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Der Mensch zwischen emotionaler Beziehungspflege und humanoider Robotik

Raimar Ocken heilpraktiker

 

 

Raimar Ocken, Heilpraktiker
Raimar Ocken

 

Wenn wir der Evolutionstheorie folgen, dann sind wir eine aussterbende Spezies. Wir sind dabei, uns überflüssig zu machen. Aber wollen wir das wirklich oder fehlt es „nur“ am Bewusstsein, dass es notwendig ist, den Lebensstil zu verändern, wenn wir weiterleben wollen?

Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit der Thematik: „Individuelle und gesellschaftliche Gesundheit und Krankheit“ aus ganzheitlicher Sicht. Obwohl es zunehmend Materialien dazu gibt, wie: Fernsehbeiträge, DVDs, Bücher, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, geschieht gesellschaftlich zur Thematik recht wenig. Selbst viele Autoren, die darüber schreiben, sind nicht wirklich gewillt ihre Ideen bezüglich eines humaneren Miteinanders in die Realität umzusetzen. Der Eine fühlt sich zu alt dazu, der Andere hat keine Zeit, der Dritte hofft, dass der Leser seine Gedanken in Taten umsetzt ...

Wenn wir etwas nicht wahrnehmen, heißt es nicht, dass es nicht geschieht

Manche stellen sich blind, taub oder sonst wie wahrnehmungsgestört, wenn es um bestimmte Themen geht. Sie hoffen, dass sie davon unberührt bleiben und alles nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Zunehmende Zerstörung zwischenmenschlicher Beziehungen, emotionale Verarmung, Angst vor Nähe und die Flucht in die Technik sind die Folgen. Die Unterhaltungsindustrie boomt. Parallel dazu die Mode der digitalen Neuerungen und „Lebensverbesserungen“. Der Bogen spannt sich von „Nicht-selber-denken-müssen“ und mittels visueller Berieselung der Einsamkeit ein Schnippchen schlagen zu wollen, bis hin zur Selbstoptimierung mittels elektronischer Geräte, um möglichst nicht krank zu werden und lange zu leben. Dabei ist längst erwiesen, dass Flucht vor Einsamkeit nicht rettet und dass das ewige Bemühen um einen gesunden Körper, das Leben weder dauerhaft verschönt noch verlängert. Wer sich um Schönheit und Gesundheit bemüht, befindet sich in einem Disstresszustand, der seine Anstrengungen letztlich konterkariert. Sehr alte Menschen sprechen nicht von Fitness, Sport, veganer Ernährung usw., wenn es darum geht, einen Grund für ihr hohes Alter zu nennen.

Lieber einen humanoiden Roboter als einsam sein

Die Entwicklung der Technik hat nicht nur den fragwürdigen Sinn, uns das Leben einfacher (leichter) machen zu sollen. Ein ganz wichtiger Aspekt ist die zunehmende Automatisierung aus finanziellen Gründen. Der Gewinn der Firmeneigentümer soll erhöht, Löhne und Gehälter eingespart werden. Mehr produzieren und verkaufen und die Personalkosten senken. So war vor Kurzem in den Internetnachrichten zu lesen, dass eine japanische Versicherungsgesellschaft eine Künstliche Intelligenz in Betrieb genommen hat und dadurch 30 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren haben. Ein Preis, den wir zunehmend für unsere Faulheit und die Gewinnmaximierung der Investoren und Firmenbesitzer zu zahlen haben ist, die fortschreitende Verarmung weiter Bevölkerungskreise. Da Verarmung meistens mit Erkrankung einher geht, werden zunehmend Hilfskräfte benötigt, die wenig kosten: zum Beispiel humanoide Roboter im Pflegedienst. Der (kostensparende) Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen wird schon seit Jahren diskutiert und findet immer breiteren Einsatz.

