Heilpraktiker Berufs-Bund

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Hahnemann

Hahnemanns Wiederverheiratung
Bilder Hahnemann.Int

Marie Mélanie d´Hervillilly-Gogier     Samuel Hahnemann, 80jährig

Editorial

Hahnemanns zweite Frau Marie Melanie d ́Hervilly-Gohier entstammte einer adeligen Familie. Sie reiste im Oktober 1834 nach Köthen, um sich von Hahnemann wegen Unterleibsbeschwerden behandeln zu lassen.

Nach der Wiederverheiratung Hahnemanns (seine erste Frau Henriette starb 1830) mit der 45 Jahre jüngeren Französin Mélanie d’Hervilly-Gohier am 18. Januar 1835 in der St. Agnus-Kirche in Köthen kursierten viele Gerüchte über die Eheschließung. Die Gegner Hahnemanns spotteten und höhnten. Die Gerüchteküche wurde zusätzlich durch einen hämischen Artikel geschürt, der in der Dorfzeitung von Sachsen-Meiningen erschien.

Hahnemanns Vertrauter und Anwalt, Justitzamtmann Isensee aus Köthen, veröffentlichte im "Allgemeinen Anzeiger der Deutschen" und in den "Volksblätter für homöopathisches Heilverfahren"1 eine Erklärung, in der er die üble Nachrede entschieden zurückweist.

Die in diesem Newsletter abgedruckte Veröffentlichung von Isensee stammt aus "Volksblätter für homöopathisches Heilverfahren"1.
©Hahnemann Institut 2015;

1) Verlag von Ludwig Schumann, Leipzig 1835, Erster Band, Seite 150-153. Bibliothek des Hahnemann Instituts, Greifenberg

Die Wiederverheiratung Hahnemanns

Aus: Volksblätter für homöopathisches Heilverfahren, Leipzig 1835, Verlag von Ludwig Schumann, Zweites Heft, Seite 150 – 153

Wem sollte es nicht zu Ohren gekommen sein, daß sich der noch kräftige 80jährige Greis, unser würdige Meister Hahnemann, am 18. Januar 1835 wieder verheiratet habe? – Der Ursachen zu dieser, von ihm, in einem so hohen Alter noch eingegangenen Verbindung hat man mancherlei angegeben; mehrere öffentliche Blätter haben darüber gesprochen; niemand hat aber den Nagel auf den Kopf getroffen. Auch an Spöttern und Witzlingen hat es nicht gefehlt, die sich über den ehrwürdigen Greis und sein (wie sie es nannten) Gelüste lustig gemacht haben. Und wo es nur Witze anzubringen gibt, sollten es auch recht schlechte (wie man zu sagen pflegt) sein, da ist gewiß der Dorfzeitungsschreiber nicht der Letzte. Ob übrigens die von ihm erzählten Thatsachen wahr seien, das kümmert den ehrenwerthen Mann nicht; wenn nur seine Dorfgemeinde darüber lacht. Derselbe berichtet in Nr. 22 seiner Zeitung pro 1835:

„Der große Vater der Homoöopathie, Dr. Hahnemann in Cöthen, um der Welt zu zeigen, wie sich seine Kunst an ihm verherrlicht, hat am letzten 18. Januar in seinem 80. Lebensjahre abermals geheiratet, eine junge katholische Dame, Tochter eines Gutsbesitzers aus Paris.Der junge Mann ist noch sicher in rüstiger Kraft, und fordert alle Allopathen auf: Macht mir ́s nach, wenn Ihr könnt! – Außer andern Pretiosen schenkte der alte Bräutigam seiner jungen Braut, die früher als Kranke in Mannskleidern zu ihm gekommen war, einen Ring für 500 Thlr. Und vermachte ihr 40,000 Thlr., jedem seiner Kinder aber 32,000 homoöopathische Thlr. Dem Vernehmen nach sollen sich mehrere Allopathen zur Homöopathie zu wenden geneigt sein.“

Ferner in Nr. 37: „Man sieht, daß nicht blos die deutsche Homoöopathie, wie der Herr Dr. Hahnemann, der Frau und den Kindern das Vermögen Hunderttausendguldenweise vermachen kann, sondern auch die französische Allopathie. Der berühmte Oberwundarzt Dupaytren, der eben in Paris gestorben ist, hat seiner Tochter 7 Millionen Franken hinterlassen“ u.s.w.

Dann in Nr. 43: „Dr. Hahnemann, der Vater der Homoöopathie, ist mit seiner jungen französischen Gemahlin zum Besuch nach Paris gereis ́t und seine Söhne müssen einstweilen allein haushalten.“

Endlich in Nr. 53: „Einsichtsvolle Leute wollen wissen, die Reise des Herrn Dr. Hahnemann nach Paris sei blos eine homöopathische Kur. Die junge Französin nämlich, die der Greis geheirathet habe, sei bald nach der Hochzeit nach Paris geeilt. Um nun das Eheübel zu heilen, habe der erfahrene
Homoöopath nach dem Grundsatze seiner Schule similia similibus angewendet und sei ebenfalls nach Paris geeilt.“

Um die Verbreiter solcher unwahren Nachrichten und gehaltlosen Witzeleien gehörig zu züchtigen, hat ein bekannter Ehrenmann in Coöhen eine Ruthe angefertigt und damit die Vorlauten folgendermaßen auf´s Maul geschlagen:

„Öffentliche Erklärung der Wahrheit.“

„Die über die Verheirathung des Hofraths Dr. Samuel Hahnemann in Cöthen mit dem Fräulein Marie Melanie d´Hervilly-Gohier aus Paris in der Dorfzeitung und in einigen berliner Blättern verbreiteten Nachrichten sind, mit alleiniger Ausnahme der Statt gehabten Verheirathung selbst, s ä m m t l i c h Lügen und zum Theil s c h ä n d l i c h e Verleumdungen! Dem besseren Publicum kann es nur angenehm sein, die W a h r h e i t zu e r f a h r e n, und ich, der ich die Vermögensregulierung zwischen den beiden Ehegatten und zwischen Herrn Hahnemann und seinen Kindern erster Ehe geleitet, mithin die genaueste Kenntniß von den Verhältnissen habe, glaube daher, diese Erklärung sowohl dem von mir hochgeschätzten Ehepaare, als auch dem Publicum schuldig zu sein“.

„Diese Ehe hat weder auf der einen, noch auf der andern Seite irgend einen zweideutigen Nebenzweck! Der alte, in steter rastloser Thätigkeit ergrauete, vielfach verfolgte und gekränkte, allen seinen nähern Bekannten ehrwürdige Mann lernte in der Unterhaltung mit dem als Kranke zu ihm gekommenen Fräulein d´Hervilly sehr bald einen höhern, von ihm früher nie geahnten Lebensgenuß kennen, der den innigsten Wunsch hervorrief, die letzten Tage seines v i e l b e w e g t e n Lebens im traulichen Vereine mit der Schöpferin dieses höhern Lebensgenusses r u h i g und h e i t e r zu beschließen.“

„Sie, die Gattin, 35 Jahre alt, aus guter und reicher Familie stammend, mit eigenem unabhängigen bedeutenden Vermögen begabt, in Künsten und Wissenschaften erzogen, nachgewiesenermaßen als Malerin und Dichterin, vor Allem aber als Mensch, von den berühmtesten und geachtetsten Personen ihres Vaterlandes hoch gerühmt, als Freundin innig geliebt, und von allen ihren hiesigen Bekannten, ohne Ausnahme, geschätzt und hoch geehrt, sie, diese Frau, war hochherzig genug, ihren Entschluß: nur den Künsten und Wissenschaften zu leben und keine eheliche Verbindung einzugehen, dem Wunsche des ihr theuern Greises zum Opfer zu bringen, ihr geliebtes Vaterland, Ihre Familien und Kunstverbindungen in Frankreich und Italien hintanzusetzen, um einem alten verdienten Manne den Abend eines trüben Tages zu erhellen.“

„Nur zwei Bedingungen knüpfte ihre Uneigennützigkeit und ihr Zartgefühl an die Einwilligung zu dieser Ehe:“

  • „1) daß sie von dem ganzen Vermögen des Hfr. Hahnemann, weder bei Lebzeiten, noch auf den Todesfall, irgend etwas annähme, vielmehr alles dieses den Kindern resp. Kindeskindern ihres Gemahls ohne den geringsten Abzug zufallen solle, und“
  • „2) daß H. Hahnemann sein Vermögen sofort unter seine Kinder resp. Kindeskinder vertheile.“

„Der ersten Bedingung ist in den von mir aufgesetzten Ehepacten vollständig entsprochen und in Ansehung der zweiten Bedingung habe ich Herrn und Madame Hahnemann zur Einwilligung eines Arrangements bewogen, wonach sofort von dem hahnemann´schen Vermoögen 48,000 Thlr. an seine Kinder resp. Kindeskinder vertheilt und auf deren Namen bei herzogl. Kammer hier zinsbar belegt sind, H. Hahnemann aber von den, mit Inbegriff seiner Grundstücke, ihm etwa höchstens noch verbleibenden 15,000 Thlr., welche nach seinem Tode nebst dem etwa noch zu verdienenden Nachlasse ebenfalls seine Kinder resp. Kindeskinder bekommen, zeitlebens die Revenúen beziehet.“

„Ich habe sämmtliche Documente der Hrn. Hahnemann und der hahnemann ́schen Kinder resp. Kindeskinder in meinem Verschlusse und verwalte das ganze Vermögen.“

„Madame Hahnemann hat außer dem ganz einfachen, goldenen gewöhnlichen Trauringe nicht das Mindeste an Sachen und keinen Pfennig Geld von dem Vermögen ihres Gatten erhalten!"

„Dies sind Thatsachen, welche den verbreiteten Lügen direct und indirect widersprechen und den Lügner selbst dem gerechten Urtheile der Welt preisgeben.“

„Ich schließe diese Erklärung mit der Nachricht, daß die hochherzige Gattin der Hrn. Hahnemann ihren Zweck herrlich erreicht und in dem unverkennbaren Glücke ihres Gatten ihr eigenes und den Lohn für manches Opfer findet!“

„Schande dem, der durch Verläumdungen die heitere Ruhe beider zu stören beabsichtigt.“

„Cöthen, den 11 . März 1835.“ „Der Justizamtmann Isensee.“

Quelle:

Mit freundlicher Genehmigung des Hahnemann Institut entnommen aus Newsletter 11-2015/4
Hahnemann Institut
Privatinstitut für homöopathische Dokumention GmbH
Krottenkopfstraße 2, 86926 Greifenberg
Tel: 08192-93060
email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! internet: www.hahnemann.de

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