliche und seelische Gesundheit.

Ein gesunder Schlaf lässt sich nicht durch die Einnahme von Schlafmitteln herbeiführen, nötigenfalls kann man versuchen, mit pflanzlichen Sedativa besser schlafen zu können. Aus der anthroposophischen Sicht heraus lassen sich auch ganz andere, ungewohnte Therapieansätze zur Anwendung bringen, die, ohne Sedativa zu sein, eine schlaffördernde Wirkung entfalten.

Polaritäten von Wachen und Schlafen können beispielsweise durch Phosphor unterstützt werden. Über längere Zeit gegeben: morgens Phosphor in niedriger Potenz (D4) macht wach, abends Phosphor in hoher Potenz (D30) wirkt gegensinnig und macht den Menschen schlafbereit. Die gegensinnige Wirkung von Hoch- und Tiefpotenz lässt sich hier beispielsweise gut einsetzen. Die Tiefpotenz bringt in der Regel das Vergiftungsbild (Arzneimittelbild) hervor, die hohe Potenz das Gegenteil.

Dies zeigt sich in obigem Beispiel beim Phosphor deutlich. In der Tiefpotenz wirkt er wachmachend, in der D30 gegenteilig, nämlich schlaffördernd.

So auch Coffea - in niedriger Potenz, gar als Ursubstanz, sehr wachmachend. In hoher Potenz (D60) sehr gut beruhigend. Dieses wird angewandt in dem WELEDA-Mittel Avena sativa comp; Tropfen oder Streukügelchen. Darin enthalten ist neben Avena sativa, Humulus lupulus, Valeriana und Passiflora auch Coffea in Hochpotenz, in der D60.

Auch andere Ansätze im therapeutischen Vorgehen sind denkbar. Der Manager, der des Nachts im Bett liegt, hellwach. Alle Probleme stehen vor ihm. Er kriegt kein Auge zu. Ein starkes Schlafmittel zu nehmen, ist nicht tauglich. Er muss morgens wieder wach sein. Man könnte es versuchen mit Cinis-Präparaten. Der Cinis-Prozess ist ein Veraschungsprozess. Bei der Besprechung pharmazeutischer Prozesse in Kapitel 5.1 meines Buches (1) wird gezeigt, wie solche Aschen-Präparate auf "feinere Lungenatmungsprozesse" wirken. Wenn der Mensch nachts nicht "ausatmen" kann, sich nicht fallen lassen kann, wenn Astralleib und Ich sich nicht lösen wollen, dann kann man versuchen, Cinis Arnicae D8; Dil. zu geben, bereits schon am späteren Nachmittag und vor dem Schlafengehen nochmals. Natürlich müssen Reizgifte, aufregende Diskussionen, Fernsehkrimis etc. gemieden werden.

Pflanzliche Potenzen die die Schlafbereitschaft unterstützen, sind:

  • Passiflora, Humulus lupulus, Avena sativa, Lavandula und Valeriana. Beim Baldrian wurde die Einseitigkeit im Wurzelbereich in Kapitel 4.1 unter "Einseitigkeiten bei Pflanzen" dargestellt.
  • Auch kann WELEDA-Aufbaukalk 2 abends gegeben werden, bei Leberschwäche Hepatodoron; Tabl. - abends bis zu 5 Stück zerkauen.
  • Bei Unruhe vom Herzen her kann Cardiodoron mite als Tropfen eingenommen und Aurum /Lavandula comp.; Salbe in der Herzgegend dünn aufgetragen werden.
  • Bei der Schlaflosigkeit alter Menschen können Scleron-Tabletten verordnet werden.

Das ätherische Öl des Lavendels entfaltet eine überaus segensreiche Wirkung bei der Schlafförderung. Ätherische Öle über die Sinnesfunktion der Haut wahrgenommen, wirken augenblicklich und unstofflich, ohne den Organismus zu belasten. Selbst bei Kleinkindern hat sich bewährt, wenige Tropfen Ol. aeth. Lavandulae auf das Kopfkissen zu träufeln; den Rumpf abzureiben mit Lavendel-Entspannungsbad (WELEDA), das bringt den Menschen, ob groß, ob klein, oft in eine behagliche Ruhe vor dem Einschlafen. Dagegen wirkt Ol. aeth. Rosmarini als Einreibung am Morgen sehr belebend und aktivierend (nicht bei Kindern!).