Gewollt und ungewollt: Die Technik überrollt uns

In seinem Buch: „Evolution ohne uns“, Plassen Verlag (2016), schreibt der amerikanische Journalist und Fernsehproduzent Jay Tuck einerseits, dass zum Beispiel berühmte Leute wie Bill Gates (Microsoft), Elan Musk (Tesla), Steve Wozniak (Apple) u. a. die Entwicklung als bedenklich oder gar bedrohlich benennen, andererseits merkt er gleichfalls an, dass sie sich darüber wundern, dass sich „niemand“ für das Problem interessiert. Auch lässt der Autor Stimmen zu Wort kommen, in denen Menschen ihre Hoffnung ausdrücken, in einem menschenähnlichen (humanoiden) Roboter weiterleben zu können. Ich frage mich: Wie schrecklich muss ein Leben sein, wenn jemand hofft, mittels Robotik sein Leben verbessern und endlos verlängern zu können? Ich weiß es nicht. Im Grunde genommen interessiert es mich auch nicht wirklich. Was ich jedoch für interessant halte ist die Frage: Werden Künstliche Intelligenzen uns eines Tages abschaffen, weil wir minderwertig und eine Gefahr für ihr „Leben“ – besser gesagt: ihre Existenz – sind? Zu dieser Frage möchte ich unter anderem zwei DVDs empfehlen: „Her“ von Spike Jonze, USA (2013) und „Ex Machina“ von Alex Garland, GB/USA (2015). Auch der „Tatort: Echolot“ (ARD, 30. Oktober 2016) ist diesbezüglich richtungsweisend, denke ich.

Wir benötigen Auswege

Es gibt zum Glück schon etliche Menschen, die sich mit einer anderen Lebensform als der des Spätkapitalismus befassen. Was aber leider vielen von ihnen fehlt ist der Schritt zur Berührung, zur emotionalen Begegnung, fernab von zwischenmenschlichen Besitzansprüchen, Eifersucht, Egomanie, Machtansprüchen, Ignoranz und, und, und. Der schwierigste Aspekt dabei ist wohl für die Meisten, die Überwindung der so genannt naturwissenschaftlichen Dogmen. Oder anders ausgedrückt: Das Loslassen der Vorstellung, dass die Wissenschaften die einzig wahre Weltsicht vertreten. Auch Wissenschaften sind subjektiv geprägt und nur relativ wahr, denn auch der rationalste Wissenschaftler hat Gefühle, Wünsche, Hoffnungen, Ängste usw. Selbst Wissenschaftler, die kollegiale Lehrmeinungen relativieren, bleiben letztlich im System verhaftet. Albert Einstein soll gesagt haben: „Wir können unsere Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen, mit der wir sie erschaffen haben.“ Also müssen die Lösungen für die verschiedenen Probleme von außen kommen, ganzheitlich sein. Dabei genügt es allerdings nicht Spiritualität und Wissenschaft zusammenzuführen, denn beide Aspekte sind dem männlichen Prinzip zuzuordnen. Was fehlt, ist die Wiedereinbindung des fraulichen Prinzips („erdig“, emotional, subjektiv ...), das in Frauen und Männern vorhanden ist. Wir müssen es nur (wieder) stärker leben.


Literaturhinweise:

  • Christoph Keese: „Silicon Valley“, Penguin, München (2016)
  • Christoph Kehl/Christopher Coenen: „Technologie und Visionen der Mensch-Maschine-Entgrenzung“, Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, Berlin (2016)
  • Thobias Wagner: „Robokratie“, Papyrossa, Köln (2015)
  • Ulrich Eberl: „ Smarte Maschinen“, Hanser, München (2016)
  • Tagungsprotokoll: „Werden intelligente Roboter die besseren Menschen?“, Institut für Kirche und Gesellschaft, Iserlohn (2004)

"Mit der Ausbreitung der Krankheitswirtschaft geht der Verlust des Vertrauens einher. […] Mit dem Verlust des Vertrauens wächst das Misstrauen und damit ein Unbehagen. Und vielleicht können hier diejenigen ansetzen, die sich mit den Entwicklungen hin zu einer immer weiter gehenden Kommerzialisierung des Umganges mit Krankheit nicht abfinden wollen.“ (Paul U. Unschuld: “Ware Gesundheit. Das Ende der klassischen Medizin“, C. H. Beck, München, 2011).

Raimar Ocken
Heilpraktiker
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Tel.: (030) 4413916 - Fax: (030) 39746967
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