Ein ausgeglichener Wärmehaushalt ist beim Einschlafen sehr wichtig. Kalte Füße lassen nicht einschlafen. Dagegen kann man mit ansteigend warmen Fußbädern angehen, mit Bewegung am Tage (man kann sich die kalten Füße weglaufen) oder mit Wollsocken.

Kalte Nass-Abreibungen des Körpers im Sinne von Kneipp sind schlaffördernd (Körper und Füße müssen warm sein).

Pfarrer Kneipp hat auch entdeckt, dass feuchte Wollsocken schlaffördernd sind (Füße müssen warm sein!).

Selbstverständlich kann man es auch mit dem alten Hausmittel, der heißen Honigmilch, versuchen.

Die WALA empfiehlt als schlaffördernde Mittel folgende:

  • Aurum / Stibium / Hyoscyamus; Amp./Glob.
  • Avena comp.;Amp./Glob.
  • Lavandula, Oleum aethereum 10%; Dispersionsbadeöl
  • Passiflora comp.; Amp./Glob.
  • Passiflora Nerventonikum; Sirup
  • Passiflora Kinderzäpfchen
  • Passiflora Zäpfchen
  • Valeriana comp.; Glob.

Bei langanhaltender, therapieresistenter Schlaflosigkeit, sollte natürlich der Schlafplatz auf eine eventuelle Belastung durch geopathische Reizzonen, auf elektrische und elektromagnetische Felder (ausgehend von PC; TV; DECT-Telefon etc.) untersucht werden. Wenn solche Störfaktoren vorliegen, muss Abhilfe geschaffen werden. Dies gilt auch für Störfaktoren, die eventuell einer Beherdung des Zahn-, Kiefer- und Mundbereichs entstammen. Diese können oft nervale, neurologische Belastungen darstellen und ebenfalls sehr schlafbehindernd sein.

Bei hartnäckiger Schlaflosigkeit sollte man evtl. auch an Praekanzerosen denken.

Wenn Angst, Furcht und Alpträume die Schlaflosigkeit hervorbringen bzw. unterhalten, dann sollte man versuchen, die seelischen Ursachen zu ergründen und behandeln.

Ein altes Sprichwort hat da immer noch Bedeutung: "Ein gutes Gewissen ist das allerbeste Ruhekissen."

Der Verfasser kann von einer Patientin berichten, die in die Praxis kam, um ihre schon lange bestehenden Schlafstörungen behandeln zu lassen. Sie wollte unbedingt die Meridian-Farb-Therapie nach Christel Heidemann angewendet wissen. Da könne man doch am Rücken durch Ertasten der Bindegewebszonen erkennen, wann und ob sie "energetisch im Gleichgewicht sei". Sie war eine sehr gepflegte und attraktive Patientin, die regelmäßig mit dem großen Mercedes-Coupé vorfuhr. Was von Anfang an rätselhaft war, war die Tatsache , dass sie immer in Begleitung ihrer Freundin kam, und dass sie vorgab, alles übrige sonst in ihrem Leben sei in allerbester Ordnung.

Die Erfolge nach drei Sitzungen waren mäßig, da tat sich nicht viel. Einmal kam sie ohne Begleitung. Die Freundin sei verhindert. Auf die direkte Frage, was denn da sonst noch sein könne, brach sie mit einemmal in Tränen aus. Alles in ihrem Leben sei chaotisch. Sie sei heillos verliebt in einen verheirateten jüngeren Mann. Das Verhältnis bestehe schon seit geraumer Zeit. Er lässt sich nicht scheiden, sie kann sich nicht scheiden lassen von ihrem Mann. Im Falle einer Trennung sei der ganze Wohlstand dahin. Sie wisse nicht mehr ein noch aus. Der Patientin konnte deutlich gemacht werden, dass die Meridian-Farb-Therapie dies nicht lösen kann, eine andere wohl auch nicht. Mit dem Hinweis konfrontiert: ein gutes Gewissen sei das allerbeste Ruhekissen, stand die Patientin auf und äußerte unter Tränen, jetzt habe sie begriffen, sie müsse das Problem lösen. Sie bedankte sich sehr überschwänglich. Offenbar war der "Groschen gefallen" - unverständlich, dass erst jetzt. Sie bat, keinem von der Begegnung zu erzählen, was ja wohl selbstverständlich ist. Sie ging gefasst, mit dem Vorsatz, das Problem lösen zu wollen.

Was es nicht alles gibt in der Welt. Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich.

Literaturangaben:

1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

Echter Baldrian (Valeriana officinalis) (http://de.Wikipedia.org/wiki/Baldrian)

teil x hopfen

Fruchtstände von wildem Hopfen (http://de.wikipedia.org/wiki/Echter_Hopfen)

11. Künstlerische Therapien

seelische Hygiene - geistige Kreativität

In den vorausgegangenen Beitragsfolgen zu dem Thema "Anthroposophie" wurde immer wieder darauf hingewiesen und betont, dass der Mensch sich vom Tier dadurch unterscheidet, dass bei ihm, über das astrale Wesensglied hinausgehend, noch ein geistiges inkarniert ist. Der Mensch verfügt über seine Ich-Personalität, sein Ich. Der Mensch sollte nicht astral angetrieben und triebgesteuert sein wie das Tier - er sollte geistgeleitet sein und seine Triebe unter Kontrolle haben. Dieses Ich verleiht dem Menschen die Fähigkeit, kreativ und schöpferisch tätig zu sein. Während das Tier seiner astralen Konfiguration folgt, seinen artspezifischen Verhaltensmustern, an denen sich im Verlauf von Tausenden von Jahren nichts ändert, sucht der Mensch ständig nach neuen Formen, nach neuen Ausdrucksformen, beispielsweise in der Architektur, in der Kunst etc., so auch in seinem sozialen Zusammenleben. Der Mensch macht eine Entwicklung durch, das Tier hält an dem fest, was ihm "in die Wiege gelegt" wurde.

Dieses geistige Wesensglied des Menschen, korreliert mit der Wärme, mit dem Feuer, so wurde es auch schon mehrfach dargestellt. Der Mensch kann sich "begeistern", sich "entzünden" und erwärmen" für eine Idee. Dies kann das Tier nicht. Das Heraussetzen und Verfolgen von Ideen, das ist menschengemäß. Es war bisher schon so viel die Rede von Bilde- und Formkräften, wie diese den Menschen individuell formen und gestalten; auf der physischen Ebene bis in die Fingerkuppen hinein, auf der zellulären Ebene bis in den "genetischen Fingerabdruck", bis in das Genom hinein. Diese Bilde- und Formkräfte, von denen Steiner immer wieder gesprochen hat, sind von höchster Bedeutung beispielsweise bei der Entstehung der Tumorkrankheit, wie auch bei deren Therapie. Wir sprechen nach anthroposophischem Verständnis davon, dass bei der Tumorerkrankung die Ich-Kräfte, die Formkräfte zu schwach geworden sind, dass die Form "entgleist" sei. Die Integrität der Form ist gestört. Es kommt bei der Therapie der Tumorkrankheit darauf an, die zu schwach gewordenen Formkräfte wieder anzuregen, auf möglichst vielen Ebenen. So versuchen wir beispielsweise mit der Misteltherapie über die Wärme, über eine Temperaturerhöhung bis hin zu subfebrilen Temperaturen, der Ich-Organisation zu ermöglichen, reparativ einzugreifen, um ein solches Formdefizit wieder zu beheben (1).

Man versucht einerseits, durch medikamentöse und physikalische Maßnahmen (z.B. Hyperthermie), solche Bilde- und Formkräfte zu stärken und zu mobilisieren. Andererseits lassen sich solche Formkräfte anregen durch aktives gestalterisches und künstlerisches Tun des Patienten. In unserer heutigen Zeit, die sehr stark geprägt ist von Information, Unterhaltung und Spaßverbreitung, läuft der Patient permanent Gefahr, einer unendlichen Passivität und Konsum-Mentalität anheim zu fallen. Keine körperliche Bewegung, kein handwerkliches Tun und ein Minimum an kreativer und gestalterischer Tätigkeit kennzeichnen unsere heutige Lebensweise. Der Mensch ist mittlerweile von unserem westlich geprägten System dazu erzogen worden, aus der Passivität heraus zu konsumieren. Der Glaube an ein Höheres ist ihm oft schon seit Jahren abhanden gekommen. Der moderne wissenschaftsgläubige Mensch wurde gelehrt, zunächst grundsätzlich Zweifel zu hegen, bevor er sich mit einer Sache einlässt. Glauben gehört heute in den Bereich des nicht Objektivierbaren. Alles, was nicht meß- und wägbar ist, hat heute keinen "Bestand" mehr. Der wissenschaftsorientierte Mensch ist zu einem Ungläubigen und zum Zweifler geworden. So wie der Naturwissenschaftler zunächst skeptisch an eine Sache herangeht, so glaubt heute auch Otto-Normalverbraucher, alle Lebenslagen angehen zu müssen.

Während früher der Handwerker sich noch aktiv formend und kreativ strukturgebend mit seinem Werkstück auseinandersetzte, hat die Fertigung heute die Maschine, der Automat übernommen. Das Durchformen der Materie, willensmäßig, von Hand, ist heute zur Seltenheit geworden.

Oft hat man frühere Hobbys, die teilweise noch kreativ waren, der Karriere, der Familie, der Bequemlichkeit geopfert. Wesentlich weniger Menschen als früher sind noch kreativ und schaffend tätig.

Mit der Durchgestaltung und Durchformung von Materie, mit dem kreativen Umgang mit Tönen, Klang und Farbe, mit Bewegung lässt sich solch verlorengegangenes, schaffendes und spielerisches Tun wieder neu beleben und lassen sich Formkräfte im Organismus anregen.

Geistige Impulse sind nötig, um in menschengemäßer Weise einerseits wieder kreativ zu werden und andererseits den Anschluß, die Religio, die Rückbindung an Geistiges neu herstellen zu können. Der Mensch braucht Glaube, Hoffnung und Zuversicht, braucht Vertauen in ein Höheres. Nicht erst, wenn er krank geworden ist, um sich daran wieder "hochzuziehen". Er braucht es ständig, um gesund zu bleiben und gesund zu werden. Neben einer stofflichen Nahrung braucht der Mensch seelische und geistige Nahrung. Die Kunst in Form von Musik, Literatur, Malerei, plastizierender Kunst, Bewegungskunst etc., Religion können den Menschen beflügeln und aufrichten. Kunstgenuss ist wertvoll, viel wertvoller noch ist aktives künstlerisches Tun.

Selbstverständlich ist auch eine seelische Hygiene notwendig, ein sich Enthalten von allem möglichen Unrat, der sich heute an Sinnes-Nerven-Eindrücken so bietet. Die Medien sind voll von Tand und Unrat, Dingen, die den Menschen in seinem geistig-seelischen Bereich viel eher herunterziehen als erheben. Es kommt nicht von ungefähr, dass man in anthroposophischen Zusammenhängen von einer sogenannten Ich-Verschmutzung spricht. Der Mensch, so er gesund werden bzw. bleiben will, muß an sich arbeiten und Dinge von sich weisen, die unsauber, seicht und niedrig sind.

So hat die anthroposophische Therapierichtung eine Vielfalt an künstlerischen Therapien anzubieten, um dem Menschen individuell das anzubieten, was ihm am ehesten entspricht und was ihn am ehesten fördert. Neben der medikamentösen Versorgung sollen, mit all den künstlerischen Maßnahmen, geistige und gestaltende Kräfte im Organismus angeregt werden.

Die anthroposophischen Kunsttherapien wurden vor allem von Dr. med. Margarethe Hauschka entwickelt, die auch die erste Ausbildungsstätte für diese Therapieform gründete. Diese künstlerischen Therapien umfassen im Einzelnen:

Therapeutisches Zeichnen und Malen: Mit Kreide und Stiften, Pinsel und Farbe, Papier oder Leinwand setzt der Patient Bildhaftes und Farbiges aus sich heraus. Speziell beim Malen mit Aquarell-Farben kann man erahnen, wie durch die ineinanderfließenden, wässrigen Farben Ätherisches unterstützt und angeregt wird.

Musiktherapie: Eingesetzt werden Schlaginstrumente wie Glockenspiel, Xylophon, Zimbeln, Klanghölzer, Trommel und Pauke; verschiedene Blasinstrumente wie Flöte, Krummhorn, Schalmei, Trompete und Alphorn; Streichinstrumente wie Chrotta (vereinfachtes Cello), Geige, Bratsche und Kontrabass; Zupfinstrumente wie Harfe, Leier und Kantele. Gemeinsam mit dem Therapeuten werden Melodien, Klänge und Rhythmen improvisiert oder auch nur gehört. Die Auswahl der Instrumente erfolgt nach der individuellen Situation des Patienten, nach dem Schweregrad und dem Stadium der Erkrankung.

Wenn wir in anthroposophischen Zusammenhängen von dem sogenannten Klang- bzw. chemischen Äther sprechen, wenn man von einer kosmischen Sphären-Harmonie spricht, wenn Pythagoras schon in der Antike die Gesetze des Kosmos und der Mathematik in den Gesetzen der Musik wiederfindet, so kann man davon ausgehen, dass Musiktherapie nicht nur eine Gefälligkeit für das Ohr und für die Seele darstellt, sondern dass sie eine tief strukturell-ordnende Wirkung auf den Organismus hat.

Sprachgestaltung: Zur Anwendung kommen Lautbildung, Konsonanten, Vokale, Textrhythmen, Hexameter. Die Atmung spielt beim Sprechen eine besondere Rolle (Sprache ist gestaltete Ausatmung). Die Indikationen zur Sprachgestaltung liegen nicht nur bei der Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen, sondern auch bei der Behandlung internistisch-allgemeinärztlicher Erkrankungen, sowie im psychosomatischen, psychiatrischen und heilpädagogischen Bereich.

Künstlerisches Plastizieren: Wie das Malen Form- und Farbensinn anspricht, das Aquarell-Malen ätherische Bildekräfte anregt, so kann man davon ausgehen, dass Plastizieren bzw. das Schaffen von Skulpturen plastizierende und formende Kräfte im Menschen bzw. Patienten anregt. Formgebend gearbeitet wird schnitzenderweise mit Holz, hauenderweise mit Stein und Speckstein und plastizierenderweise mit Tonerde, Bienenwachs, Plastillin und Sand. Ton, das Erdenelement, schafft Beziehung zum Blut, schafft "Fingerspitzengefühl". Nicht-anthroposophische Therapeuten betonen häufig den reinigenden Charakter des Töpferns und Plastzierens. Ton würde viel Krankhaftes und Miasmatisches aus dem Menschen "herausziehen". Töpfer seien gesunde Menschen mit auffallend warmen Händen! - sagen solche Stimmen.

Literaturangaben:

1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar "anthroposophische Naturheilpraxis" - Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

Abb. 1 Eurythmie
(www.goetheanum-buehne.ch)

  • T
  • 240
  • 320
  • 640
  • 800
  • Os

Abb. 2 Maltherapie (www.farbraum.biz/mediavik/index.php/Hauptseite)

Ende der Serie

Werner Schmötzer, Heilpraktiker
www.werner-schmoetzer.de , www.werner-schmoetzer.de/buecher.htm

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